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Phillip Island: Abschied von einer Motorsport-Legende

Die Motorrad-Weltmeisterschaft gastiert zum 30. und letzten Mal auf Phillip Island. Der Text erinnert an die spektakulärsten Momente der Strecke, darunter den dramatischen WM-Titelgewinn von Olivier Jacque im Jahr 2000 und einen kontroversen Vorfall mit Valentino Rossi im Jahr 2003.

Phillip Island: Abschied von einer Motorsport-Legende
Phillip Island, Motogp, Olivier Jacque

an diesem Wochenende fährt die Motorrad-Weltmeisterschaft zum 30. und letzten Mal auf Phillip Island. Sie zählt zu den schönsten und spektakulärsten Rennstrecken der Welt, vor allem für Motorradrennen.

Das Layout ist flüssig und schnell, man braucht dort"big balls". Über die Jahrzehnte haben wir riesige Rennschlachten auf Phillip Island erlebt. Viele Rennen wurden erst im Fotofinish entschieden. Sie alle aufzuzählen, würde hier natürlich den Rahmen sprengen.

Ich möchte drei Momente herausgreifen, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben, und die zeigen, was diese Strecke so außergewöhnlich toll macht. Denn was das Racing betrifft, wird Phillip Island in Zukunft schmerzlich vermisst werden. Im Jahr 2000 war es das Saisonfinale und in der 250er-Klasse spielte sich eine der besten WM-Entscheidungen aller Zeiten ab. Olivier Jacque hatte zwei Punkte Vorsprung vor seinem Tech3-Yamaha-Teamkollegen Shinya Nakano.

Auch Honda-Fahrer Daijiro Kato hatte noch Chancen auf den WM-Titel, aber letztlich lief es auf ein extrem spannendes Duell der beiden Tech3-Fahrer hinaus. Nakano begann die letzte Runde hauchdünn in Führung liegend und wehrte in der Haarnadel die Attacke von Jacque ab. Auch in der Rechtskurve nach Lukey Heights fand Jacque keinen Weg vorbei. Nakano schien schon Weltmeister zu sein.

Aber Jacque baute in der schnellen Zielkurve mehr Kurvenspeed auf, scherte auf der Geraden aus Nakanos Windschatten und sicherte sich mit 0,014 Sekunden Vorsprung den Weltmeistertitel. Wow! Diese Gänsehaut spüre ich bis heute. Spulen wir vor in das Jahr 2003.

Als in der großen Spitzengruppe wie immer fantastisch gekämpft wurde und uns die Er hatte nach einem Sturz von Ducati-Fahrer Troy Bayliss bei gelber Flagge in der Haarnadel überholt. Die Rennleitung zeigte die Tafel mit 10 Strafsekunden und der berühmten Startnummer 46. Was Rossi dann aus dem Köcher holte, war phänomenal. Er fuhr allen anderen auf und davon, um mit 15 Sekunden Vorsprung zu gewinnen und damit die Zeitstrafe wirkungslos zu machen.

Zu dieser Zeit dominierte Rossi mit der legendären Fünfzylinder-Honda RC211V die MotoGP, aber erst bei diesem Rennen auf Phillip Island hat er seinen wahren Speed gezeigt, und dass er bei seinen übrigen Erfolgen mit der Konkurrenz nur gespielt hatte. Sechsmal hat Rossi in der Königsklasse auf Phillip Island gewonnen, genau so oft wie Casey Stoner, zu dem ich jetzt kommen möchte. Zwischen 2007 und 2012 war Stoner bei seinem Heimrennen unschlagbar.

Sein Fahrstil auf dieser Strecke war die höchste Kunst des Motorradrennsports. Ihm dabei zuzuschauen, war ein Fest und die Belohnung für jeden europäischen Fan, der sich dafür den Wecker gestellt hatte. Die schwarzen Striche, die er in Kurve 3 hinterlassen hat, sind legendär. Deshalb trägt diese Kurve auch schon seit 2012, seinem letzten Heimrennen, Stoners Namen. 2011 krönte er sich mit einem Sieg an seinem Geburtstag zum Weltmeister.

Natürlich gibt es noch unzählige weitere unvergessene Momente, die Phillip Island so besonders machen. Der Abschied schmerzt, denn ein großes Kapitel der Motorrad-Renngeschichte wird damit geschlossen.jüngst in einem Gespräch mit Chris Vermeulen an. Das sind schöne Worte, aber die Realität ist, dass Stoner daran überhaupt nichts ändern kann. Denn obwohl das Streckenlayout fantastisch ist, hat sich schon länger abgezeichnet, dass Phillip Island keinen langfristigen Platz mehr im Kalender haben wird.

Dafür gibt es wie immer mehrere Gründe. Seit Stoners glorreichen Jahren sind die Zuschauerzahlen rückläufig. Als er noch aktiv war, kamen am Rennsonntag rund 50.000 Fans auf die Insel. In den vergangenen beiden Jahren waren es nur noch knapp 37.000.

Auch wenn Phillip Island nur unweit von Melbourne liegt, ist es für viele Fans sicherlich ein schwieriges und teures Unterfangen, dorthin zu kommen und überhaupt ein Zimmer zu ergattern. Für australische Fans, die zum Beispiel im Norden in Darwin leben, ist es deutlich einfacher und preiswerter, nach Kuala Lumpur zu fliegen, um die MotoGP in Sepang zu besuchen. Deshalb sind dort auch immer zahlreiche Fans aus Australien. Das schlechte Wetter zu dieser Jahreszeit spielt natürlich auch eine Rolle.

Wenn man vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann, dann ist die Vorfreude, auf der wunderschönen Insel zu campen, vielleicht auch überschaubar. Auch die Infrastruktur der Boxen und der gesamten Anlage ist in die Jahre gekommen und müsste modernisiert werden. Doch die dafür nötigen Summen wurden angesichts rückläufiger Zuschauerzahlen schlicht nicht investiert. Die Rennstrecke auf Phillip Island gehört der Linfox Property Group.

Seit die Formel 1 im Jahr 1996 erstmals in Melbourne gastierte, ist die Linfox-Gruppe ein Partner von Promoter Australian Grand Prix Corporation . Linfox baut die nichtpermanente Strecke im Albert Park auf. Die AGPC kümmert sich neben der Formel 1 auch um das MotoGP-Rennen auf Phillip Island. Traditionell besucht die Formel 1 im März Melbourne.

Deswegen konnte das MotoGP-Rennen auch nicht in den März oder April verschoben werden, weil die AGPC nicht zwei Großveranstaltungen unmittelbar hintereinander möchte. Das ist auch nachvollziehbar. Man muss auch so ehrlich sein: Die Formel 1 in Melbourne ist ein ungleich größeres und wichtigeres Event als aktuell die MotoGP auf Phillip Island. Aus all diesen Gründen müssen wir uns von einer der besten Strecken der Welt verabschieden.

Die MotoGP-Zukunft in Australien heißt Adelaide. Als die Pläne vorgestellt wurden, hagelte es vonseiten vieler Fans scharfe Kritik. Der Tenor lautete, dass die MotoGP unmöglich auf einem Stadtkurs fahren kann. Das ist auch richtig.

Aber Adelaide wird kein Leitplankenkanal wie Monte Carlo oder Macao sein. Werden die Pläne umgesetzt, ist es praktisch eine normale Rennstrecke mit genügend Auslaufzonen in einer Parkanlage einer Großstadt. Es gibt in Adelaide noch Bürgerproteste. Bäume müssen gefällt werden, neue sollen woanders gepflanzt werden.

Auch von Behördenseite soll noch nicht alles glatt laufen. Warten wir ab, wie sich das Projekt in den kommenden Monaten entwickelt. Im Februar 2027 heißt es dann endgültig Abschied nehmen von Phillip Island. Dann fährt die Superbike-WM zum letzten Mal dort.

Ab 2028 wird auf den Motorsport Park The Bend gewechselt, wie Adelaide ebenfalls im Bundesstaat South Australia. Der legendäre Drift von Marco Melandri in der Zielkurve bei seinem Triumph im Jahr 2006 bleibt das treffendste Bild, um Phillip Island Lebewohl zu sagen.

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