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Louis van Gaal lässt kein gutes Haar am reformierten Format der Champions League. Der frühere Trainer von Ajax, Barcelona und Bayern München wirft der UEFA vor, ausschließlich an Profit interessiert zu sein – und fordert eine radikale Umstrukturierung des Wettbewerbs.
Der niederländische Trainergroßmeister Louis van Gaal hat die aktuelle Aufstellung der UEFA Champions League in scharfen Worten attackiert. "Es ist lächerlich, dass die UEFA sich so ein Wettbewerbsformat ausdenkt. Jeder Hinz und Kunz darf heutzutage auch mitmachen. Die UEFA denkt nur ans Geldverdienen. Es ist eine korrupte Welt", erklärte der 73-Jährige gegenüber dem niederländischen Sender "NOS".
Bei "Hinz und Kunz" spielt Van Gaal auf die Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 36 Mannschaften an. Seit der Saison 2024 treten alle Klubs zudem in einer gemeinsamen Ligaphase an, die Zahl der Vorrundenpartien stieg von sechs auf acht.
Im Kern stört den früheren Bondscoach das enorme Leistungsgefälle zwischen den teilnehmenden Vereinen. Das hohe Toraufkommen – am Dienstag lag der Schnitt bei 4,16 Treffern pro Partie – sei kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Symptom der Niveauunterschiede. "Es heißt doch Champions League? Da müssen die besten Mannschaften mitspielen. Dann gibt es weniger Niveauunterschiede und damit auch weniger Tore, aber die Spiele sind von höherem Niveau und man bekommt viel besseren Fußball", argumentierte Van Gaal.
Als Vorbild schwebt ihm eine Gliederung nach Leistungsklassen vor – vergleichbar mit dem Eishockey, wo es ein A-Niveau, ein B-Niveau und weitere Abstufungen gebe. Zwar existierten mit der Europa League und der Conference League bereits untergeordnete Wettbewerbe, doch dahinter verstecke sich die UEFA lediglich, so Van Gaal.
Die Fundamentalkritik des Niederländers hat Tradition. Bereits 1994 bezeichnete er die damals neu geschaffene Champions League als "kommerzielles Monstrum". Nur ein Jahr später triumphierte Van Gaal mit Ajax Amsterdam in eben jenem Wettbewerb – in einer Saison, in der lediglich 16 Klubs teilnahmen und der Torschnitt bei 2,3 pro Begegnung lag. Weniger als die Hälfte des aktuellen Werts.
Neben der sportlichen Qualität treibt Van Gaal auch die Belastungssteuerung um. Die gestiegene Zahl an Pflichtspielen durch die erweiterte Ligaphase führe zwangsläufig zu mehr Verletzungen. Als Beleg verwies er auf das Achtelfinal-Hinspiel zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Barcelona, bei dem mit Chwitscha Kwarazchelia, Ousmane Dembélé und Marquinhos gleich drei PSG-Profis verletzt vom Platz mussten.
Dem hohen spielerischen Niveau dieser Partie (4:2 für PSG) zollte Van Gaal durchaus Respekt – bezeichnete es jedoch als Ausnahme, die die Regel bestätige. "Hansi Flick und Luis Enrique sind nun mal zwei Trainer, die immer offensiv spielen lassen." Dazu verfüge PSG über unendlich viel Geld, um Spieler zu verpflichten.
Dass seine Vorschläge bei der UEFA auf taube Ohren stoßen, frustriert den ehemaligen Coach von Bayern München und Manchester United seit Langem. "Ich habe das vor zwanzig Jahren schon der UEFA gesagt, aber sie hören nicht auf mich", resümierte Van Gaal bei "NOS". Durch eine konsequente Einteilung nach Leistungsniveau ließen sich spannendere Partien auf höherem Niveau gewährleisten – und zugleich die Verletzungsgefahr senken. In der gesamten Fußballwelt funktioniere dieses Prinzip, nur in der absoluten Spitze nicht. (red)
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Teaserbild: © IMAGO/ANP/Maurice van Steen