Zurück
Vor dem Ski-Weltcup-Auftakt in Sölden blickt DSV-Hoffnungsträgerin Emma Aicher auf den Rettenbachgletscher. Vor allem eine Stelle bereitet ihr noch Kopfzerbrechen.
Sölden – Das lange Warten hat ein Ende: Am kommenden Wochenende (24. & 25. Oktober) eröffnet der alpine Ski-Weltcup (hier finden Sie alle TV-Informationen) auf dem Rettenbachferner im Ötztal traditionell die neue Saison. Wenn am Samstag die Damen im Riesenslalom über die eisige Gletscherpiste jagen, ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem auf einem Namen: Emma Aicher. Das 22-jährige Allround-Talent geht mit enormem Rückenwind in den Winter – auch wenn der Auftakthang einiges abverlangt.
Der Rettenbachgletscher gilt mit Passagen von bis zu 68 Prozent Gefälle als eine der anspruchsvollsten Riesenslalom-Strecken des gesamten Weltcup-Kalenders. Für Aicher ist das Rennwochenende die erste echte Standortbestimmung nach monatelanger Vorbereitung.
„Der Saisonstart in Sölden kommt genau zur richtigen Zeit – nach so einer langen Pause freue ich mich einfach wieder darauf, am Start zu stehen. Die Stimmung am Rettenbachgletscher ist jedes Jahr besonders, auch wenn mir der Steilhang technisch noch Kopfzerbrechen bereitet. Aber genau das ist der Ansporn, es diesmal besser zu machen“, erklärt die DSV-Athletin mit Blick auf die Schlüsselstelle des Rennens.
Hinter Aicher liegt ein schweißtreibender Sommer, in dem sie ganz bewusste Akzente setzte: „Der Sommer war arbeitsreich: Zwischen März und Ende Juli hatte ich keine Ski an den Füßen, die Zeit habe ich genutzt, um Körper und Kopf zu regenerieren und athletisch eine gute Basis zu legen. Sechs Trainingstage pro Woche sind da keine Seltenheit.“
Dass die Erwartungen an Aicher groß sind, kommt nicht von ungefähr: Erst vor wenigen Tagen räumte die Ausnahmefahrerin bei der traditionellen DSV-Einkleidung in Herzogenaurach groß ab. Aicher wurde nicht nur mit dem prestigeträchtigen Goldenen Ski in der Sparte Ski Alpin ausgezeichnet, sondern von den Aktiven des Verbandes auch zur DSV-Skisportlerin des Jahres 2026 gewählt.
Die Ehrung krönt eine herausragende Entwicklung: Nach ihren beiden olympischen Silbermedaillen (Abfahrt sowie Team-Kombination) und Platz zwei im Gesamtweltcup der vergangenen Saison hat sich Aicher endgültig in der absoluten Weltspitze etabliert. Mit zehn Podestplätzen – darunter drei Weltcupsiege – bewies sie ihre Klasse in allen Disziplinen.
Während sich viele Konkurrentinnen spezialisieren, hält Aicher eisern an ihrem Mammutprogramm fest. „Solange ich in allen vier Disziplinen Freude empfinde, werde ich das auch so beibehalten“, stellt sie klar. Im Gegensatz zu Dominatorin Mikaela Shiffrin, die im kommenden Winter ihr Rennprogramm selektiver gestalten will: „Dass Mikaela künftig auf einige Slaloms verzichten will, finde ich persönlich schade – sie prägt diesen Sport. Aber klar: Wenn sie antritt, ist sie nach wie vor der Maßstab, an dem wir uns alle messen müssen.“
Neben Aicher blickt auch Routinier Lena Dürr voller Vorfreude auf das Eröffnungswochenende in Tirol. Die Slalom-Spezialistin des SV Germering will in Sölden das Fundament für einen konstanten Winter legen, ohne sich vorab mit Ergebnisdruck zu belasten. „Die Ziele für die Saison setze ich ungern in Zahlen oder Platzierungen. Ich versuche einfach, bei jedem Rennen alles rauszuholen, zwei gute Läufe zu erwischen und die Form, die ich gerade habe, möglichst abzurufen“, betont Dürr.
Für die erfahrene Technikerin geht es vor allem um ein positives Grundgefühl: „Mein Hauptziel ist, vor allem gut in die Saison zu starten und mir in den ersten Rennen gleich die Sicherheit zu holen, um zu wissen, man hat im Sommer richtig gearbeitet. Das ist für mich das Wichtigste. Wenn ich das habe, dann glaube ich, kommt von Rennen zu Rennen immer mehr Sicherheit dazu. Das versuche ich mir zu erarbeiten, und weniger schon im Vorfeld auf Platzierungen oder irgendwelche Ergebnisse zu schauen.“
Den berüchtigten Gletscherhang kennt Dürr aus dem Effeff: „Dementsprechend ist der Auftakt in Sölden für mich stets ein wichtiges Rennen, und ich hoffe immer, dass ich da gleich gut reinstarten kann. Das ist schon ein spezieller Hang, aber ich bin ihn jetzt schon so oft runtergefahren. Deswegen freue ich mich sehr darauf und hoffe, dass ich gut in die neue Saison starte.“ (kk)