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Mit Krisen-Kommunikation kennt sich Kenan Karaman bestens aus. Als Kapitän und Führungsspieler musste er auch in den tristen Zweitliga-Saisons Rede und Antwort stehen und erklären, warum seine Schalker schlecht spielten, enttäuschten oder in die Krise schlitterten. Eigentlich schien er diesen Job hinter sich gelassen zu haben – nach dem Aus im DFB-Pokal bei Zweitligist Dynamo Dresden (0:2) ist Schalke aber zurück in der Krise und Karaman stand im Anschluss vielen TV-Kameras und Mikrofonen gegenüber. Mal wieder musste er erklären, was kaum zu erklären ist.
Denn beim Gastspiel im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion war nicht nur die Offensivleistung schlechter als in den vergangenen Wochen schon. Alarmierend war, dass die Mannschaft wie schon beim 0:1 gegen Mainz vor eineinhalb Wochen nicht im Kollektiv kämpfte und verteidigte.
Es fehlte an den Basics des „Schalke-Fußballs“, den Trainer Miron Muslic eigentlich sehen will. Das Spiel der Königsblauen war weder intensiv, aggressiv noch mutig – dabei sind das die drei Grundtugenden, die sich die Gelsenkirchener im Profileistungszentrum sogar in großen Buchstaben auf die Wand gepinselt haben. „Wir sind nicht an unser Leistungslimit gekommen und waren extrem unsauber mit dem Ball“, analysierte Muslic nach Schlusspfiff. „Das war unser größtes Problem. Wir waren sehr unpräzise, und damit machst du den Gegner automatisch stark und bringst ihn in Situationen, die eigentlich schon klar sind.“
„Wir waren nicht aggressiv genug, ein bisschen zu passiv. Wir waren teilweise zu schlampig, um gefährliche Aktionen nach vorne zu kreieren“, so Karaman.“
Kenan Karaman, Schalkes Kapitän nach dem 0:2 in Dresden
Was dabei aufgefallen ist: Anders als in der erfolgreichen Zweitliga-Saison 2025/26 oder nach dem Aufstieg war in Dresden auch die Körpersprache der Schalke-Profis negativer. Es wurde während des Spiels übereinander geschimpft, dann wurde sich auf Rudelbildungen eingelassen. Stürmer Hee Chan Hwang legte sich sogar mit dem vierten Offiziellen und Mannschaftsarzt Dr. Patrick Ackermann an.
Und Karaman? Der 32-Jährige wurde nach überstandener Muskelverletzung in der Schlussphase des Pokalspiels zumindest wieder eingewechselt. Einen positiven Einfluss aufs Schalker Spiel hatte aber selbst das nicht. „Wir waren nicht aggressiv genug, ein bisschen zu passiv“, sagte er über die Leistung seiner Mannschaft. Es fehlte dem ehemaligen türkischen Nationalspieler erneut an Lösungen mit dem Ball. „Wir waren teilweise zu schlampig, um gefährliche Aktionen nach vorne zu kreieren“, so Karaman.
Spannend ist: Karaman hinterfragt sogar die Führungsspieler. „Wir haben genug Führungsspieler auf dem Platz, und da müssen wir uns auch mal die richtigen Fragen stellen, erst mal jeder Einzelne für sich: Was kann er dem Team noch mehr helfen? Wie kann er dem Team helfen?“, sagte er. Weiter betonte Karaman, dass die Spieler in der Verantwortung seien, um schnellstmöglich wieder torgefährlich zu sein. Am besten schon an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky), wenn das schwierige Heimspiel gegen Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig ansteht.
Weil Karaman in seinen vier Jahren bei Königsblau schon vieles erlebt hat und weiß, wie schnell die Stimmung in der Öffentlichkeit komplett ins Negative kippen kann, vermeidet er es dennoch schon, von einer Krise zu sprechen. Obwohl sich Schalke in einer solchen befindet. Das Pokal-Aus bei einem Zweitliga-Abstiegskandidaten, die Offensivschwäche (nur ein Tor in den letzten fünf Spielen) und fünf Pflichtspiele in Serie ohne Sieg untermauern diese These. „Krise würde ich nicht sagen, weil wir noch ganz am Anfang sind“, so Karaman.