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Bei Spiel gegen Twente Enschede |
Vor dem UEFA Conference League-Spiel des FC Thun gegen den FC Twente Enschede in den Niederlanden kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Thuner Fans und der Polizei. Einem Polizisten wurde dabei gegen den Kopf geschlagen und getreten, so dass er eine Stadiontreppe herunterfiel. Der Bürgermeister von Enschede hatte am Nachmittag vor dem Spiel sogar eine Notverordnung erlassen.
Im Stadion «De Grolsch Veste» in Enschede kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen FC Thun-Fans und der Polizei. Ein 20-jähriger Thun-Fan befindet sich seither in Haft.Fotos: Keystone
Nicht nur die knappe Niederlage gegen den FC Twente Enschede überschattet den ersten Auftritt des FC Thun in einer europäischen Ligaphase in 13 Jahren. Laut der Regionalzeitung «De Twentsche Courant Tubantia» kam es bereits vor dem Spiel zu Begegnungen zwischen Fans des FC Thuns und der Polizei.
Diese gipfelten in einer gewaltsamen Auseinandersetzung vor «De Grolsch Veste», dem Stadion des FC Twente Enschede, kurz bevor das Spiel am 15. Oktober um 21.00 Uhr begann. Dabei wurde ein Polizist mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf aus dem Gleichgewicht gebracht und fiel eine Treppe hinunter.
Wie die Staatsanwaltschaft der Region Ost-Niederland auf Anfrage der Plattform J bestätigt, kam es in diesem Zusammenhang am 16. Oktober 2026 zur Verhaftung eine 20-jährigen Schweizers.
Lisanne Rutgers, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Region Ost-Niederland erklärt, der Fall werde «im Schnellverfahren (auf Niederländisch: 'snelrecht') behandelt, was bedeutet, dass er früher vor Gericht gebracht wird, als dies normalerweise der Fall wäre». Sie bestätigt die Festnahme des 20-jährigen Schweizers, der im Verdacht steht, an einem gewalttätigen Vorfall im Zusammenhang mit dem Spiel FC Twente – FC Thun am 15. Oktober beteiligt gewesen zu sein.
Zum ersten Mal seit dreizehn Jahren ist der FC Thun in einer europäischen Ligaphase. Der Auftakt in den Niederlanden wurde von einem gewalttätigen Zwischenfall überschattet.
«Ihm wird vorgeworfen, versucht zu haben, einem Polizeibeamten im Dienst schwere Körperverletzung (auf Niederländisch: 'poging tot zware mishandeling') zuzufügen», schreibt die Pressesprecherin. «Im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen soll er am 28. Oktober um 11:10 Uhr vor dem Gericht in Almelo erscheinen. Die Verhandlung ist öffentlich, und das Gericht verkündet sein Urteil in der Regel sofort.» Der Verdächtige bleibe mindestens bis zur Verhandlung in Haft.
Während der Verhandlung werde die Staatsanwaltschaft die Anklagepunkte und die Beweislage darlegen und die von ihr geforderte Strafe nennen. Sowohl Mitglieder der Öffentlichkeit als auch Journalisten können der gesamten öffentlichen Verhandlung beiwohnen.
Laut Patricia Gerber, Verantwortliche Kommunikation beim FC Thun, ist der Club über die Vorfälle ebenfalls informiert. «Ja, wir sind über die geschilderten Vorfälle informiert und stehen diesbezüglich im Austausch mit den involvierten Parteien. Wir nehmen solche Ereignisse ernst und analysieren diese sorgfältig. Daraus ziehen wir die entsprechenden Schlüsse, insbesondere auch im Hinblick auf bevorstehende Partien», erklärt sie auf Anfrage der Plattform J. «Zu konkreten Erkenntnissen und allfälligen Massnahmen äussern wir uns aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich. Zum aktuellen Stand des Verfahrens gegen den betroffenen Anhänger geben wir keine Auskunft.»
Einen Tag vor dem Conference League-Duell zwischen dem FC Twente Enschede und dem FC Thun, waren die Behörden den Thuner Fans noch wohl gestimmt. Wie Journalist Joost Dijkgraaf im «De Twentsche Courant Tubantia» (hinter Paywall) berichtet, sei für das Spiel im Vorfeld mit einem niedrigen Risikoprofil gerechnet worden.
Hier auf dem Oude Markt kam es zur ersten Begegnung zwischen den FC Thun-Fans und der Polizei. Die Fans wurden von dort zum Treffpunkt und danach zum Stadion begleitet.Screenshot: Google Maps
Nach Angaben der Stadtverwaltung gab es keine Sicherheitsbedenken und die rund 350 angereisten FC Thun-Fans mussten nicht in eine abgesperrte Fanzone. Sie seien im Gegenteil an allen Orten in der Innenstadt willkommen gewesen. «Der Grundsatz ist, Fans gastfreundlich zu empfangen», habe die Stadtverwaltung noch am Mittwoch erklärt.
Diese Einstellung habe sich im Verlaufe des Spieltags geändert. Eine Gruppe von etwa 100 bis 150 Thun-Fans, habe sich laut Polizei auf dem Oude Markt niedergelassen. Um 14.25 Uhr habe Bürgermeister Roelof Bleker eine Notverordnung ausgesprochen, aus der der «Twentsche Courant» zitiert.
Die Schweizer Fans hätten sich direkt neben einer Terrasse niedergelassen, «wo sich üblicherweise die FC-Twente-Fans aufhalten». Das habe wiederum Twente-Fans und andere Besucher eingeschüchtert. Die Thuner Fans seien «grösstenteils im Ultra-Look aus Jeans und schwarzem Hoodie» gekleidet gewesen.
Die rote Karte gegen Patrik Kristal ist nicht das einzige, was das Conference League-Spiel zwischen dem FC Twente Enschede und dem FC Thun überschattete.
Weiter hätten sie den Blickkontakt zu den gegnerischen Fans gesucht, während sie «gesichtsverhüllende Kleidung getragen und Sonnenbrillen aufgesetzt haben». Die Zeitung hat auch entsprechende Bilder veröffentlicht, auf denen das Thuner Wappen auf der Kleidung der Fans deutlich zu erkennen ist.
In der Notverordnung stehe sogar, das Auftreten der schwarz gekleideten und singenden Schweizer habe den Eindruck erweckt «dass sich die Thun-Fans in der Stadt als Chefs fühlen.» Allgemein sei das Verhalten der Thuner Fans als provokativ aufgefasst worden.
Die Auseinandersetzung, die zur Verhaftung führte, geschah beim De Grolsch Veste, dem Stadion des FC Twente Enschede.
Als auch Bewegung in den Reihen der Twente-Fans entstand, habe die Polizei eingegriffen und die Thun-Fans aufgefordert den Oude Markt zu verlassen. Als man dieser Aufforderung nicht sofort nachgekommen sei, seien die Thun-Fans zu ihrem Treffpunkt und später von dort zum Stadion eskortiert worden. Dort sei es dann am Abend vor dem Spiel zum erneuten Aufeinandertreffen von Fans und Polizei gekommen.
Der Vorfall, der zur Verhaftung führte, spielte sich kurz vor dem Spiel beim Stadion ab. Nach Angaben der Polizei habe sich eine Gruppe Thuner Fans geweigert, sich in den Gästeblock zu begeben, als sie dazu aufgefordert wurden. Daraufhin hätten die Polizisten versucht, die Gruppe unter Einsatz von Gewalt in den Block zu drängen. Laut Polizei habe auch das keine Wirkung gezeigt.
Eine Gruppe Fans des FC Thun weigerte sich kurz vor Matchbeginn in den Gästeblock zu begeben. Als die Polizei die Fans gewaltsam in den Block drängen wollte, sei es zu dem Zwischenfall gekommen.
Auf einer Treppe zum Auswärtsblock habe ein Fan des FC Thun einen Polizisten gegen den Kopf geschlagen und getreten. Dabei habe dieser das Gleichgewicht verloren, stürzte die Treppe hinunter und wurde verletzt.
Nach Ende des Spiels sei besagter 20-jähriger Mann festgenommen worden.