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Die Stallorder war das bestimmende Thema beim letzten MotoGP-Rennwochenende in Indonesien. Aprilia hatte sich zunächst klar gegen eine solche ausgesprochen und ließ die eigenen Fahrer frei miteinander kämpfen. Dann aber die folgenschwere Kollision zwischen Marco Bezzecchi und Raul Fernandez im Sprint, woraufhin zurückgerudert wurde. Man werde jetzt doch über "eine Art Direktive oder einen Leitfaden" nachdenken, so Technikdirektor Fabiano Sterlacchini am Sonntag nach dem historischen Vierfachsieg im Grand Prix, der nicht in vollen Zügen gefeiert werden konnte.
Zumindest eine Art von Teamorder zugunsten des Gesamtführenden Jorge Martin oder des WM-Bezzecchi, der mit 46 Punkten Rückstand in der Weltmeisterschaft noch Restchancen auf den Titelgewinn hat, ist künftig also nicht mehr auszuschließen. Doch könnte nun auch Ducati in den kommenden Rennen zu diesem bei Fans äußerst unbeliebten Mittel greifen? Marc Marquez sah sich am Donnerstag vor dem Australien-GP mit genau dieser Frage konfrontiert - und seine Antwort fiel eindeutig aus.
"Wenn du schnell genug bist, brauchst du keine Teamorder. Du brauchst sie nur, wenn du nicht schnell genug bist", kommentierte er und konnte sich einen Seitenhieb gegen Aprilia und seine WM-Rivalen damit nicht verkneifen. Anders als etwa Martin war Marquez in den letzten Grands Prix nämlich stets schnellster Ducati-Pilot und damit gar nicht auf Hilfe seiner Markenkollegen angewiesen. Er holte auch so die für ihn maximal möglichen WM-Punkte. Selbst wenn Borgo Panigale gewollt hätte, wäre die Aussprache einer Stallorder zu seinen Gunsten in den letzten Wochen also gar nicht nötig gewesen, da sowieso niemand mit ihm mithalten konnte.
Ob das auch auf Phillip Island wieder so sein wird? Die Chancen stehen jedenfalls gut, nur Casey Stoner (6) und Valentino Rossi (5) feierten dort mehr MotoGP-Siege als Marquez (4). "Das ist eine Strecke, die ich mag. Es gibt viele Linkskurven, in denen ich normalerweise gut performe", wusste der Spanier am Donnerstag auch selbst. Ob der Australien-GP also der perfekte Zeitpunkt für Big-Points im Titelkampf sei? Durchaus, aber von einem Selbstläufer wollte Marquez auch nichts wissen. Er warnte vielmehr vor Wetter und Konkurrenz: "Das ist ein Wochenende, an dem wir [das Risiko, Anm.] gut abwägen müssen. Die Prognose schaut nicht so gut aus und die Aprilias haben hier letztes Jahr schon sehr gut funktioniert. Ich erwarte, dass sie auch dieses Jahr sehr schnell sein werden."
Tatsächlich bestimmte die RS-GP den Australien-GP im Vorjahr. Marco Bezzecchi gewann den Sprint mit 3,149 Sekunden Vorsprung und am Sonntag war es dann Raul Fernandez, der infolge einer doppelten Longlap-Penalty für 'Bezz' seinen ersten Grand-Prix-Sieg in der MotoGP einfahren konnte. Von den Ducatisti gelang es einzig Fabio Di Giannantonio, halbwegs mitzuhalten. Allerdings gehört natürlich auch zur Wahrheit, dass Marquez infolge seines Sturzes in Mandalika damals verletzt zuschauen musste. Ein direkter Vergleich zu 2025 ist also nicht möglich. "Das könnte ein enges Wochenende werden. Vielleicht kämpfen wir bis in die letzten Runden hinein", rechnete Jorge Martin am Donnerstag daher mit einem Ritt auf der Rasierklinge.
Ob er folglich Unterstützung seiner Markenkollegen erhalten werde, um die Oberhand im Duell mit Marquez zu behalten? Martin selbst wollte diesbezüglich nichts preisgeben. Aufmerksamen Beobachtern wird ein Meeting der vier Aprilia-Fahrer mit dem Management um Racing-CEO Massimo Rivola im Paddock von Phillip Island am Donnerstag aber nicht entgangen sein. "Das war kein Meeting, wir haben uns nur zum Kaffee getroffen", spielte Fernandez dies zwar herunter und auch Bezzecchi meinte auf die Frage, ob darin eine Stallorder besprochen worden sei: "Nein, das war ein normales Meeting. Wir arbeiten immer eng mit Trackhouse zusammen. Es ist normal, dass wir uns manchmal treffen und uns etwas unterhalten." Tatsächlich ist aber schon davon auszugehen, dass hier detaillierter über die eingangs erwähnten Direktive und Leitfäden gesprochen wurde.
Ob und in welcher Form sie zur Anwendung kommen werden, hängt nun wohl primär an der Tagesform, in der sich WM-Leader Martin auf Phillip Island präsentieren wird. Auf dem Papier sollte ihm die Strecke liegen, 2023 und 2024 zeigte er sich hier als Pramac-Ducati-Pilot in starker Form. Aber lässt sich das auch auf die Aprilia übertragen? "Wir werden sehen", meinte er nur. Zumindest der Körper scheint ihm aber keinen Strich durch die Rechnung zu machen. Nach dem Indonesien-GP war der Weltmeister von 2024 nämlich erkrankt, postete auf Social Media ein Bild, wie ihm gerade eine Infusion verabreicht wurde. Inzwischen sei alles wieder gut: "Ich bin bereit. Ich konnte gut trainieren und fühle mich in guter Verfassung für dieses Wochenende."