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© IMAGO/Sports Press Photo
Axel Hellmann von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt glaubt weiter an die Qualität der aktuellen Mannschaft. Gleichzeitig geht die Suche nach einem Krösche-Nachfolger weiter.
Peppi Schmitt
Frankfurt. Seit Sonntag steht Axel Hellmann (55) auch per Titel als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Frankfurter Eintracht . In einer Pressekonferenz präzisierte er am Mittwoch seine ersten Schritte als CEO des mittelständigen Unternehmens Eintracht mit einem Jahresumsatz von knapp 400 Millionen Euro. Dabei gab es wenige Überraschungen, vor allem aber klare Ansagen.
In Personalfragen stach der zumindest vorübergehende Verbleib von Sportdirektor Timmo Hardung (36) im Amt heraus. Hardung wurde nachgesagt, dass er nur ein „Anhängsel“ des ausgeschiedenen Sportvorstandes Markus Krösche (46) gewesen sei und auch sein Abschied kurz bevor stehe. „Ich habe den Eindruck, dass er total brennt und klare Vorstellungen hat, wie er den Job angehen wird“, sagte Hellmann.
Bis zur Verpflichtung eines neuen Sportvorstandes wird Hardung also weiter mit in der sportlichen Verantwortung stehen. Eine begrenzte Zeit also, womöglich sehr begrenzt, denn Hellmann nannte klare zeitliche Vorgaben für die Suche nach dem Krösche-Nachfolger. Eine Entscheidung werde „zeitnah“ fallen, „es ist keine Sache von Monaten, sondern von Wochen“. Längst hätten Gespräche mit möglichen Kandidaten stattgefunden.
„Ich habe von Markus Krösche gelernt, dass man immer Kontakte pflegen muss“, erklärte Hellmann. Bei Krösche ging es um Trainer, bei Hellmann um Führungspersonal. Selbstverständlich seien alle Gespräche mit Präsident Mathias Beck abgestimmt, der als Vorsitzender des Aufsichtsrates (AR) auch die letzte Entscheidung treffen muss. Nicht abschließend geklärt ist, ob der AR wie in den letzten Jahren die sportliche Verantwortung in die Hände eines Sportvorstandes legen oder unterhalb des Vorstandes einen neuen Sportdirektor installieren wird.
Zu Namen oder auch nur der Anzahl der Kandidaten wollte Hellmann keine Auskunft geben, zum Anforderungsprofil sehr wohl. Die Eintracht müsse in Zukunft eine andere Transferstrategie verfolgen, ohne dabei Abstriche bei den sportlichen Ambitionen zu machen. Dabei drückte er sich nicht um eine Antwort auf die Frage, wo denn die ganzen Millionen-Euro-Erlöse der großen Transfers wie Marmoush, Ekitike und Kolo Muani geblieben seien.
„Sämtliche Transfer-Erlöse der Vergangenheit haben wir wieder investiert. Wir haben alles in die Mannschaft reinvestiert. Weil wir kein Bankkonto führen, sondern in den Sport investieren“, sagte er. Da sich das Marktumfeld verändert habe, müsse nun eine Anpassung der Transfer-Philosophie her. Der Blick auf eigene Talente und Spieler aus Deutschland müsse vorrangig, aber nicht dogmatisch sein. „Wir haben hier ein ganz besonderes Verhältnis zum Publikum, auch zur weltoffenen Stadt. Wir können nicht elf Personen aus der Wetterau oder dem Odenwald auf den Platz schicken, denn Frankfurt ist ein Einfallstor für Sportler aus aller Welt“, sagt Hellmann.
Ausländische Spieler werden also auch weiter dem Kader angehören. Auch die Ziele sollen nicht angetastet werden. Hellmann: „Wir werden uns sicher nicht verzwergen.“ Die Eintracht denke über ein neues Stadion nach, habe bald 200.000 Mitglieder und wolle weiter wachsen. Darum bleibe die regelmäßige sportliche Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb „ein Grundsatzziel“.
Sowohl für die veränderte Ausrichtung auf dem Transfermarkt als auch für die Identifikation mit dem Club müsse der Neue stehen. Nach wie vor gilt Christoph Spycher als Favorit. Nach neuesten Informationen aus der Schweiz hat der ehemalige Eintracht-Profi und aktuelle Sportvorstand von Young Boys Bern sowohl in Frankfurt als auch in Bern um Bedenkzeit gebeten. Grundsätzlich gelte laut Hellmann für jeden Kandidaten, „dass er erst lernen und begreifen muss, dass wir etwas speziell sind an diesem Standort“.
Der Krösche-Nachfolger finde gute Startvoraussetzungen vor. Die Eintracht sei wirtschaftlich gesund und sportlich ambitioniert. Die letzte Saison mit dem Verpassen des internationalen Fußballs sei eine „sportliche Krise gewesen, aber keine Unternehmenskrise“. Sportlich liege aktuell alles in den Händen von Trainer Adi Hütter. „Die Maschine läuft, das Trainerteam braucht keine besondere Führung“, hat Hellmann großes Vertrauen in den Coach und dessen Mitarbeiter.
In den letzten Tagen hat der neue CEO in seiner Funktion als Chef von allem und allen Gespräche mit den Mitarbeitern, vor allem auch mit Spielern geführt, Ansagen gemacht, aber auch zugehört. Ganz nach seinem Motto: „Ich entscheide lieber Dinge schneller, als sie liegen zu lassen.“