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„Als Löwe tut es weh“: Wie 1860-Fan Thomas Müller unter seinem berühmten Namen leidet

Thomas Müller hat ein Problem mit seinem Namen. Der 35-jährige Lehrer muss sich seit fast 20 Jahren Witze zu seinem berühmten Namensvetter anhören: dem langjährigen Nationalspieler und Star des FC Bayern München. Oder wie es der gebürtige Aichacher selbst nennt: „Das ist meine Pein.“ Die Witze sind auch deswegen besonders schmerzhaft für Müller, weil er großer Fan des TSV 1860 München ist, dem Lokalrivalen des FC Bayern. Das Ganze geht so weit, dass Müller zuletzt sogar überlegte, seinen Namen zu ändern.

„Die Leute glauben immer, sie sind die Ersten, die den Witz machen“, klagt Müller. „Ich habe schon echt schlimme Dinge erlebt.“ Die Liste mit Anekdoten ist lang. Während dem Studium etwa machte sich ein Dozent, ein Bayern-Fan, gerne einen Spaß bei der Anwesenheitskontrolle: „Thomas Müller? Tolles Spiel gestern, schönes Tor.“ Heute unterrichtet Müller Deutsch, Geschichte und Ethik am Maria-Theresia-Gymnasium in Augsburg. Dort fragen ihn die Schüler gerne mal nach einem Autogramm. „Als Löwe tut es weh, einen Roten als Namensvetter zu haben“, sagt er.

Wem der Augsburger Lehrer einen Kasten Bier verspricht

Los ging die Misere 2008, als Thomas Müller, also der Fußballer, sein Profidebüt beim FC Bayern gab. Damals ging der heutige Lehrer Müller noch auf die FOS in Friedberg. Dass ein Spieler mit seinem Namen für den Rekordmeister auflief, interessierte ihn als Löwen-Fan zunächst nicht besonders. „Dann wurde er bekannter und die anderen sind darauf aufmerksam geworden.“ In dieser Zeit erhielt er auf Facebook ungewöhnlich viele Freundschaftsanfragen, auch aus dem Ausland – von Nutzern, die ihn für den Fußballer hielten.

Thomas Müller arbeitet als Lehrer in Augsburg – und leidet unter den Witzen zu seinem Namen. Foto: Jonathan Lyne

Die Hoffnung, dass die Witze mit der Zeit nachlassen, hat Müller längst aufgegeben. Heute fragen ihn Schüler: „Wie läuft‘s in Vancouver?“ Beim ersten Mal brauchte es einen Moment, bis Müller einfiel, dass sein Namensvetter dort seine Karriere ausklingen lässt. Es kam auch schon vor, dass Müller gefragt wurde, ob ihn seine Eltern nach dem zwei Jahre älteren Fußballer benannt hätten. Um sich weitere Witze zu ersparen, sagt er manchmal direkt beim Kennenlernen: „Wer mir einen Witz erzählt, den ich noch nicht kenne, bekommt einen Kasten Bier.“ Das kam erst einmal vor. Als es draußen einmal besonders windig war, meinte ein Kollege: „Müller heute im Sturm aufgestellt.“

Bei 1860 München kommt der Name Thomas Müller nicht gut an

Bis vor wenigen Jahren arbeitete der Lehrer nebenbei im Sicherheitsbereich bei 1860 München. An Spieltagen protokollierte und koordinierte er den Funkverkehr. Sein Name kam bei manchen Kollegen anfangs gar nicht gut an. „Manche wollten nicht mal mit mir reden.“ Die Liebe zu den Löwen wurde ihm von seinem Vater in die Wiege gelegt. Der heißt ebenfalls: Thomas Müller. Die aktuelle Situation seines Herzensklubs, der nach dem Zwangsabstieg in der Regionalliga spielt, sieht Müller junior positiv: „Ich bin vorsichtig optimistisch.“

Thomas Müller hat eine „google-sichere Weste“, wie er sagt. Foto: Jonathan Lyne

Sein berühmter Name habe nicht nur Nachteile, räumt er ein: „Es ist eine Hassliebe.“ Er komme oft mit Leuten ins Gespräch, vieles nehme er mit Humor. Ein weiterer Vorteil: Bei der Internetsuche finden seine Schülerinnen und Schüler kaum etwas über ihn, schließlich taucht bei den Ergebnissen nur sein berühmter Namensvetter auf. Müller sagt: „Ich habe eine google-sichere Weste.“

Als er im Sommer heiratete, überlegte er dennoch länger, ob er den Namen seiner Frau annehmen solle. Am Ende entschied er sich, seinen Nachnamen zu behalten. Trotzdem sagt Müller über seinen Namensvetter: „Ich hoffe, dass er bald seine Karriere beendet.“

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