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Die 24-Jährige finishte in Frankfurt in 2:20:46 Stunden – ohne Uhr, nur nach Gefühl. Nur eine einzige Deutsche war jemals schneller.
Blanka Dörfel tippelte noch einmal federleicht durchs Zieltor in der Festhalle, als neben ihr viele Männer entkräftet auf den roten Teppich fielen oder benommen in den Stahlgittern hingen. Was bloß hatte diese zierliche Frau gerade geleistet, die in Frankfurt mit ihrem Marathon-Debüt Geschichte schrieb? Die unverbrauchte Newcomerin avancierte als Zweitplatzierte mit 2:20:46 Stunden hinter der äthiopischen Siegerin Zeineba Yimer aus Äthiopien (2:19:45) auf Anhieb zur zweitschnellsten deutschen Marathonläuferin der Geschichte hinter Irina Mikitenko, die mit ihren 2:19:19 Stunden 2008 in Berlin bis heute den deutschen Rekord hält. Ihre fabelhafte Premiere über die 42,195 Kilometer lief die 24-Jährige ohne Uhr – bloß nach Gefühl, weil sie es seit jeher so gewohnt ist. „Ich hatte die ganze Zeit keine Ahnung, was ich renne. In der Halle habe ich auf der Uhr die 2:20 Stunden gesehen und wie schnell ich bin.“
Auf ihren Social-Media-Kanälen heißt es stets: „Run with Groove“. Und wie auf Knopfdruck nahm sie trotz Wind und Regen den Schwung mit, um zur achtschnellsten Europäerin zu werden. Nächstes Ziel sei jetzt, sagte sie lachend, die 800 Meter unter zwei Minuten zu laufen. „Auch das steht noch auf meiner To-do-Liste“, erläuterte die Deutsche Meisterin über die 10.000 Meter, die den kürzeren Distanzen nicht ganz den Rücken kehren möchte.
Von einem „coolen Gefühl“ schwärmte die gebürtige Brandenburgerin, die gerade die letzten fünf Kilometer ziemlich litt, weil sie bis zur Hüfte durchnässt war. „Ich mag Fußbäder – aber nicht so kalte.“ Und weil ihr irgendwann die Hände so kalt waren, konnte sie nicht mehr ihre Gels greifen. Eigentlich habe sie „lieber 30 Grad, denn bei elf Grad brauche ich Handschuhe“. Dazu trug sie Stirnband und Regenschutz – und ihren empfindlichen Bauchbereich schützte ihre breite Startnummer, wie Trainer Dieter Hogen als wichtigste Bezugsperson verriet.
Der renommierte Mentor, der in den 90er Jahren eine Uta Pippig zur Legende formte und viele Afrikanerinnen zu Triumphen führte, platzte fast vor Stolz über die bravouröse Vorstellung. „Sie hat eine unglaublich natürliche Herangehensweise und ein ungemeines Durchhaltevermögen.“ Vergleichbar mit einer Ultraläuferin.
Die mittlerweile in Berlin-Steglitz lebende Athletin sagt selbst, sie sei „offen für die hohe Belastung“ und komme daher mit ihrem in Boulder in Colorado beheimateten Förderer stets „leicht auf einen gemeinsamen Nenner“. Ob Dörfel in Pippigs Fußstapfen treten werde? „Ich glaube, das ist sie schon“, sagte Hogen und lachte. Die Transformation auf die Langstrecke sei auf jeden Fall gelungen. „Wenn sie sich keine Grenzen setzt und weiter Spaß hat, ist alles möglich“, sagte der 73-Jährige. Lust und Liebe zum Laufen sollten zwingend erhalten bleiben. Blanka Dörfel verriet, sie wollen jetzt gerne Surfen lernen – am besten aber dort, wo es warm ist.