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Und das nicht im übertragenen Sinne. Denn die Vereinsführung um den ebenfalls in der Kritik stehenden Sport-Geschäftsführer Olaf Rebbe steht trotz saisonübergreifend zehn sieglosen Partien weiter uneingeschränkt hinter dem Trainer. Zumindest wird dies so kommuniziert. Dass sich Walter am Sonntag (13.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) im Duell mit Dresden dennoch sehr warm wird anziehen müssen, liegt zunächst einmal ausschließlich an der Wettervorhersage.
Denn laut Prognosen wird es am Spieltag in Kiel Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis 89 km/h geben. Der Keller-Kick - Schlusslicht Holstein hat nur drei Punkte Rückstand auf die Sachsen - könnte also vom Winde verweht werden.
Womöglich kommt die Wind-Lotterie den zuletzt harmlosen Kielern ja sogar entgegen. Denn die KSV ist in der Stumflaute. In den vergangenen vier Begegnungen gelang den Schleswig-Holsteinern nur ein eigener Torerfolg. "Die Belohnung wartet nicht auf uns, sondern wir müssen sie uns nehmen. Da brauchst du vielleicht auch ein bisschen Glück", sagte Walter.
Es fehlt nur ein Funke, dass wir uns den Dreier sichern. Holstein-Coach Tim Walter
Auf "Mister Zufall", sprich den Wind, will der Coach aber natürlich nicht setzen: "Wir versuchen der Logik entgegenzuwirken und die Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen. Und die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, je besser wir in Richtung Strafraum spielen." Überhaupt ist für den 50-Jährigen das berühmte Glas trotz Tabellenplatz 18 nicht halb leer, sondern halb voll. Der Grund: die Abwehrarbeit. "Wir spielen in der Defensive eine wirklich gute Runde", erklärte der Trainer mit Blick auf lediglich elf Gegentore.
Von dem von ihm bevorzugten zügellosen Offensivfußball - seit seinen Zeiten beim HSV auch unter "Walter-Ball" bekannt - ist Kiel aber noch weit entfernt. Peu à peu möchte der Fußballlehrer seinem Team diese Handschrift verpassen, dabei aber nicht aus Liebe zum spektakulären Spiel seine Mannschaft überfordern.
Walter will die Politik der kleinen Schritte gehen und sieht sich und seine Schützlinge dabei auf einem guten Weg. "Man sieht ja, das viele Dinge umgesetzt und besser werden. Und jetzt wollen wir uns selbst belohnen. Mit einem Sieg können wir sie überholen - und das ist genau das Ziel", sagte der 50-Jährige.
Es ist dem zuweilen öffentlich schroff auftretenden Walter hoch anzurechnen, dass er noch kein Klagelied angestimmt hat. Denn seit Wochen fallen wichtige Stützen wie Verteidiger Lasse Rosenboom oder Kapitän Steven Skrzybski aus. Auf den als Abwehrchef geholten Sebastian Schonlau konnte der Trainer am vergangenen Spieltag gegen Hertha BSC (0:0) das erste Mal zurückgreifen. Der 32-Jährige gab dem Team die erhoffte Stabilität - und verletzte sich in Hälfte zwei erneut. Sein Einsatz gegen Dresden ist unwahrscheinlich.
Heulen tut an der Waterkant aber bekanntlich nur der Wind. Und so machte Walter aus der Not eine Jugend anstatt die Ausfälle für die Negativserie verantwortlich zu machen. Gegen die "Alte Dame" aus Berlin standen in Linksverteidiger Leon Parduzi (19 Jahre alt) und Till Wiese (18) zwei Teenager in der Startelf. Rechtsaußen Mark Richter Monserrat (18) feierte in der Schlussphase zudem sein Profi-Debüt.
"Sie haben es sehr gut gemacht. Und genau das muss auch der Weg sein", lobte Walter die Youngster. Ihre Unbekümmertheit gepaart mit der Routine von Schlüsselspielern wie Jonas Meffert oder Timon Weiner soll die Schleswig-Holsteiner wieder nach oben führen - und damit auch den Kritikern von Walter den Wind aus den Segeln nehmen...
Holstein Kiel: Weiner - Sekine, Madsen, Zec, Parduzi - Meffert, Wiese - Kapralik, de Regt - Therkelsen, Harres
Dynamo Dresden: Grill - Sterner, Rapp, F. Müller, S. Straudi - R. Wagner, Raschl - Covic, N. Hauptmann, Bobzien - Vermeij