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Zverev-Klartext: "Da wäre ich ein Idiot"
Alexander Zverev jubelt mit erhobenen Armen auf einem Tennisplatz, Zuschauer im Hintergrund.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Alexander Zverev erfüllt sich den Traum vom Thron in Wien

An einem auch für das Wiener Tennis-Turnier historischen Abend hat sich Alexander Zverev, der jahrelang dem ersten Major-Titel nachgelaufen war, den nächsten Traum erfüllt. Der 29-jährige Deutsche hat nach seinen ersten beiden Grand-Slam-Titeln bei den French und den US Open ausgerechnet in der Stadthalle fixiert, dass er ab Montag die Nummer-1-Position vom rekonvaleszenten Jannik Sinner übernehmen wird. Dabei war in früher Kindheit eine Weltkarriere ausgeschlossen worden.

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Denn im Alter von vier Jahren hatte er die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten. Die Ärzte hatten damals eine Karriere im Spitzensport für unmöglich gehalten. Mama Irina meinte damals: "Mein Sohn wird das sein, was er immer sein möchte." Und auch danach gab es für den Diabetiker, der dies erst 2022 öffentlich machte und gleichzeitig auch eine Foundation für ebenfalls an dieser Krankheit leidende Kinder ins Leben rief, viele Rückschläge.

Alexander Zverev küsst Sophia Thomallas Hand beim Tennisturnier in Wien, umgeben von Zuschauern.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Er selbst erinnerte am Donnerstagabend kurz daran. "Ich habe viele auch schwere Momente in meinem Leben gehabt. Etliche Grand-Slam-Finali verloren, die Verletzung von 2022. Aber ich habe immer irgendwie dran geglaubt. Dieses Jahr habe ich den Schritt gewagt, mein Spiel ein bisschen umzuändern und neu zu gestalten mit 29 Jahren. Es ist ein Traum, wie die Saison verlaufen ist", meinte Zverev lachend.

Zverev: "Fitness ist ein Riesenteil vom Sport"

Der Deutsche, der auch Boris Becker (war zwölf Wochen Nummer eins, Anm.) überflügeln wird, fühlt sich bereit für den Thron. "Ich glaube, dass es eine Situation ist, für die ich bereit bin. Ich bin alt genug und habe lange genug auf der Tour gespielt, um zu wissen, wie man damit umgeht." Diese Position bringe auch sehr viel mit sich. "Du musst ein gutes Vorbild sein, auf dem Platz vieles richtig machen."

Natürlich weiß Zverev um manche Unkenrufer, die meinen, dass diese Leistung auch erst durch die Verletzungen von Sinner und Carlos Alcaraz möglich wurde. "Fitness und fit sein ist ein Riesenteil vom Sport. Wenn ich eine Offseason mache und vier Wochen Training habe, dann mache ich ungefähr fünf bis sechs Stunden am Tag Fitnesstraining und spiele ein- bis eineinhalb Stunden Tennis - dafür, damit ich fit bleibe und keine Verletzungen habe."

Ein Tennisspieler trifft den Ball mit einem beidhändigen Rückhand-Schlag während eines Matches.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Sinner vor Verletzung klare Nummer 1

Dass Sinner vor seiner Verletzung klar die Nummer eins war, bestritt auch Zverev nicht. "Da wäre ich ein Idiot. Klar habe ich gegen Jannik Sinner dieses Jahr fünf Mal verloren. Vom Tennis spielen her, wenn er fit war, war er der beste Spieler der Welt, keine Frage. Aber ich finde, dass ich die beste Saison gehabt habe." Bis Wimbledon habe er keine Ahnung gehabt, wie er Sinner biegen könne, ab dem knappen Finale habe er diese aber.

Bresnik traute Zverev 2022 Sieg über Nadal in Paris zu

Österreichs Trainer-Guru Günter Bresnik hatte Zverev schon vor vielen Jahren als mögliche Nummer eins prophezeit. Im Gespräch mit der APA erinnerte Bresnik auch an die French Open 2022, als sich Zverev im Halbfinalduell gegen Paris-König Rafael Nadal beim Stand von 6:7,6:6 einen dreifachen Bänderriss zuzog. "Er wäre damals im Stande gewesen, dass er Nadal auf Sand schlägt. Es ist nicht nur das Turnier brausen gegangen, sondern es ist ein ganzes Jahr verloren gegangen. Aber wie er von der Verletzung zurückgekommen ist, Hut ab", erklärte Bresnik.

Zverev hatte damals rund sechs Monate pausiert und benötigte noch einige Monate, um wieder voll auf Touren zu kommen. Ein Jahr später kam er bei den French Open wieder ins Halbfinale. Bresnik glaubt, dass Zverev länger Platz eins zieren wird. "Wenn du zwei Grand Slams gewinnst und ein Finale spielst: Wie soll er bis nächstes Jahr Paris abgelöst werden?", fragte Bresnik, der mit dem Deutschen in Wien lange am Trainingsplatz gesprochen hat. "Da merkt man schon, der ist mit sich ins Reine gekommen. Bresnik hob auch die Rolle von Zverevs Mutter Irina hervor. "Ich habe immer gesagt, das ist die beste Technik-Trainerin in dem ganzen Team. Sie hat vielen anderen Jugendlichen, die ich auch kenne, gut Tennis spielen beigebracht."

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