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Vorab ein Kalauer.
Ein Fan schaut das ganze Spiel auf sein Smartphone. Der Sitznachbar fragt beim Stand von 0:3: „Warum guckst Du nicht auf den Rasen?“ Antwort: „Auf TikTok gibt es Wiederholungen in Zeitlupe. Da sehen unsere Abwehrspieler wenigstens so aus, als würden sie laufen!“
Hahaha. Doch im Ernst: Mit einem neuen „Fan-Modus“ in der Vereins-App will Borussia Dortmund die Anhänger für den Verzicht aufs Smartphone belohnen. Wer brav das Spiel verfolgt, sammelt Punkte für Trikots und Fanshop-Gutscheine. Ein rührender Versuch der Volkserziehung, der vor allem eine Frage aufwirft: Hat der Club keine anderen Sorgen?
Ja, 63 Prozent der Fans daddeln auf den Tribünen. Aber mal ehrlich: Bei den spielerischen Bankrotterklärungen des BVB in letzten Wochen war der Griff zum Smartphone kein Luxus, sondern Notwehr. Bei den trostlosen Auftritten gegen Bremen (2:2), Bodö Glimt (0:1) und Union Berlin (0:0) war jede Excel-Tabelle auf dem Display spannender als das Elend auf dem Rasen.
Hinzu kommt: Das Handy ist nicht das Einzige, was vom Spiel ablenkt. Wenn der BVB pure Aufmerksamkeit will, was kommt als Nächstes? Eine Abstinenz-Prämie, weil der Gang zum Bierstand wertvolle Minuten kostet? Eine Anti-Pipi-Prämie, weil beim Toilettengang nicht „Heya BVB“ geschmettert wird? Ein Bratwurst-Verbot, weil Kauen das Mitsingen stört?
Der BVB wirbt seit Jahren mit dem Slogan „Echte Liebe“. Wenn man Liebe künstlich über eine App-Belohnung triggern und erzwingen muss, ist die Beziehung am Ende. Emotionen auf Knopfdruck oder gegen Prämie sind keine „echten Stadionmomente“, wie Vorstand Carsten Cramer sagt, sondern eine durchorchestrierte Werbeveranstaltung.
Apropos Werbung: Die App-Aktion wird exklusiv mit dem Mobilfunkriesen Vodafone präsentiert. Ein Telekommunikationskonzern, dessen gesamtes Geschäftsmodell darauf basiert, dass Menschen so viel wie möglich am Handy hängen, inszeniert sich plötzlich als Gralshüter der analogen Achtsamkeit. Das ist Greenwashing für die Netzhaut – zumal die teilnehmenden Fans getrackt werden.
Die Anti-Handy-Aktion startet zum kommenden Liga-Spiel am Samstag gegen Eintracht Frankfurt. Prognose: Ob mehr Fans ihre Handys in der Tasche lassen, entscheiden allein die Spieler. Wenn der BVB (mal wieder) Gas gibt, tobt die gelbe Wand. Wenn nicht, werden WhatsApp der Oma beantwortet. Oder Witzchen verschickt.
Kalauer zum Schluss: Wie nennt man ein Smartphone in den Händen eines unfähigen Torwarts? Flutschfinger-Phone! Hahaha.