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Champions League: Ein Abend der verpassten Chancen
Einige Chancen verpasst, aber diese immerhin genutzt: Edna Imade trifft zum 1:2 nach einer Ecke von Klara Bühl.
Einige Chancen verpasst, aber diese immerhin genutzt: Edna Imade trifft zum 1:2 nach einer Ecke von Klara Bühl.Angelika Warmuth/Reuters

José Barcala hatte vorsorglich schon eine Warnung ausgesprochen, wohl wissend, was den FC Bayern an diesem Champions-League-Abend erwarten würde. Real Madrid, sagte der Münchner Trainer, „besitzt die Qualität, mit einzelnen Aktionen gefährlich zu werden. Die Mannschaft kann hoch pressen und auf unterschiedliche Weise Druck ausüben.“ Aber dass seine Spielerinnen vor 6239 Zuschauern im Sportpark Unterhaching gleich so früh Anschauungsmaterial aus nächster Nähe erhalten würden? Und auf diese Weise?

In der siebten Minute landete der Ball bei Linda Caicedo, der immer noch erst 21 Jahre alten Kolumbianerin, die die Fußballwelt schon vor drei Jahren bei der WM zum Staunen gebracht hatte. Linda Dallmann baute sich vor ihr auf, mehr hinter als neben ihr eilte Stine Ballisager zu Hilfe. Viel Platz hatte Caicedo nicht. Aber es wirkte fast so, als warte Caicedo geradezu, bis sich ihre Gegenspielerinnen eingefunden hatten, bevor sie kurz mit dem Ball tänzelte, nach links zur Grundlinie zog und den Ball dann in den Strafraum zirkelte. Athenea del Castillo rutschte hinein, Bayerns Torhüterin Ena Mahmutovic hatte keine Chance.

Ballon d'Or

:Alexia Putellas erobert den Thron zurück

Dass Alexia Putellas nach 2021 und 2022 ihren dritten Ballon d’Or gewinnt, ist der perfekte Abschluss ihrer Zeit beim FC Barcelona – und steht für ihre Rückkehr an die Weltspitze.

Diese Partie am dritten Spieltag der Ligaphase, die am Ende 2:2 (1:2) ausgehen sollte, war von Beginn an intensiv, geprägt von harten Zweikämpfen. Nicht zuletzt geführt von Elisa Senß, die im Sommer von Eintracht Frankfurt zu Real Madrid gewechselt war. Aber gut, das war zumindest denjenigen der Münchnerinnen bestens bekannt, die sonst mit Senß im deutschen Nationalteam von ihrer fußballerisch unangenehmen Art profitieren. Überhaupt gab es diverse Wiedersehen mit ehemaligen Kolleginnen beim DFB (Merle Frohms, Sara Däbritz) und beim FCB (Däbritz, Arianna Caruso, Lineth Beerensteyn). In einem Pflichtspiel aber trafen diese beiden Klubs zum ersten Mal aufeinander. Was auch daran liegt, dass Real Madrid offiziell erst 2020 in den Frauenfußball eingestiegen ist, als der Verein das Team von CD Tacón übernahm.

Ein Handelfmeter hätte das Momentum auf die Seite der Münchnerinnen schubsen können

Für den FC Bayern war das Ergebnis nicht unerheblich: Nach dem 2:2 gegen Manchester City und dem 3:0 gegen Benfica Lissabon sind weitere Punkte entscheidend, um die Chance auf das direkte Weiterkommen zu wahren. Nur die besten Vier von 18 erreichen nach den sechs Ligaspielen das Viertelfinale ohne den Umweg über Playoffs. Vor Anpfiff war der FC Bayern Vierter.

Klara Bühl, beim Ballon d’Or auf Platz zwölf gewählt worden, unterstrich in den nächsten Momenten immer wieder, dass sie mehr Stimmen bei dieser Wahl verdient gehabt hätte. In der 14. und in der 20. Minute zeigte Bühl ihr Markenzeichen-Zick-Zack und den dann typischerweise folgenden Pass in die Strafraummitte. Aber zweimal lauerte niemand, was selbst die so fröhliche Bühl wütend machte. Beim zweiten Versuch konnte Linda Dallmann wenigstens nachlegen, Real-Verteidigerin Maëlle Lakrar verhinderte den Ausgleich – und dann waren ausgerechnet zwei alte Bekannte am nächsten Treffer beteiligt.

Nach einem weiten Freistoß von Caruso konnte Pernille Harder den Ball gerade noch so auf der Linie klären, aber Real war schneller im und mit dem Kopf: Maria Mendez lenkte den Ball zum Tor, Beerensteyn gab ihm den entscheidenden Schubser an Mahmutovic vorbei zum 2:0. Wenn es schon nicht auf die übliche Weise klappte, versuchte Bühl daraufhin, den Verlauf der Partie mit einem Standard zu ändern: Nach ihrer Ecke verkürzte Edna Imade nach einer halben Stunde auf 1:2, Wiedergutmachung für die zuvor verpassten Bühl-Bälle.

Ein Elfmeter hätte das Momentum auf die Seite der Münchnerinnen schubsen können, aber weder die Unparteiische auf dem Platz, noch jene vor dem Bildschirm reagierte kurz vor der Pause, als Maria Méndez mit der Hand am Ball war. Der Ausgleich gelang dem FC Bayern dann erst nach der Pause: Den Schuss von Dallmann, die wie Imade zuvor gute Chancen verpasst hatte, parierte Frohms, entschärfte den Ball aber nicht. Momoko Tanikawa legte sich den Ball schnell auf links und schloss ins linke Eck zum 2:2 in der 52. Minute ab – und zerrte das Momentum so auf ihre Seite. Bayern München dominierte.

Die wohl größte Chance hatte dann noch, richtig, Imade. Aus wenigen Metern konnte sich die 26-Jährige quasi aussuchen, wie ihr Siegtreffer aussehen sollte. Aber flach in die Mitte konnte Frohms einfach mit ihrem Fuß dazwischengehen. Sophie Proost traf kurz vor Schuss noch den Außenpfosten. Die verpassten Chancen, sie taten heute besonders weh.

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