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DAZN auf den Medientagen: „Sind erwachsener geworden“
MTM40 Medientage Sportpanel

Der Sportgipfel bei den Medientagen München fiel durch Einigkeit der Panelteilnehmer auf – und dadurch, dass wichtige Keyplayer, die die Branche zuletzt in Aufruhr versetzten, gar nicht dabei waren. Eine verpasste Chance.

Es war ein überraschend harmonisches Panel, der große Sportgipfel bei den Medientagen München. Hatte sich Ex-Premiere-Chef Georg Kofler in den Minuten vor dem Sportpanel noch zum Thema wem denn bald die Primetime gehöre in Rage geredet, blieb das Panel „Own the Game – Wer kontrolliert den Live-Moment“ ruhig, sachlich und – leider – auch ohne die ganz große Erkenntnis. Das mag daran gelegen haben, dass ein wesentlicher Player, der den deutschen Sportmarkt in 2027 aufmischen wird, nicht vertreten war. Paramount+.

Green Stage Medientage München
Foto: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE München

Immerhin sprach Haruka Gruber, SVP Media & Head of Central Europe bei DAZN, die Situation offen an. Er machte keinen Hehl daraus, die jetzige Rechtesituation mit Prime und DAZN bei der Champions League besser zu finden als das kommende Modell, gestand aber auch offen, dass es immer mal passieren werde, dass DAZN ein wichtiges Recht verliere. Solche dann frei werdenden Budgets würden reinvestiert – und zwar entweder im gleichen oder eben in einem anderen Markt. DAZN etwa hat sich nach dem Verlust der Champions League in Deutschland umorientiert, zeigt den Wettbewerb ab Sommer 2027 auch in Österreich (Haruka betonte die kommunikative Aufgabe, nun in einem Markt anzugreifen, in dem man noch kaum aktiv war) – und setzt ebenfalls ab Sommer 2027 in Deutschland als Ersatz auf Europa- und Conference League.

Viel Zeit für Eigen-PR

In der Tat verpasste es Moderatorin Ruth Hoffmann (bekannt vom Sport1-„Doppelpass“) ein wenig, die starke Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Panel-Vertretern herauszuarbeiten. So ging doch einige Zeit in diesem Panel für Eigenlob drauf. Dorothea Jacob, Vice President Proposition & Content bei MagentaTV schwärmte (zu recht) nochmals von den WM-Übertragungen ihrer Plattform im Sommer, während Alex Rösner (früher Chefredakteur Sky Sport, neuerdings Sportchef von RTL Sky) das „360 Ökosystem“ des fusionierten Anbieters bewarb.

Sehr anschaulich stellte er anhand der NFL-Rechte, in deren vollständigen Besitz RTL Deutschland seit Sommer ist, dar, wie man diese für alle Bedürfnisse und Zielgruppen ausspiele. Bei RTL etwa für die Reichweite, bei RTL+ für eine Social-affinere Zielgruppe und letztlich bei Sky mit weiteren Spielen (plus Konferenzen) für mehr fachliche Tiefe. Sky Sport und RTL würden sich auch deshalb gut ergänzen, weil die RTL-Gruppe vor einem Länderspiel mit Jürgen Klopp jetzt schon ab dem Montag davor die Möglichkeit habe, dieses Thema (etwa bei Sky Sport News) zu besetzen.

Was ist mit den expansiven Streamern?

So weit so bekannt. Wie selbst ein lokaler Riese wie RTL Sky künftig aber auf die Großangriffe der Paramounts dieser Welt reagieren will, blieb in diesem rund 50 Minuten langen Panel unbeantwortet. Ebenso die Frage wie nachhaltig die WM 2026 Magenta Kundinnen und Kunden zugeführt hätte. Dass diese im Sommer förmlich im Strömen kamen, wurde zurecht bejubelt. Ob sie aber in Masse heute noch da sind, ist nicht bekannt.

Am ehesten war es Haruka Gruber, der mit klarer Kante eine Grenze zu Social Media zog. Verwundert zeigte er sich darüber, dass es noch immer Unternehmen gäbe, die Sporthighlights bei TikTok und Co. ausspielen würden, was nur „wenig Geld in die Tasche spielen“ würde. DAZN habe in diesem Punkt zu Beginn eine sehr expansive Social-Media-Politik gehabt, sei heute aber „erwachsener geworden“, nannte es Gruber. Alexander Rösner zeigte sich derweil auch als RTL Sky offen für Kooperationen („nach rechts und links schauen“), sprach aber in erster Linie davon, ja inhouse kooperieren zu können wie etwa bei den zahlreichen Free-TV-Spielen, die Sky nun ins Schaufenster bei RTL stellt.

Einen fast „deutschen Zungenschlag“ stellte Gruber derweil beim Thema der Fragmentierung fest – und machte deutlich, dass man vor rund zehn Jahren noch gar nicht jedes Drittliga-Fußballspiel oder jedes Eishockey-Match habe sehen können. Fragmentierung sei eine „automatische Folge dieser Entwicklung“ und nach Grubers Ansicht ein „gutes Zeichen“.

Beim Sportgipfel mit der Frage, wer den Live-Moment kontolliert, ging es nichts desto trotz zu wenig um die großen und in diesem Punkt hungrigen Streamer, auch weil sie auf der Bühne fehlten. So war es lediglich an Gruber zu analysieren, dass diese womöglich gar kein Interesse an der Abbildung einer größeren Masse hätten. Leuchttürme ja, aber Suttgart und Hamburg? Aus seiner Sicht eher nein, erklärte er und nannte zudem als großen DAZN-Vorteil, dass das Budget nicht auch noch mit Fiction geteilt werden müsse.

„Late to the party“

Hier gab es dann – man möchte fast schon endlich sagen – eine kleine Gegenrede von Marco Hellberg (Canal+ Germany), der hervorhob, dass sportfremder Content etwa in Sommerpausen hilfreich sein könnte. Einem größeren Angriff seiner Firma in Deutschland erteilte der Manager derweil indirekt eine Absage: „Hier sitzen sehr starke Kollegen, wir sind etwas late to the party und die Rechte in Deutschland teuer“, sagte Hellberg, nicht ohne darauf zu verweisen, dass Canal+ etwa in rund 50 Ländern die Formel 1 lizensiert hätte und in Österreich ab Sommer mit einem größeren Fußballpaket (Europa und Conference League) angreifen würde.

So war es bei diesem letzten Panel am Mittwoch auf der Green Stage eigentlich Bernd Riefler (veed analytics), der mit seinem Impuls den größten Mehrwert lieferte, als er Einblicke in die Präsentation von Fox und YouTube TV (Pay-TV) bei der WM 2026 in den USA lieferte. Durchaus spannend zu sehen, wie YouTube TV jedes Spiel in bis zu 80 Key Plays, aufgeschlüsselt mitunter nach Lieblingsspieler, aufgedröselt hatte – und das Menüband mit Auswahlmöglichkeiten wie Sprachen, Highlights und Kameraperspektiven fast schon „überfrachtet“ wirkte, wie Riefler es nannte. Mit solchen sehr personalisierten Angeboten sei es während der WM 2026 aber gelungen, das Thema Auffindbarkeit im Sportcontent-Dschungel zu managen.

Und so ging ein sehr friedliches Panel zu Ende auf diesem Sportgipfel der Medientage in einer Stadt, die noch am Abend Austragungsort eines großen Champions League Spiels sein wird – Bayern München gegen Arsenal. Zumindest das konnte man während des Panels kaum vergessen, saß Dorothea Jacob doch im FC-Bayern-Trikot (und somit mit gut sichtbarer Magenta-Werbung) auf der Bühne.

Bildquelle:

  • MTM40 Medientage Sportpanel: © Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE München