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Der viermalige Formel-1-Weltmeister Max Verstappen hat vor dem Großen Preis der USA in Austin die vielen Bodenwellen am Circuit of The Americas scharf kritisiert und die Situation als „inakzeptabel“ beschrieben.
„Diese Bodenwellen sind nicht normal. Es ist wirklich schlimm. Wir weisen schon seit Jahren darauf hin, dass die Situation langsam außer Kontrolle gerät“, erläutert der Red-Bull-Pilot das Problem.
Er habe nichts gegen den Austragungsort an sich, betonte der Niederländer: „Ich liebe diese Strecke, ich liebe diesen Ort. Das Streckenlayout gehört zu den besten überhaupt, und ich würde sagen, dass es auch einer der besten Austragungsorte und eine der besten Städte ist, in denen wir fahren. Aber für mich sind diese Bodenwellen inakzeptabel.“
Die Belastung für die Formel-1-Fahrer ist enorm, wie auch Weltmeister Lando Norris bestätigt: „Es gibt viele Orte, an denen ich vor dem Fahren Kopfschmerztabletten nehmen muss, einfach weil die Strecke so holprig ist und man mit dem Kopf wegen der Bodenwellen ziemlich heftig gegen die Kopfstützen schlägt. Das ist definitiv nicht angenehm. Max hat definitiv recht.“
Verstappen wurde noch konkreter: 2025 hätten in manchen Streckenbereichen „5 bis 6 g“ auf seinen Körper eingewirkt. „Ich hatte aber auch einige Schläge, bei denen die vertikale Belastung meiner Wirbelsäule bei mehr als 9 g lag. Das macht wirklich keinen Spaß. Und je älter man wird, umso mehr denkt man darüber nach. Der untere Bereich meiner Wirbelsäule sieht nicht besonders gut aus.“
Berufsrisiko? Nur zum Teil, sagte der 29-Jährige. Er erklärte: „Ich weiß, dass das zum Rennsport gehört und dass so etwas Teil des Sports sein kann.“
„Aber es sind natürlich auch zusätzliche Schäden, die durch die Autos entstanden sind, mit denen wir in den vergangenen Jahren gefahren sind. Und wenn wir es weiterhin für akzeptabel halten, unter solchen Bedingungen zu fahren, dann wird man noch viel stärker darunter leiden.“
Die Streckenbetreiber sind sich über die Problematik im Klaren: Die Ursache für die vielen Bodenwellen liegt im lehmhaltigen Boden, der sich je nach Wetterlage ausdehnt und wieder zusammenzieht. Dadurch entstehen Bodenwellen auf dem Streckenbelag – vor allem in den Bremszonen, wo die Rennautos den Belag besonders strapazieren.
Der Circuit of The Americas wurde erst 2024 komplett neu asphaltiert. Immer wieder wurden seitdem Teile der Strecke abgeschliffen und einzelne Abschnitte haben einen neuen Belag erhalten – für dieses Jahr die Bereiche von Kurve 9 bis Kurve 11 und von Kurve 12 bis Kurve 19.
Geholfen hat es nur bedingt: „Nach dem, was ich bei der Langstrecken-WM gesehen habe, war die Strecke [immer noch] extrem holprig“, sagte Verstappen. Die Rennserie gastierte erst vor wenigen Wochen in Austin. Deshalb hält sich die Vorfreude des Niederländers in Grenzen: „Ich freue mich ehrlich gesagt nicht gerade darauf.“
„Man klebt eigentlich nur ein Pflaster auf ein viel größeres Problem“, so Verstappen und fordert drastischere Maßnahmen: „Man muss die Strecke komplett aufreißen. Das kostet viel Geld und Zeit, aber es ist die einzige Möglichkeit, die Bodenwellen loszuwerden.“
Zumal der Automobil-Weltverband (FIA) strenge Vorschriften macht, wie Norris erklärt: „Wenn man heute eine neue Rennstrecke baut, gibt es Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Die zulässigen Toleranzen sind dabei ziemlich gering.“
Bei einer für die Formel 1 erforderlichen Grad-1-Einstufung durch die FIA wird der Belag mit einer vier Meter langen Richtlatte geprüft; dabei gilt eine Toleranz von plus/minus drei Millimetern. Dazu sagte Norris: „Diese Strecke erfüllt die heutigen Vorgaben bei Weitem nicht, aber es ist eben eine alte Strecke und keine neue.“
Mercedes-Fahrer George Russell bewertet die Bodenwellen etwas anders. Für ihn „gehört [es] einfach zum Rennsport dazu“, dass die Fahrbahn manchmal „holprig“ ist.
Er sagte: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Formel-1-Strecken wahrscheinlich alle paar Jahre neu asphaltiert werden müssten, damit die Bedingungen etwas gleichmäßiger sind. Denn inzwischen kommen wir auf Strecken, auf denen sich der Asphalt löst und auseinanderbricht. Das verursacht mehr Probleme, als dass es hilft.“
„Wir fahren schließlich kein IndyCar oder Formel-2-Auto, bei denen die Bodenfreiheit relativ groß ist. Unsere Bodenfreiheit beträgt am Ende der Geraden zehn Millimeter, also einen Zentimeter. Deshalb spürt man wirklich jede noch so kleine Bodenwelle.“
Von Stefan Ehlen, Co-Autoren: Stuart Codling, Ronald Vording