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Beim Mexiko-Rennen eskaliert der schwelende Streit der Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton. Das penetrante Gezeter des Rekordweltmeisters steht einem Rennstall wie Ferrari schlecht zu Gesicht. Ein Kommentar.
Lewis Hamilton fluchte, motzte und jammerte. Nach einem beinharten Startmanöver seines Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc in Mexiko – die roten Autos drängelten sich von der Bahn, sodass Max Verstappen profitierte – echauffierte sich Hamilton ausschweifend über Leclerc und seinen Arbeitgeber.
„Wir haben große Probleme. Große, große Probleme“, funkte der Brite zum Beispiel. „Klingt ja wie eine Drohung“, meinte Sky-Kommentator Sascha Roos. „Das war eine“, stimmte Experte Ralf Schumacher zu.
Bei der Weltmeisterkrönung von Kimi Antonelli beendete Hamilton den Grand Prix als Zweiter, Leclerc als Vierter. Red-Bull-Rivale Verstappen gewann. Das logische Ergebnis wäre ein Ferrari-Doppelsieg gewesen. „Aber wenn dein Teamkollege gegen dich arbeitet und du dann so Positionen verlierst, ist das hart“, zischte Hamilton nach der Zieldurchfahrt.
Merke: In der Formel 1 ist ein Teamkollege faktisch ein Teamkontrahent. Der erste Gegner.
Es war der Eskalationspunkt eines lange schwelenden Streits zwischen Hamilton und Leclerc. Prompt rüffelte der „wütende“ Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur seine höchstbezahlten Angestellten für „einen Mangel an Respekt gegenüber der Marke, einen Mangel an Respekt gegenüber all den Menschen, die hier arbeiten, und einen Mangel an Respekt gegenüber den Anstrengungen, die wir unternehmen“.
Das saß.
Schon beim Heimspiel in Monza, Anfang September, waren Leclerc und Hamilton auf der Strecke aneinandergeraten. Hamiltons Reaktion: ziemlich genau dieselbe wie in Mexiko. Nämlich weinerlich, eingeschnappt und sich keiner Schuld bewusst. Für einen Rennstall wie die Scuderia ist dieses Verhalten unwürdig. Und, ehrlich gesagt: auch ein bisschen peinlich.
Hamilton, inzwischen 41, hat genau wie Michael Schumacher sieben Formel-1-Weltmeistertitel gewonnen. Rekord. 106 Grand-Prix-Siege sind unangefochten (Schumacher hat 91), in Mexiko raste Hamilton nach über dreijähriger Wartezeit mal wieder auf die Pole Position; seine 105. insgesamt.
Das sind astronomische Zahlen eines legendären Piloten, der im Cockpit eines legendären Rennstalls sitzt. Ferrari ist elitär, Ferrari ist mondän, Ferrari soll diese italienische Grandezza haben, die Rennställe wie Mercedes, McLaren oder Williams nicht haben können – nicht nur, weil sie keine Italiener sind.
Die Kombination der Faktoren aber lässt Hamiltons Schimpftiraden deplatziert wirken. Schumacher hatte seinerzeit keinen potenziellen Nummer-eins-Piloten neben sich (wie Hamilton mit Leclerc), aber die Sitten und Gepflogenheiten waren andere.
Gewiss, wir Beobachter dürfen uns über Champagner-Unterhaltung freuen. In der Formel 1 kann nichts Schlimmeres geschehen, als wenn die Rennen in zu geordneten Bahnen verlaufen. Das Chaos, die Kontroverse, der Starr- und Eigensinn der weltbesten Autorennfahrer – erst das macht die Königsklasse zu dem, was sie an ihren besten Tagen ist: zu einem hollywoodreifen PS-Zirkus der Superlative.
Sonntags in Mexiko mochte sich Hamilton nicht beruhigen. Er nannte Leclerc „den Kerl“, wenn er über ihn sprach, und grummelte: „Der Kerl ist 29 Jahre alt, also glaube ich nicht, dass es am Alter liegt. Es ist eine Frage der Mentalität, und ich hoffe, dass wir in Zukunft auf ein besseres Arbeitsklima hinarbeiten. Wir haben keine Regeln für die Zusammenarbeit. Ob sich von seiner Seite etwas ändern wird, weiß ich nicht. Aber es muss sich auf jeden Fall etwas ändern.“
Vielleicht müsste sich auch Hamiltons (öffentliche) Kommunikation ändern. Bloß ein Gedanke.