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Sieger des New-York-Marathons: Ein Schwede? Ja, ein Schwede
Fassungslos vor der Skyline: Andreas Almgren gewinnt den New-York-Marathon.
Fassungslos vor der Skyline: Andreas Almgren gewinnt den New-York-Marathon.Foto: Ishika Samant/Getty Images via AFP

Im Ranking der großen skandinavischen Laufnationen belegte Schweden bislang einen hinteren Platz. Sicher, es gab in den 1940er-Jahren Gunder Hägg, der den Weltrekord über 5000 Meter, damals 13:58 Minuten, mehr als elf Jahre lang hielt. Eine beachtliche Zeitspanne. Aber die finnischen Nachbarn stellten erst mit Paavo Nurmi und später mit Lasse Viren die prominenteren Athleten, in der Neuzeit zogen auch die Norweger mit den Ingebrigtsen-Brüdern, besonders dank Olympiasieger Jakob, vorbei.

Aber seit Sonntag gibt es die Schlagzeile: „Schwede gewinnt New-York-Marathon!“ Ein Schwede? Ja, ein Schwede.

Andreas Almgren, 31 Jahre alt, geboren in der Nähe von Stockholm, überquerte nach 2:06:01 Stunden als Sieger die Ziellinie in Manhattan, und daran sind viele Aspekte bemerkenswert. Zum einen ist die Zeit relativ und absolut gesehen ziemlich gut. Absolut, weil New York als schwierige Strecke gilt, die mit den vielen Brücken auf 280 Höhenmeter kommt. Rekorde rennt man auf den ebenen Pisten in Chicago oder Berlin. Relativ, weil Almgren mit dieser Zeit auch von den vergangenen fünf Ausgaben des Rennens vier gewonnen hätte.

Obendrein ist er der erste gebürtige Europäer seit dem Italiener Giacomo Leone 1996 und der erste Läufer ohne afrikanische Wurzeln seit dem Brasilianer Marílson dos Santos 2008, der das Rennen gewinnt. Ach so, und es war Almgrens allererster Marathon. „I just finished my first marathon“, schrieb er auf der Laufapp Strava zur Aufzeichnung seines Laufes.

Doch obwohl er seine Premiere lief und die Vergangenheit zeigt, dass diese mystische und tückische Strecke auch Olympiasieger beim ersten Versuch in die Knie zwingen kann, rief ihn die ortsansässige New York Times schon vor dem Rennen zum Favoriten aus. Almgren hatte zuletzt ein paar bemerkenswerte Ergebnisse erzielt: Er wurde in Birmingham Europameister über 10 000 Meter auf der Bahn, vor allem aber gewann er im September in Kopenhagen den Weltmeistertitel im Halbmarathon mit neuem Europarekord. „Bis zum Central Park werde ich mithalten können“, sagte er vor dem Rennen der Times; dieser beginnt ungefähr bei Kilometer 36. Außerdem habe er sich auf die vielen Bergab-Passagen in New York mit speziellem Krafttraining vorbereitet.

Almgrens Werdegang ist einerseits ein wenig aus dem Läuferschulbuch, andererseits aber auch nicht. Als junger Mann konzentrierte er sich auf die 800- und 1500-Meter-Distanz, baute Tempohärte und Grundschnelligkeit auf. Aber schon als 5000- und 10 000-Meter-Läufer trainierte er die für diese Distanzen ungewöhnlich hohen Umfänge von mehr als 200 Kilometern pro Woche, wie er in einem Laufpodcast erzählte. Das dürfte ihm beim Wechsel zum Marathon nicht geschadet haben.