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Lennart Karl antwortet auf Kritik – und löst gleich die nächste Debatte aus

Nach seinem Tor zeigte Karl mit seinen Händen ein Bla-Bla-Zeichen. © ZUMA Press Wire/IMAGO/Oscar Manuel Sanchez

Lennart Karl lässt nach turbulenten Wochen gegen Atlético Madrid auf dem Platz Taten sprechen. Doch mit seinem Torjubel sorgt das Bayern-Juwel gleich für neuen Gesprächsstoff. Während seine Mitspieler ihn feiern, gibt es von anderer Seite kritische Töne.

Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Oliver Jensen sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informiere dich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Seine Geste war unmissverständlich und durchaus provokant. Als Lennart Karl seinen Treffer zum 1:0 gegen Atlético Madrid bejubelte, zeigte er mit den Händen ein Bla-Bla-Zeichen. Ganz nach dem Motto: Redet doch, was ihr wollt! Der 18-Jährige musste zuletzt viel Kritik einstecken. Mehr noch: Rund um seine Person entstand eine regelrechte Debatte.

Mit seinen außergewöhnlichen Outfits und seinen Social-Media-Aktivitäten zog er viel Unmut auf sich. Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte den Youngster öffentlich zurechtgewiesen, Sportvorstand Max Eberl sprach von einer schwierigen Phase. Michael Ballack, der Berater von Karl, nahm ihn in Schutz und kritisierte die Bayern.

Inmitten dieses Spannungsfelds zeigte Karl jene Qualitäten, die ihn vor gut einem Jahr zum Shooting-Star des deutschen Fußballs machten: Unbekümmertheit, Mut und Spielfreude! Als in der 54. Minute Atlético-Verteidiger Robin Le Normand den Ball im eigenen Strafraum nicht richtig geklärt bekam, luchste Karl ihm den Ball ab und chippte diesen gefühlvoll ins Tor. Auffällig war, wie sehr sich die Mitspieler mit ihm freuten. Einige Spieler kamen sogar von der Ersatzbank aus angelaufen, um Karl zu beglückwünschen.

Lennart Karl wird "eine große Karriere machen"

"Das ist das Schöne am Fußball", sagte sein Mitspieler Konrad Laimer , der später mit seinem Treffer zum 2:0 für den Endstand sorgte, über diese Szene. Über Karl fügte der Österreicher hinzu: "Für den Jungen freut es mich. Er bleibt ruhig, er arbeitet hart, und heute hat er sich belohnt mit einem Arbeiter-Tor." Karl sei noch jung und müsse weiter lernen. Aber eines ist für Laimer klar: "Er ist auf einem super Weg. Er wird noch eine große Karriere machen."

Torwart Manuel Neuer unterstrich das noch einmal: "Lenny ist ein ganz wichtiger Teil unserer Mannschaft. Er ist Bestandteil der Gruppe, deshalb freuen wir uns mit ihm. Wir wünschen ihm immer das beste Spiel und tolle Leistungen. Das hat er heute wieder unter Beweis gestellt. Deshalb gibt es nichts zu diskutieren und thematisieren." Eberl stellte klar: "Lennart Karl ist für uns ein wichtiger Spieler. Das haben wir nie in Abrede gestellt."

Hummels kritisiert Jubel-Geste

Auch der frühere Bayern-Spieler und heutige Prime-Experte Mats Hummels lobte das Tor und sprach von einer "geilen Antwort von Lennart Karl". Den Jubel fand er allerdings nicht angemessen, denn: "Kritik gehört zum Fußball mit dazu. Deswegen verdienst du auch so viel Geld, weil die Leute darüber reden."

Co-Trainer Aaron Danks, der weiterhin den erkrankten Vincent Kompany vertritt, äußerte sich nicht zu der Geste von Karl. "Ich habe seinen Jubel nicht gesehen, weil ich selber gejubelt habe", sagte er bei der Pressekonferenz und schob ein Lob hinterher: "Er hat als junger Spieler einen großartigen Charakter gezeigt. Er hat einen guten Glauben an sich selbst. Seine Leistung heute war großartig und führte zu einem Tor, das er wirklich exzellent gemacht hat."

Zu viel Kritik oder zu viel Hype?

War die Kritik an Karl also angemessen oder übertrieben? Oder müsste die Frage nicht vielmehr lauten: War es nicht schon übertrieben, den damals 17-Jährigen nach nur wenigen guten Spielen zum Hoffnungsträger des deutschen Fußballs zu erklären?

Der frühere Nationalspieler Jürgen Kohler erklärte bei "ran", "dass Lennart Karl ein guter Fußballer ist. Er ist aber noch längst nicht da, wo er teilweise schon hingeschrieben wird. Das muss ein Spieler verstehen. Wenn er das nicht versteht, wird er auch nie so weit kommen."

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Klar ist aber auch, dass plötzlicher Ruhm mit einem jungen Menschen etwas macht. Lothar Matthäus kann sich gut in den Youngster hineinversetzen. "Ich habe früher auch gedacht, ich kann auf einem Bein laufen. Aber du brauchst beide Beine auf dem Boden", erzählte er vor wenigen Tagen bei einer Medienrunde von "Sky".

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Allerdings müsse man einem jungen Spieler auch Zeit geben. Sein Rat lautete daher: "Ein bisschen weniger Bling, ein bisschen weniger Social Media, ein bisschen mehr Leistung auf dem Platz. Er muss auf das fokussiert sein, was Bayern von ihm erwartet."

Sein Auftritt gegen Atlético war jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung – trotz der provokanten Geste.

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