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Die dünne Luft in Mexiko-Stadt gilt im Formel-1-Kalender traditionell als einer der härtesten Härtetests für Mensch und Maschine. Doch bei McLaren herrscht nach dem Trainingsfreitag überraschend viel Zuversicht: Oscar Piastri bilanziert nach dem zweiten Freien Training, dass sein Bolide mit den extremen Höhenbedingungen deutlich besser zurechtkam als vorab befürchtet.
Das Autodromo Hermanos Rodriguez liegt über 2.200 Meter über dem Meeresspiegel. Die sauerstoffarme Luft beraubt die Autos eines Großteils ihres Abtriebs und stellt die Kühlung der Aggregate vor massive Probleme. Für Piastri verlief der Auftakt dennoch erfreulicher als erwartet.
"Es war mit Sicherheit schwierig, aber keineswegs schlechter als gedacht - wenn überhaupt, lief es sogar etwas besser als erwartet", gibt der Australier nach den ersten 120 Trainingsminuten Entwarnung. "Es hat sich alles okay angefühlt. Ehrlich gesagt wirken wir relativ konkurrenzfähig."
Auf dem Zeitenmonitor spiegelte sich das wahre Potenzial des Papaya-Renners allerdings noch nicht komplett wider. Der Grund: Piastris Qualifying-Simulation auf den weichen Reifen verlief alles andere als nach Maß.
"Meine Soft-Runde im zweiten Training war ziemlich unsauber", gesteht der McLaren-Pilot offen. "Aber ich hatte das Gefühl, dass die grundlegende Pace da ist."
Dass Ferrari am Freitag den Ton angab, überrascht den Youngster kaum: "Ferrari sah extrem stark aus, was man auf einem solchen Kurs aber wohl auch erwarten konnte. Unterm Strich hatten wir dennoch einen ziemlich guten Tag."
Bekommt er die Schnitzer am Samstag in den Griff, rechnet sich Piastri einen deutlichen Sprung nach vorne aus - auch wenn er vor der Konkurrenz aus Maranello warnt: "Da waren ein paar sehr grobe Schnitzer drin. Wenn ich die abstelle, bin ich optimistisch, dass es deutlich weiter nach vorne geht. Das ist ein gutes Gefühl. Ferrari morgen zu schlagen, wird nach aktuellem Stand aber eine verdammt harte Nuss. Das gesamte Feld liegt extrem eng beisammen, man muss absolut auf den Punkt liefern."
Dass der Kurs wie auf Schmierseife wirkt, überraschte den Australier bei der aktuellen Fahrzeuggeneration ohnehin nicht mehr: "Es ist hart, der Grip ist einfach unfassbar gering. Aber mit den aktuellen Autos ist das ehrlich gesagt fast überall eine ähnliche Geschichte, weshalb es sich hier gar nicht so dramatisch anfühlt. Trotzdem bleibt es eine Herausforderung - nicht nur bezüglich der Fahrzeugbalance, sondern vor allem wegen der Motorkühlung. Das ist in diesem Jahr immer verdammt schwierig."
Im Fahrerlager sorgte im Vorfeld zudem eine Theorie von Mercedes-Pilot George Russell für Gesprächsstoff: Der Brite vermutete am Donnerstag, dass Ferraris kleinerer Turbolader in der Höhenluft einen spürbaren Vorteil bringen könnte - vor allem nach dem Wegfall der MGU-H im aktuellen Reglement, die zuvor das Turboloch eliminierte.
Piastri teilt diese These allerdings nicht uneingeschränkt. Ferrari sei zwar schnell, auf den Geraden habe er jedoch keine bedrohliche Dominanz ausgemacht: "Sie sahen heute sehr schnell aus, aber ich glaube nicht, dass der Turbo einen so großen Unterschied machen wird, wie wir dachten. Wenn überhaupt, wirkten sie auf den Geraden sogar ein bisschen langsam. Warten wir ab, was der Samstag bringt. Unter bestimmten Umständen hilft es ihnen sicherlich, aber unter normalen Bedingungen ist das wohl kein so großer Faktor, wie wir zunächst angenommen haben."