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„Da gibt es keine zwei Meinungen“: Viel HSV-Frust nach Pleite in Paderborn
Der HSV unterlag in Paderborn spät – aber verdient. Witters
Der HSV unterlag in Paderborn spät – aber verdient.
Witters

Der HSV enttäuscht in Paderborn und verliert. Foul vor dem Siegtreffer durch Leihgabe Philippe? Sorgen um Vieira und Nadir.

Schlimmer hätte der Ausflug nach Paderborn für den HSV nicht enden können. Nicht nur, dass die Profis von Trainer Merlin Polzin durch das 0:1 (0:0) beim Aufsteiger erstmals nach drei Bundesliga-Siegen am Stück wieder verloren und sich fürchterlich über Schiedsrichter Martin Petersen aufregten. Obendrein verletzten sich mit Fábio Vieira und Bilal Nadir zwei weitere Stammspieler. Dass ausgerechnet HSV-Leihgabe Rayan Philippe den Paderborner Siegtreffer erzielte (88.), setzte dem missratenen Nachmittag noch die Krone auf.

Der Frust war allen HSV-Profis anzusehen, als sie nach dem Abpfiff in die Kabine trotteten. Sie waren restlos bedient nach diesem 0:1, das den Verein wieder auf den harten Boden der Tatsachen fallen ließ. In der Bundesliga bekommst du nichts geschenkt, schon mal gar nicht, wenn man so schwach spielt, wie der HSV in Ostwestfalen. Das wussten sie selbst. Und dennoch richtete sich ihre Wut nach dem Abpfiff zuvorderst gegen Petersen.

HSV verliert in Paderborn – weil Leihgabe Philippe trifft

Abwehrmann Warmed Omari war kaum zu bremsen und wollte den Referee mehrfach zur Rede stellen, wurde nur mit Müh und Not von seinen Kollegen in Zaum gehalten. Polzin aber ließ sich nicht davon abhalten, den Dialog zu suchen. Wenige Minuten nach der Partie bat er Petersen in der Schiedsrichter-Kabine zum Gespräch. Denn die Hamburger warfen dem Schiri vor, mit zweierlei Maß gemessen zu haben.

Was war passiert? Unmittelbar vor Philippes Treffer monierte der HSV ein vermeintliches Foulspiel von Felix Götze an Omari. Petersen aber ließ weiterspielen, wenige Sekunden später zog der eingewechselte Philippe ab – und traf entscheidend.

Polzin sauer: „Das war ein klares Foul“

„Das war ein klares Foul“, echauffierte sich Polzin später und war kaum zu bremsen. Bereits unmittelbar nach dem Treffer hatte er wegen zu heftigen Reklamierens Gelb gesehen. Nun schäumte er: „Ich versuche, immer sehr sachlich zu sein, aber das fällt mir diesmal sehr schwer.“ Und weiter: „Es ist völlig in Ordnung, wenn der Schiedsrichter für sich eine Linie festlegt, wie er das Spiel gestalten möchte. Aber dann muss das auch über 90 Minuten der Fall sein. Das war aber in der Szene nicht der Fall.“

Witters HSV-Trainer Merlin Polzin tröstet Warmed Omari. Witters

Der Trainer fuhr fort: „Natürlich ist das ein Foulspiel, der Paderborner geht nur in den Mann. Es muss gepfiffen werden und darf auf keinen Fall dazu führen, dass wir das Spiel verlieren. Ich weiß nicht, wie oft man schon die Aussage gehört hat, dass man dazu nichts sagen darf, um nicht irgendwelche Probleme zu bekommen. Aber gerade wenn es hier um Punkte geht, die extrem entscheidend sein können, fällt es mir sehr schwer, das zu akzeptieren.“

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Polzins Profis schlugen ähnliche Töne an. „Wenn man seine Linie davor betrachtet, die sehr kleinlich war, dann ist das für mich ein klares Foul“, erklärte Miro Muheim. Das sah auch Yussuf Poulsen so: „Die Linie, die der Schiedsrichter in diesem Spiel gelegt hat, war sehr dünn, was auch okay ist. Aber dann muss er sie auch konsequent durchziehen. So, wie er die Linie gelegt hat, war das halt ein Foul. Da gibt es keine zwei Meinungen.“

Schwache Leistung des HSV führt zur Niederlage

Eine Argumentation, der man folgen kann. Allerdings – und das ist der andere Teil der Wahrheit – wussten die Hamburger ihre eigene schwache Leistung entsprechend einzuschätzen. „Das war kein gutes Spiel von uns“, ließ Muheim zu wissen. „Wir waren das ganze Spiel über zu passiv und dann nach der Pause auch zu unsauber.“

„Wir waren das ganze Spiel über zu passiv und dann nach der Pause auch zu unsauber.

Miro Muheim

Polzin kritisierte: „Wir waren im Spiel, haben es in der zweiten Hälfte aber nicht mehr gut gemacht. Dann musst du das Spiel aber mit 0:0 beenden und den Punkt mit nach Hause nehmen.“

Tatsächlich aber drückte der Aufsteiger vor 15.000 Fans im ausverkauften Haus nach dem Wechsel mehr und mehr und verdiente sich den Sieg. Santiago Castañeda scheiterte am stark reagierenden Daniel Heuer Fernandes (47./73.), Laurin Curda traf den Außenpfosten (73.). Dann aber netzte Philippe. Der HSV hingegen besaß keine einzige Großchance. Allenfalls Møller Wolfe (per Kopf/38.) und Moffi (59.) kamen zu halbwegs vernünftigen Gelegenheiten.

Witters HSV: Spieler und Betreuer verabschieden sich nach dem 0:1 beim SC Paderborn vom Publikum. Witters

Doch nicht nur die Niederlage sorgte aus HSV-Seite für Frust. Während Nicolás Capaldo und Jordan Torunarigha aus Verletzungsgründen die Reise nach Paderborn gar nicht erst mit antreten konnten, erwischte es während des Spiels auch noch Vieira und Nadir.

Fábio Vieira droht längerer Ausfall – auch Nadir verletzt

Der Portugiese musste bereits nach 13 Minuten mit dick bandagiertem rechtem Oberschenkel raus. Nadir verabschiedete sich nach 71 Minuten und humpelte an den Schultern der HSV-Physios in die Kabine. „Schlimmer als die Niederlage ist eigentlich, dass wir zwei weitere Spieler verloren haben“, moserte Poulsen.

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Während Nadir laut erster Diagnose nur an Krämpfen gelitten haben soll (Polzin: „Ich hoffe, dass es nicht so dramatisch ist“), droht Vieira eine längere Pause. Er dürfte nicht nur am Dienstag im Pokal gegen Frankfurt (18 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) fehlen.