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BVB-Profi Daniel Svensson: Kovac-Liebling hat gegen Bayern wichtigste Aufgabe
Wieder einmal hat der BVB extrem schwankend Leistungen präsentiert. Im DFB-Pokal gegen Werder Bremen wurde erst geglänzt, dann gezittert und am Ende doch gejubelt. Welche Lehren müssen aus dem knappen Sieg gezogen werden? Haben die Dortmunder eine Chance im Topspiel gegen Bayern München? Und was es jetzt ganz dringend braucht: Darüber reden in einer neuen Folge von "Echte Tiefe - den BVB verstehen" WAZ-Sportchef Sebastian Weßling und Moderatorin Linda Joy Sonnenberg.© FUNKE Foto & Video

Es ist nicht davon auszugehen, dass Daniel Svensson zuletzt schlecht geschlafen hat. Der Schwede keiner, der sich groß aus der Ruhe bringen lässt, auch nicht jetzt, da eine der aktuell größten Aufgaben des Weltfußballs auf ihn wartet: Der Schwede muss am Wochenende Michael Olise ausbremsen – und damit wohl das Schlüsselduell bestreiten im Topspiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr/Sky).

Olise einbremsen, das sagt sich so leicht und ist doch so schwer umzusetzen. Der Franzose ist mit sechs Treffern momentan bester Torschütze einer Mannschaft, die gespickt ist mit offensiver Qualität. Er hat eine herausragende Vorsaison und eine starke Weltmeisterschaft hinter sich, er ist bei der jüngsten Vergabe des Ballon d’Or auf Platz neun gelandet. Olise ist der Prototyp der These von Bundestrainer Jürgen Klopp, dass im Fußball von heute die Spielmacher auf den Flügeln zu finden sind. Der 24-Jährige kann sich an der Außenlinie im Dribbling durchsetzen und flanken. Er kann nach innen ziehen und dort selbst abschließen, er kann aber auch die Kollegen mit präzisen Steckpässen bedienen. Kurz: Er beherrscht das gesamte Instrumentarium, mit dem man das gegnerische Tor in Gefahr bringen kann. Im Sommer holten ihn die Bayern für 53 Millionen Euro von Crystal Palace. Auch der BVB hätte ihn gerne gehabt, konnte bei derlei Summen aber nicht mithalten.

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Mit Daniel Svensson passte es da schon besser. Der Linksverteidiger kam ein halbes Jahr später vom FC Nordsjaelland und kostete, weil ihn niemand sonst wirklich auf dem Zettel hatte, nur knapp sieben Millionen Euro. Es war ein Coup, für den man sich selbst gerne auf die Schulter klopfte in Dortmund, den man immer wieder als Beispiel heranzog, wenn es hieß, dass man bei Transfers wieder kreativer und mutiger werden müsse. Zur Wahrheit gehört aber auch: Svensson war nie ein Talent, das ganz Europa jagte. Keiner, der je zur Wahl beim Ballon d’Or stehen wird. Und er wird dem BVB auch nie eine Ablösesumme in jenen unglaublichen Höhen einbringen, in denen Olise aktuell angesiedelt wird. Aber trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ist er ein absoluter Lieblingsschüler des BVB-Trainers Niko Kovac. Der Kroate schätzt vor allem die Fußballintelligenz und die Verlässlichkeit des Schweden. Svensson könne man mit fast jeder Aufgabe betrauen, und er werde sie verlässlich erledigen – weil er sehr viele richtige Entscheidungen treffe.

BVB-Abwehrspieler Svensson steht für Stabilität statt Spektakel

Spötter mögen an der Stelle einwenden, dass diese richtigen Entscheidungen meist in der eigenen Hälfte getroffen werden und selten zu Gefahr am gegnerischen Tor führen. Von Svensson darf man all das nicht erwarten, was Olise reichhaltig im Repertoire hat, er wählt im Zweifel den sicheren Pass nach hinten und konzentriert sich auf seine Defensivaufgaben.

BVB-Trainer Niko Kovac mit Linksverteidiger Daniel Svensson (hier ausnahmsweise rechts).© AFP | MacDougall

Das weiß natürlich auch sein Trainer, es ändert aber nichts am hohen Ansehen, das der Schwede genießt. Er passt ja mit seiner Art gut zu Kovac und dessen Vorstellungen von Fußball. Auch der Kroate denkt das Spiel ja vor allem von hinten, von einer sicheren Defensive HER auf. Solidität und Stabilität, das ist ihm wichtiger als Spektakel. Und Solidität und Stabilität wird es reichlich brauchen am Samstag, wenn sich Svensson als Linksverteidiger IMMER WIEDER sehr häufig mit dem Rechtsaußen Olise wird auseinandersetzen müssen.

BVB-Abwehr muss Olise im Verbund ausschalten

„Daniel hat es in den letzten Spielen gegen Olise sehr gut gemacht. Wir wissen, welche Qualitäten Michael Olise hat, dementsprechend müssen wir versuchen, ihn auszuschalten“, sagt Kovac dazu. Das allerdings ist zumindest ein wenig geschönt. Von den neun Toren, die die Bayern dem Kovac-BVB in den vergangenen vier Pflichtspielen einschenkten, war Olise an vier direkt beteiligt. Im Supercup gelangen dem Franzosen ein Tor und ein Assist, und beim jüngsten Bundesliga-Duell bereitete er den 3:2-Siegtreffer vor – mit einer Aktion, wie sie der Rekordmeister sicher auch am Samstag immer wieder heraufbeschwören will. Da nämlich gelang es, Olise und Svensson an der Seitenlinie zu isolieren, den BVB-Verteidiger in ein Eins-gegen-eins-Duell mit dem Bayern-Angreifer zu zwingen. Ein Dribbling, eine Flanke – und schon war die Niederlage besiegelt.

Das bislang letzte Aufeinandertreffen in München: Michael Olise (l.) dribbelt gegen Daniel Svensson.© dpa | Hoppe

Der Gefahr ist sich auch Kovac bewusst: „Wir müssen uns unterstützen, wir müssen doppeln, mit Sicherheit auch mal trippeln“, sagt er. „Wir müssen viel laufen, wir müssen bereit sein, uns zu quälen.“ Nur ist das mit dem Doppeln und Trippeln nicht ganz so einfach, wenn man nebenbei noch auf Harry Kane aufpassen muss, den Gewinner des Ballon d’Or. Und auf Ismael Saibari. Und auf Alphonso Davies. Und alle anderen, die gerne im roten Trikot für Spektakel sorgen. Nicht nur auf Svensson wartet eine große Aufgabe.

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