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Boykott bahnt sich an: Eishockey-WM in Deutschland wackelt
Die deutschen Eishockey Spieler am jubeln.
Copyright: Carolyn Kaster/AP/dpa Die bevorstehende Eishockey-WM in Deutschland steht auf der Kippe. Wegen der Rückkehr von Russland will Finnland einen Boykott organisieren.

In Düsseldorf treffen sich die Eishockey-Nationalspieler, der neue Bundestrainer André Rankel stimmt sie auf sein erstes Turnier ein - doch ein Thema überlagert alles: Gibt es im nächsten Jahr überhaupt eine Heim-WM?

Nach massiven Boykottdrohungen des Weltmeisters Finnland und dem Rückzug eines ersten Sponsors aus Schweden wackelt das Turnier wegen der Rückkehr Russlands immer mehr.

CEO David Bry: „Dies ist ein Protest gegen Russland“

Der finnische Verbandspräsident Heikki Hietanen kündigte nach der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS an, man werde „nicht gegen Russland spielen, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert“. Gleichzeitig wirbt der Titelverteidiger und Olympiasieger von 2022 im Teilnehmerfeld um Unterstützung, um „eine gemeinsame Front“ zu bilden - und dem Weltverband IIHF zu zeigen, dass „keiner von uns in der aktuellen Situation gegen Russland spielen wird“.

Sein tschechischer Amtskollege Alois Hadamczik erklärte: „Wenn diese Nationen sich vereinen, kann das etwas verändern.“ Auch Schweden, Dänemark oder Lettland zählen zu den Adressaten.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) wollte die Initiative auf SID-Anfrage nicht kommentieren und verwies darauf, dass er selbst Klärung von der IIHF erwarte. Präsident Frank Lutz hatte bereits am Wochenende erklärt, dass der DEB eine Rückgabe der WM vom 13. bis 30. Mai in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim nicht ausschließe.

Der Druck auf den Weltverband, der mit seinem neuen Präsidenten Franz Reindl am Montag und Dienstag konferierte, wurde auch von anderer Seite erhöht: Der schwedische Büromöbelhersteller AJ, seit 1989 einer der größten Sponsoren bei Eishockey-Weltmeisterschaften und zuletzt mit seinem Schriftzug auf den Schiedsrichtertrikots präsent, zog sich als erster Geldgeber zurück.

„Im Geschäftsleben gibt es viele schwierige Entscheidungen“, sagte der CEO David Bry, „aber das war keine. Dies ist ein Protest gegen Russland.“ Auch der tschechische Wettanbieter Tipsport, ebenfalls IIHF-Partner, kündigte an, nicht bei russischen Spielen werben zu wollen. Der WM-Hauptsponsor kommt auch aus Tschechien - die VW-Tochter Skoda.

Während also in Düsseldorf Trainerneuling Rankel die WM-Vorbereitung mit dem ersten Spiel beim Deutschland Cup am Donnerstag (19.45 Uhr/MagentaTV) gegen Österreich beginnt, wird andernorts über die Heim-WM entschieden. DEB-Vorstandschef Lutz ist zu Gesprächen mit der Bundesregierung in Berlin, die mit der Visavergabe einen politischen Hebel in der Hand hat.

Kanada erklärte bereits, das russische Team nicht zur Junioren-WM (26. Dezember bis 5. Januar) in Edmonton und Red Deer einreisen zu lassen. Der nächste betroffene Ausrichter ist Tschechien mit der U18-WM der Frauen (8. bis 16. Januar 2027), dort gilt laut Eishockeyverband ein Regierungserlass, der Spiele mit russischen Mannschaften verbietet.

Doch die Bundesregierung hat auch die Olympiabewerbung um die Spiele 2036, 2040 und 2044 im Blick. Sollte sie sich gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) stellen, das die vollständige Rückkehr Russlands unter eigener Flagge für Los Angeles 2028 angekündigt und allen Fachverbänden empfohlen hat, dürften die Chancen drastisch sinken. Zur WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt/Main und zur Junioren-EM im Schwimmen in München durften russische Sportlerinnen und Sportler einreisen.

Das womöglich letzte Turnier ohne Russland ist die Frauen-WM in Dänemark. Das deutsche Team um die PWHL-Profis Laura Kluge und Nina Jobst-Smith startet am Samstag (10.00 Uhr/MagentaTV) in Esbjerg gegen Österreich. (sid)

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