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Nach über 11.000 Kilometern im Flugzeug genießt Borussia Dortmund mal wieder kurze Wege. Per Bus geht es am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) zum Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt – mit deutlicher Erwartungshaltung. „Wenn wir ein Heimspiel in Dortmund haben, dann ist die Marschrichtung immer klar“, sagt Sportdirektor Ole Book. „Dann wollen wir gewinnen. Den Fans etwas präsentieren. Guten Fußball zeigen.“
Ersteres hat schon häufiger geklappt. Mit der vermeintlichen B-Note aber tat sich der BVB nicht nur in dieser Saison schwer. Nur soll die wiedererkennbare und dominante Spielphilosophie ja möglichst zeitnah die A-Note werden und auf den auch lange erfolgreichen Pragmatismus folgen.
Im Champions-League-Spiel bei Sabah FK (2:1) hatte Trainer Niko Kovac am Dienstag einige Profis aufgestellt, die für diese Transformation prädestiniert sind. Ramy Bensebainis Aufbauspiel ist zuverlässiger als jenes vom großen Abwehr-Talent Joane Gadou. Die Doppel-Acht aus Joey Veerman und Felix Nmecha steht für Kreativität. Carney Chukwuemeka kann in Abwesenheit der verletzten Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias Abwehrreihen sprengen. Fabio Silva lief neben Serhou Guirassy als zweite Spitze auf – viel mehr Fußball geht in der aktuellen personellen Besetzung kaum.
„Wir sind sehr offensiv ausgerichtet gewesen“, sagte Kovac in Baku. Da auch die Außenverteidiger Daniel Svensson und Julian Ryerson hoch anschieben sollten, „haben wir mit sechs Mann attackiert“. Die Kehrseite der Medaille, die fehlende defensive Stabilität, aber musste Kovac auch erwähnen: „Da kann es schon mal passieren, dass man den einen oder anderen Konter zulässt.“
Mit diesen Umschaltmomenten hätte selbst der aserbaidschanische Außenseiter dem deutschen Vizemeister wehtun können. Einem offensiv stärkeren und effektiveren Gegner wäre der BVB mit diesem Ansatz in die Falle gelaufen. Und weil man selbst viele Chancen nicht nutzte, haben wir „bis zum Schluss so bibbern müssen“, so Kovac. Das hatte auch damit zu tun, dass sich die Dortmunder im Aufbauspiel viele und schnelle Ballverluste leisteten, sogar in Strafraumnähe. Seine Mannschaft habe laut Kovac nach der Sabah-Umstellung auf zwei Viererketten zu häufig durch das Zentrum spielen wollen, wo es da „schon eng“ wurde. Dass dem BVB-Spiel zusätzlich ja die individuelle Flügel-Qualität fehlt, um die Angriffe in die Breite zu ziehen, ist ebenso keine neue Erkenntnis.
Kovac muss schon seit geraumer Zeit einen Balance-Akt hinbekommen, wie viel Fußball sich der BVB wirklich leisten kann, wenn die Abkehr von einer Dreier- bzw. Fünferkette auch aus nachvollziehbaren Gründen (kein klassischer Sechser, keine reinen Flügelspieler) nicht zur Debatte steht. Die Eindrücke aus Baku werden die Pragmatismus-Weiterentwicklung daher eher nicht beschleunigen.