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Der BVB schlägt gegen den FC Bayern spät zu – nicht zum ersten Mal in der Saison. Neben dem neuen Trumpf ist Dortmund weniger anfällig für späte Tore.
Dortmund – Wieder die Schlussphase. Wieder ein Tor. Wieder jubelt Borussia Dortmund: Fabio Silva rettete dem BVB beim FC Bayern kurz vor Schluss das 2:2. Der Treffer passt zu einer auffälligen Entwicklung. Dortmund nutzt die letzten Minuten als Waffe – und bekommt eine Schwäche, die in der Vorsaison mehrfach Punkte kostete, besser in den Griff.
Sieben seiner ersten 14 Bundesliga-Tore erzielte der BVB in dieser Saison ab der 80. Minute. Jeder zweite Treffer fällt damit, wenn die Uhr bereits gegen die Mannschaften arbeitet. Doch die späte Torgefahr beschränkt sich nicht auf die Liga. Sie hat dem BVB auch international und im Pokal wichtige Erfolge beschert.
Beim Champions-League-Auftakt gegen Villarreal stand es nach 79 Minuten noch 1:1. Dann schlug Serhou Guirassy doppelt zu: erst zum 2:1, anschließend per Elfmeter zum 3:1. Seine Treffer in der 80. und 85. Minute entschieden eine Partie, die nach seinem späten Eigentor noch 3:2 endete.
Im DFB-Pokal folgte das nächste Drama. Gegen Bremen hatte Dortmund eine 2:0-Führung verspielt, die Verlängerung drohte. Doch Marcel Sabitzer verwandelte in der dritten Minute der Nachspielzeit einen Freistoß zum 3:2-. Ein Schuss, ein Sieg, das Achtelfinale.
Allein diese beiden Spiele liefern drei weitere BVB-Tore ab der 80. Minute. Zusammen mit den sieben Bundesliga-Treffern sind es bereits zehn späte Tore. Sie bringen nicht nur schönere Ergebnisse, sondern entscheiden über Punkte und Pokalrunden.
Ein wichtiger Faktor sitzt zunächst auf der Bank. Gegen Frankfurt erzielte der eingewechselte Maximilian Beier auf Vorlage des ebenfalls eingewechselten Jobe Bellingham das Siegtor (80.). In München schlug mit Silva erneut ein Joker zu. Niko Kovacs Wechsel bringen nicht nur frische Beine. Sie verändern Ergebnisse.
Die andere Seite der Schlussphase kennt Dortmund ebenfalls. Und sie war teuer. In der vergangenen Bundesliga-Saison kassierte der BVB elf Gegentore ab der 80. Minute. Besonders bitter: Gegen St. Pauli wurde aus einem 3:1 noch ein 3:3. Beim HSV und gegen Stuttgart verspielte Dortmund ebenfalls spät einen Sieg. Gegen Bayern, Hoffenheim und Mönchengladbach ging jeweils noch ein Unentschieden verloren.
In diesen sechs Partien standen am Ende zusammen neun Punkte weniger auf dem Dortmunder Konto als unmittelbar vor den späten Gegentreffern. Das ist keine Gesamtbilanz aller Schlussphasen – eigene späte Punktgewinne sind nicht gegengerechnet. Die Zahl zeigt aber, wie schmerzhaft einzelne Rückschläge waren.
Aktuell stehen zwei Gegentore ab der 80. Minute aus acht Bundesliga-Spielen zu Buche. Beide fielen beim 2:2 gegen Bremen, als Dortmund eine 2:0-Führung verspielte. Pro Partie sank die Zahl später Gegentore damit gegenüber der Vorsaison von rund 0,32 auf 0,25. Eine erste Verbesserung, allerdings noch kein Beweis dauerhafter Stabilität.
Die offensive Schlussphasenstärke ist nicht völlig neu: Schon 2025/26 erzielte Dortmund 19 Bundesliga-Tore ab der 80. Minute. Der Unterschied liegt bislang in der Balance: Sieben eigenen Treffern ab der 80. Minute stehen aktuell nur zwei Gegentore gegenüber.
Dortmund bleibt bis zum Schluss gefährlich und kassiert seltener selbst den späten Schlag. Gelingt es den Schwarzgelben, die Bilanz über die Saison zu halten, bleibt es spannend im Meisterkampf. Silva lieferte in München das passende Bild dazu: Dieses Mal musste der Gegner zusehen, wie ihm kurz vor Schluss der Sieg entglitt.