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Von Weltstars und Flops: Was wurde aus den 50 größten Talenten 2007?

Sadick Adams vor Gareth Bale, Ismail Aissati vor Karim Benzema und Dumitru Copil vor Toni Kroos: Im November 2007 veröffentlichte das renommierte englische Fußballmagazin „World Soccer“ eine Liste der 50 aufregendsten Teenager des Weltfußballs. Fast zwei Jahrzehnte später ist sie ein spannendes Dokument darüber, wie unberechenbar Fußballkarrieren verlaufen können.

Einige der damals ausgezeichneten Nachwuchsspieler gewannen später die Champions League, wurden Weltmeister oder prägten über Jahre den internationalen Spitzenfußball. Andere verschwanden trotz riesiger Vorschusslorbeeren weitgehend von der Bildfläche. Gerade die Reihenfolge der damaligen Talente zeigt, wie schwer sich sportliche Entwicklungen selbst bei außergewöhnlich begabten Jugendlichen vorhersagen lassen.

Die späteren Weltstars standen oft weit hinten

Dass ausgerechnet Ivan Rakitić nur auf Platz 45 landete, wirkt aus heutiger Sicht beinahe absurd. Der damals 19-jährige Kroate spielte für den FC Schalke 04, wechselte später nach Sevilla und schließlich zum FC Barcelona. Mit den Katalanen gewann er 2015 die Champions League, dazu kommen vier spanische Meistertitel. 2018 führte sein Weg mit Kroatien bis ins WM-Finale.

Noch weiter oben, aber dennoch erstaunlich weit unten, standen Mesut Özil auf Rang 37 und Toni Kroos auf Platz 27. Özil wurde 2014 mit Deutschland Weltmeister, gewann mit Real Madrid die spanische Meisterschaft und entwickelte sich beim Arsenal FC zu einem der besten Vorlagengeber Europas. Kroos wiederum gewann sechs Champions-League-Titel, fünf davon mit Real Madrid, und war über ein Jahrzehnt einer der spielbestimmenden Mittelfeldspieler des Weltfußballs.

Juan Mata, damals auf Platz 28, wurde mit Spanien Welt- und Europameister und gewann 2012 mit Chelsea die Champions League. Ángel Di María (11) holte unter anderem die Königsklasse mit Real Madrid und krönte seine Karriere 2022 mit dem WM-Titel für Argentinien. Sein Treffer im Endspiel gegen Frankreich gehört zu den wichtigsten Toren der argentinischen Fußballgeschichte.

Auch Karim Benzema (15) übertraf nahezu alle Erwartungen. Der französische Stürmer gewann fünfmal die Champions League und wurde 2022 mit dem Ballon d’Or ausgezeichnet.

Weiter vorne standen immerhin zwei Spieler, deren Entwicklung die Prognosen vollauf bestätigte: Gareth Bale auf Platz sechs und Sergio Agüero auf Rang sieben. Bale gewann fünf Champions-League-Titel und schrieb mit seinen Toren in europäischen Endspielen Geschichte. Agüero wurde zur Manchester-City-Legende, erzielte 260 Premier-League-Tore und gewann fünf englische Meisterschaften. Sein Treffer gegen die Queens Park Rangers 2012 zählt zu den berühmtesten Momenten der Premier-League-Geschichte.

Die Nummer eins spielte nie für Atlético Madrid

Der größte Irrtum der Liste steht allerdings ganz oben. Sadick Adams aus Ghana wurde 2007 als aufregendster Teenager des Weltfußballs eingestuft. Nach vier Toren bei der U17-Weltmeisterschaft hatte Atlético Madrid den jungen Stürmer verpflichtet. Dort trainierte er unter anderem mit David de Gea und Sergio Agüero.

Den Sprung in die erste Mannschaft schaffte Adams allerdings nie. Nach Einsätzen für Atléticos Reserveteam begann eine lange Reise durch den internationalen Vereinsfußball. Stationen in Serbien, Tunesien, Saudi-Arabien, Oman, Ghana und Bangladesch folgten. 2017 gewann er mit Asante Kotoko den ghanaischen Cup und erzielte im Finale einen Hattrick. Ein Weltstar wurde er dennoch nie.

Auch der Zweitplatzierte Ismail Aissati konnte die enormen Erwartungen nicht erfüllen. Der technisch hochveranlagte Mittelfeldspieler galt bei der PSV Eindhoven als eines der größten Talente der Niederlande und debütierte bereits mit 17 Jahren in der Champions League.

Später spielte er für Ajax Amsterdam und zahlreiche türkische Vereine, sowie in Tschetschenien für Terek Grozny. Drei niederländische Meistertitel und zwei Länderspiele für Marokko stehen in seiner Bilanz. 2023 beendete er seine aktive Laufbahn. Eine bemerkenswerte Profikarriere, aber weit entfernt von jener Weltklasse, die man ihm 2007 zugetraut hatte.

Bojan, Pato und Breno: Wenn große Karrieren ins Stocken geraten

Ein weiteres interessantes Beispiel liefert Bojan Krkić auf Platz acht. Beim FC Barcelona galt der Angreifer als kommender Superstar und wurde regelmäßig mit Lionel Messi verglichen. Er hatte in der Nachwuchsabteilung unglaubliche 423 Tore erzielt und traf bereits als 17-Jähriger in der heute weitgehend „LaLiga“ genannten Primera División.

In seiner ersten Profisaison gelangen ihm zwölf Treffer in 48 Pflichtspielen. Doch auf den frühen Durchbruch folgte keine dauerhafte Entwicklung zum Weltklassespieler. Enormer Erwartungsdruck und persönliche Belastungen begleiteten seine Laufbahn. Bojan sprach später offen über Angstzustände, mit denen er bereits als Jugendlicher zu kämpfen hatte.

Nach Stationen bei der AS Roma, dem AC Milan, Ajax Amsterdam, Stoke City, Mainz 05 und weiteren Vereinen beendete er 2023 seine Karriere. Titel gewann Bojan reichlich – zum Weltstar, der er praktisch „fix“ werden würde, wurde er schlussendlich aber doch nie.

Auch Alexandre Pato, immerhin auf Platz drei, startete furios. Beim AC Milan entwickelte sich der Brasilianer rasch zu einem der aufregendsten jungen Stürmer Europas. Wiederkehrende Verletzungsprobleme verhinderten jedoch, dass er dauerhaft zur absoluten Weltspitze aufschließen konnte. Er kehrte schlussendlich viermal nach Brasilien zurück, kickte auch noch in China und den USA, beendete seine Karriere Anfang 2025 nach mehreren Vereinslosigkeiten aber endgültig.

Noch dramatischer verlief die Karriere von Breno Borges, damals Neunter in der Teenager-Liste. Der brasilianische Innenverteidiger wechselte Anfang 2008 zum FC Bayern München, konnte sich dort aber auch aufgrund von Verletzungen nie dauerhaft durchsetzen. 2012 wurde er wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, nachdem er seine gemietete Villa angezündet hatte. Später kehrte er nach Brasilien zurück und setzte seine Fußballkarriere fort.

Auch Anderson (4), Giovani dos Santos (5) und der für sein spektakuläres „Seehunddribbling“ bekannte Kerlon (26) konnten ihre außergewöhnlichen Anlagen nicht in eine entsprechend lange Weltkarriere ummünzen. Dabei war Anderson immerhin mehrfacher englischer Meister mit Manchester United FC und gewann 2008 die Champions League.

Von manchen Talenten hörte man kaum noch etwas

Noch deutlicher wird die Unberechenbarkeit bei Spielern wie Gerardo Bruna, der 2007 auf dem zehnten Platz lag. Der Argentinier wechselte als Jugendlicher von Real Madrid zum Liverpool FC, bestritt aber kein Pflichtspiel für dessen erste Mannschaft. Stattdessen spielte er später unter anderem für Blackpool, Huesca, Accrington Stanley und Derry City.

Diego Buonanotte (12) gewann 2008 mit Argentinien olympisches Gold und spielte später für Málaga und Granada. Seine erfolgreichsten Jahre erlebte er allerdings nicht im europäischen Spitzenfußball, sondern unter anderem in Chile, wo er mit Universidad Católica mehrere Meistertitel feierte.

Der Rumäne Dumitru Copil (16) galt bei Heart of Midlothian FC als Riesentalent. Sein Aufenthalt in Schottland scheiterte jedoch früh, später spielte er überwiegend für kleinere rumänische Klubs. 2022 war er noch in der vierten Liga aktiv und arbeitete zusätzlich als Fitnesstrainer.

Kermit Erasmus (18) wiederum blieb vor allem im südafrikanischen Fußball erfolgreich. Er spielte unter anderem für die Orlando Pirates und die Mamelodi Sundowns, gewann nationale Titel und absolvierte Länderspiele für Südafrika. Die erhoffte internationale Spitzenkarriere blieb aber auch bei ihm aus.

Auch zahlreiche weitere Namen wie Ransford Osei, Cristian Nazarit oder Sapol Mani verschwanden weitgehend aus dem Blickfeld europäischer Fußballfans.


Talent ist nur der Anfang

Die Liste von 2007 verdeutlicht, wie viele Hürden zwischen einer herausragenden Jugendkarriere und dem internationalen Spitzenfußball liegen. Verletzungen, falsche Transferentscheidungen, Konkurrenz- und Erwartungsdruck, persönliche Krisen und die Fähigkeit, sich an unterschiedliche Spielsysteme anzupassen, können entscheidend sein.

Bei manchen Spielern folgte auf den frühen Hype eine solide Profikarriere, die lediglich hinter den enormen Erwartungen zurückblieb. Andere scheiterten tatsächlich am Übergang in den Erwachsenenfußball. Und einige der zunächst weniger prominent eingestuften Talente entwickelten sich zu den prägendsten Fußballern ihrer Generation.

Dass Toni Kroos, Mesut Özil und Ivan Rakitić einst deutlich hinter Sadick Adams oder Dumitru Copil rangierten, macht diese fast 20 Jahre alte Liste zu einer spannenden Momentaufnahme. Sie zeigt nicht nur, wie schwierig Talentprognosen sind, sondern auch, wie wenig eine sehr frühe Einschätzung über den tatsächlichen Verlauf einer Fußballerkarriere aussagt.

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