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Spiesen-Elversberg · 26:7 Torschüsse für die SV Elversberg, 2:0 für Darmstadt 98: Die Lilien trotzen dem Offensivfeuerwerk des Bundesligisten und ziehen mit Leidenschaft, einem Traumfreistoß und eiskalter Effizienz ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein.
26:7 Torschüsse, 74 Prozent Ballbesitz, 18:2 Ecken – und trotzdem scheidet die SV Elversberg gegen Darmstadt 98 aus dem DFB-Pokal aus. „Ein Sieg der Leidenschaft“ – so nannte Florian Kohfeldt, Trainer des Fußball-Zweitligisten, das, was am Dienstagabend an der Kaiserlinde passierte. Trotz erdrückender Dominanz des Bundesligisten setzte sich sein Team mit 2:0 gegen die Saarländer durch. Ein Traumtor und eiskalte Effizienz machten es möglich. Für die kriselnden Lilien könnte der Pokal-Coup ein Hoffnungsschimmer in einer sonst düsteren Saison sein.
„Wir hatten keine leichten sechs Monate seit März. Das muss man einfach sagen“, sprach Kohfeldt die angespannte sportliche Lage seines Vereins an. Nach neun Spieltagen steht Darmstadt mit nur acht Punkten auf dem letzten Platz der 2. Bundesliga. Umso wichtiger sei der Erfolg gegen Elversberg als Signal, als „Tag der Freude. Natürlich muss man inhaltlich sagen, dass wir gerade in der ersten Halbzeit und zu Beginn der zweiten Halbzeit viele kritische Situationen zu überstehen hatten, die man auch nicht immer übersteht“, reflektierte Kohfeldt nach dem Spiel. Sein Matchplan sei dennoch aufgegangen: Mit Leidenschaft, Intensität und einem „Schuss Glück“ gelang es den Hessen, gegen die „inhaltlich besseren“ Elversberger zu bestehen.
Was nicht im Matchplan stand, war das „absolute Traum-, Traum-, Traumtor“ von Lars Kehl, wie es sein Trainer bezeichnete. In der vierten Minute wurde der 24-Jährige für den früh verletzten Nicolas Verkooijen eingewechselt. Nur zwei Minuten später trat Kehl nach einem Foul von Elversbergs Amara Condé zum Freistoß an – und traf perfekt. Aus 25 Metern zirkelte er den Ball ins linke obere Eck, von wo er über den Innenpfosten im Netz landete. Für SVE-Torwart Nicolas Kristof war nichts zu machen. Nach dem Spiel strahlte der Mittelfeldspieler über beide Ohren: „Natürlich, der Start mit dem 1:0 war überragend. Das hat uns als Mannschaft richtig gut getan“, sagte Kehl. Diesen „Dosenöffner“ hätten die Darmstädter dankend angenommen. Auch er sieht in dem Pokalsieg eine Chance: „In der Situation, in der wir uns gerade befinden, gegen Elversberg zu null zu gewinnen. Das ist schon ein Statement“, sagte Kehl, der die SVE später als „überragende Mannschaft“ bezeichnete.
Danach begann für die Lilien Schwerstarbeit. Stellenweise verteidigten alle zehn Feldspieler rund um den eigenen Sechzehner, stemmten sich gegen das Elversberger Offensivfeuerwerk. „Das war einfach eine geile Überzeugung, die wir heute aufs Feld gebracht haben. Und ich muss sagen, auch als Offensivspieler, das hat echt richtig Bock gemacht“, lobte Kehl den Einsatz seiner Kollegen. Einen hob er hervor: Torwart Marcel Schuhen. Der 33-Jährige zeigte mehrere Monsterparaden und hielt Darmstadt mit seinen Reflexen im Spiel. „Schuhen – überragender Torwart. Der gibt uns einfach Ruhe, hält Dinger, die andere nicht halten. Da können wir schon glücklich sein“, sagte Kehl.
Spätestens in der 56. Minute kippte die Partie endgültig zugunsten der Gäste. Mit ihrer ersten Ecke des Spiels schlugen die Hessen erneut eiskalt zu: Lance Duijvestijn brachte den Ball in den Strafraum, Milan Smit vollendete per Hacke zum 2:0. Während Elversberg weiter anrannte und Chance um Chance liegen ließ, jubelte Darmstadt über den nächsten Wirkungstreffer. Die Lilien trafen am Ende zwei Mal nach zwei Standards in einer Partie, die ihnen statistisch nur 0,52 erwartete Tore (xGoals) zusprach.
Ob der Sieg auch in der Liga für einen Befreiungsschlag sorgt, wird sich am kommenden Samstag zeigen. Dann geht es gegen den 1. FC Magdeburg. Für Kohfeldt wartet ein „ganz, ganz wichtiges Spiel“ – und die Chance, den Pokalabend zum Wendepunkt einer schwierigen Saison zu machen.