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Rennkarriere am Limit: Felix Kauertz und sein dramatischer Weg zurück an die Spitze
Felix Kauertz mit seiner Rennmaschine in der Werkstatt in Twisteden. Seinen Beruf als Mechatroniker hat der Kevelaerer mittlerweile aufgegeben.
Felix Kauertz mit seiner Rennmaschine in der Werkstatt in Twisteden. Seinen Beruf als Mechatroniker hat der Kevelaerer mittlerweile aufgegeben.

Kevelaer · Sturz, Teampleite, aberkannter Sieg: Der Kevelaerer Felix Kauertz hat mit 24 Jahren schon Dramen für ein ganzes Rennfahrerleben erlebt. Dann klingelt plötzlich das Telefon, und eine Million Menschen sehen ihm zu. Was er für 2027 auf der Weltbühne plant.

Als Felix Kauertz 2022 seine erste komplette Saison im Motorrad-Rennsport bestritt, war er noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Gleich im ersten Jahr wurde der Kevelaerer Meister in der German Twin Trophy. 2023 folgte als Rookie der Vizetitel im IDM Twin Cup. 2024 gelang ihm im Yamaha R7-Cup der nächste große Schritt: vier Rennsiege, Rang zwei in der Gesamtwertung und die Qualifikation für das europäische Finale. Das ist gerade einmal zwei Jahre her. Seitdem ist in der Karriere des inzwischen 24-jährigen Kevelaerers einiges passiert.

Vom schweren Sturz zum Deutschen Meistertitel 2025

Der Winter 2024/25 begann mit einem heftigen Rückschlag. Beim Training im spanischen Almeria stürzte Kauertz schwer, das Motorrad landete auf ihm. Die Folgen waren gravierend: eine Schultereckgelenksprengung, ein gebrochenes Schlüsselbein und Schienbein sowie zwei Brüche im Fuß. Nach einer Operation saß er bereits nach dreieinhalb Monaten wieder auf dem Motorrad.

2025 sollte eigentlich der Einstieg in die IDM Sportbike-Klasse folgen. Der Start war verheißungsvoll, doch dann kam das Aus – seinem Rennteam ging das Geld aus. Kauertz wechselte kurzfristig in den Kawasaki ZX-4RR-Cup, einen Talentcup im Rahmen der IDM und zugleich ein Sprungbrett für höhere Klassen. Er nutzte seine Chance und wurde Deutscher Meister.

Kawasaki ZX-6R-Cup 2026: Spitzenposition und Regelverstoß am Sachsenring

2026 ging es im Kawasaki ZX-6R-Cup weiter. Das erste Rennen auf dem Sachsenring gewann Kauertz, in der Folgezeit behauptete er seine Spitzenposition in der Gesamtwertung. Erst zum Ende der Rennserie wurde bekannt, dass er beim Sachsenring-Rennen wegen einer Kamera im Helm gegen das Reglement verstoßen hatte. Die Aufnahmen wollte er für seine Eigenvermarktung nutzen. Der Sieg wurde ihm nachträglich aberkannt, wodurch er in der Gesamtwertung vom Spitzenreiter auf Rang vier zurückfiel.

Eine Woche vor dem Saisonfinale der Stock European Championship im Oktober in Misano erhielt Kauertz den überraschenden Anruf von Rabenol Motorsport: Das deutsche Team bot ihm eine Wildcard auf einer Yamaha an. Er zögerte zunächst: Weder das Motorrad noch die Strecke waren ihm bekannt, entsprechend unsicher war er, ob er konkurrenzfähig sein würde.

Kauertz wagte es trotzdem. Von Startplatz 21 unter 29 Teilnehmern arbeitete er sich bis auf Rang 13 nach vorn. „Dass ich nur 1,7 Sekunden hinter dem absoluten Rundenrekord geblieben bin, hat mir endgültig gezeigt, dass ich konkurrenzfähig bin“, sagt Kauertz. Das Rennen wurde im Livestream von rund einer Million Zuschauern verfolgt.

Vom Mechatroniker zum Profi-Rennfahrer: Finanzierung und Ziele für 2027

Seinen Beruf als Kfz-Mechatroniker hat Kauertz aufgegeben, um sich ganz auf den Rennsport zu konzentrieren. Die Kosten sind hoch, einen erheblichen Teil des Budgets muss er selbst aufbringen. Seine Erfolge helfen bei der Sponsorensuche, ebenso seine starke Präsenz in den sozialen Medien: Rund 16.000 Menschen folgen ihm auf Instagram, seine Beiträge erreichen nach eigenen Angaben monatlich bis zu einer Million Aufrufe.

Zudem arbeitet Kauertz als Testfahrer für Teams, Hersteller und Privatleute sowie als Fahrercoach für ambitionierte Hobbyfahrer und Neueinsteiger.

Sein Ziel für 2027 ist klar: Er möchte weiter auf der Weltbühne im Junior GP fahren und dort den nächsten Schritt in seiner Rennsportkarriere machen. Entsprechende Gespräche mit Kawasaki laufen, eine Entscheidung wird zum Jahreswechsel erwartet. Langfristig möchte er den Sprung in die Weltmeisterschaftsklassen des Motorradsports schaffen.