Zurück
Ein viermaliger Formel-1-Weltmeister als Klimaschützer. Diesen Wandel hat Sebastian Vettel vollzogen. In der ARD-Dokuserie "Being Sebastian Vettel" erzählt er über seine persönliche Entwicklung weg vom Motorsport hin zu Klima- und Umweltschutz. Für sein Engagement musste er auch Kritik einstecken.
Wie die meisten Formel-1-Piloten begann auch Sebastian Vettels Karriere auf der Kartbahn. Sein Vater Norbert Vettel schenkte ihm damals ein Kart, obwohl die Rennsportkarriere ihres Sohnes die Familie an die Grenzen des finanziell Machbaren bringen sollte. Der kleine Sebastian war aus dem Auto jedenfalls nicht mehr wegzukriegen. Manchmal musste sogar das Mittagessen warten, erinnert sich seine Mutter Heike Vettel: "Erst wenn das Essen auf dem Tisch stand und wir gerufen haben, 'Sebastian, dein Schnitzel ist da', hat er angehalten und ist ausgestiegen."
Schon früh galt Vettel als großes Talent. Über die Formel BMW und die Formel 3 landete er schließlich mit 19 Jahren beim Team BMW Sauber und gab mit 19 Jahren sein Debüt, bei dem er direkt auf Platz acht und damit in die Punkte fuhr - als damals jüngster Formel-1-Pilot jemals.
Anschließend wechselte er zum Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso, wo er 2008 in Monza seinen ersten Grand Prix gewinnen konnte. "Er hat alle hinter sich gelassen in einem deutlich schwächeren Auto", zeigt sich sein Freund Lewis Hamilton auch heute noch beeindruckt. "Das hat gezeigt, dieser Kerl hat alles, was es braucht, um Weltmeister zu sein."
Bis zu diesem Moment sollte es aber noch dauern. Nach seinem Wechsel zu Red Bull 2009 war es ein Jahr später so weit. "Mein Anspruch war, ganz vorne zu sein und jedes Rennen zu gewinnen", blickt Vettel zurück. 2010 sicherte sich Vettel den Titel und wurde mit 23 Jahren zum jüngsten Weltmeister in der Rennserie. Ein Rekord, den ihm Kimi Antonelli in dieser Saison abnehmen könnte. Mit den Österreichern gewann Vettel drei weitere Titel. 2014 bekam Vettel im Zuge einer Regeländerung ein neues Auto, bei dem das Bremsverhalten sich geändert hatte. Der Heppenheimer kam damit nicht zurecht und verpasste die fünfte Titelverteidigigung. "Er wurde immer unsicherer", erkannte der damalige Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko.
Schließlich wechselte Vettel durch eine Ausstiegsklausel 2015 zu Ferrari. Doch auch hier konnte er an die ehemaligen Red-Bull-Erfolge nicht mehr anknüpfen. Vettel eckte mit seiner lockeren Art bei den Traditionalisten eher an. "Ich kann mich daran erinnern, dass es Momente gab, wo mir ganz bewusst wurde, dass ein anderer Wind hier herrscht, eine andere Anspannung, ein anderer Druck von außen", blickt Vettel zurück.
So schenkte er den Mechanikern einmal eine Musikbox, damit die Stimmung in der Garage sich besserte. "Das Team-Management war da nicht immer so einverstanden, weil sowas macht man ja bei Ferrari vielleicht nicht." 2017 und 2018 wurde er Vizeweltmeister hinter Lewis Hamilton, beide Male führte er über weite Teile der Saison die Gesamtwertung an.
14 Grand-Prix-Siege holte Vettel mit Ferrari - für den ehrgeizigen Piloten zu wenig und auch für den Rennstall, der dem Deutschen 2020 keinen neuen Vertrag anbot. "In dem Moment hat es mich sehr getroffen, dass ich jetzt keine Vertragsverlängerung bekomme. Dass mir so etwas passiert, das habe ich mir sehr angekreidet."
Aston Martin wurde seine letzte Station, bei der er 2022 seine Karriere beendete. Schon während seiner Zeit beim englischen Rennstall setzte sich Vettel öffentlich für Klima- und Artenschutz ein und sammelte bei Veranstaltungen Müll. "Es ist nicht so, als würde ich das Rennfahren hassen. Aber ich liebe es nicht mehr so, wie ich es mal geliebt habe", erklärt Vettel rückblickend.
Er engagiert sich im Artenschutz, sammelt öffentlichkeitswirksam Müll. Inzwischen betreibt er einen Bauernhof. "Ich glaube, der Weg, den ich angefangen habe zu gehen, ist in der Hinsicht nachhaltiger, dass er zufriedener macht", sagt Vettel. Der einstige Formel-1-Champion scheint mit sich im Reinen zu sein.