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Nach dem Sturz Ende 2024 die Rolle rückwärts, jetzt die doppelte Rolle vorwärts: Überraschend verschiebt Mikaela Shiffrin den Fokus auf diese Saison weg vom Slalom.
Was steckt dahinter? So lässt die 110-fache Weltcupsiegerin die ersten beiden Slaloms in Levi und Gurgel aus. Shiffrin sagt: «Ich versuche etwas Neues, um mich als Rennfahrerin weiterzuentwickeln. Die Freude lag für mich nie nur an Medaillen oder Rekorden.
»Wandelt sich Mikaela Shiffrin jenseits der 30 doch noch zur Speedfahrerin? Das zu bejahen, wäre vermessen. Aber erste Pflöcke in diese Richtung sind nach einer vorübergehenden Abkehr von solchen Absichten eingeschlagen. Sie plane, ihre Schwerpunkte verstärkt auf den Riesenslalom und den Super-G zu legen.
Dafür reduziere sie das Slalom-Pensum und werde die ersten Slaloms des Winters in Levi und Gurgl auslassen, erklärte die Rekord-Weltcupsiegerin Anfang Oktober zur Überraschung vieler. Zuletzt war Shiffrins Tendenz in die andere Richtung gegangen, zurück zum Fokus auf den Slalom, ihre Paradedisziplin. Und der Erfolg gab ihr recht: In neun von zehn Slaloms war die amerikanische Rekordfrau, die 73 ihrer 110 Weltcupsiege im Stangenwald errang, in der Saison 2025/26 eine Klasse für sich. Zum sechsten Mal gewann sie den Gesamtweltcup.
Der durchschlagende Erfolg im letzten Winter – zu den neun Siegen im Weltcup kam die dritte Olympia-Goldmedaille nach achtjähriger Durststrecke – war das Ergebnis der Rückbesinnung auf ihr angestammtes Kerngeschäft. Zehn der elf Podestplätze des Winters sammelte Shiffrin im Slalom, einen im Riesenslalom. Nun also die Vorwärtsstrategie gegen den Trend. Sie wolle nach 16 Jahren im Weltcup mehr Freiraum für Erholung schaffen und nach ihren eigenen Bedürfnissen fahren, erklärte Shiffrin: «Ich versuche etwas Neues, um mich als Rennfahrerin weiterzuentwickeln.
Die Freude lag für mich nie nur an Medaillen oder Rekorden. » Angesichts der Dominanz im Slalom lässt sich sagen: Shiffrin verzichtet vorsätzlich und aus freien Stücken auf zwei wahrscheinliche Siege und damit 200 fest eingeplante Punkte im Disziplinen- und Gesamtweltcup.
«Eine 'exploration season'» sei es, eine Erkundungssaison, so drückt es Shiffrin selber aus. So überraschend Shiffrins Schritt aus der eigenen Komfortzone heraus kommt, so sinnvoll kann er sein. Dass das fortschreitende Alter im Slalom früher zur Bürde wird als bei grösseren Torabständen, ist bekannt. Und dass Shiffrin auch in den schnellen Disziplinen zu den Besten gehören kann, hat sie schon bewiesen.
Fünf Weltcupsiege, die kleine Kristallkugel für den Disziplinensieg 2019 und einen kompletten WM-Medaillensatz weist sie im Super-G vor, vier Weltcupsiege in der Abfahrt. Die Erfolge liegen aber schon eine Weile zurück. Stürze, Verletzungen und in der Folge fehlende Risikobereitschaft verlangsamten die Transformation in den letzten Jahren oder stoppten sie vorübergehend ganz.
Der letzte Sieg und der letzte Podestplatz im Super-G liegt knapp vier Jahre zurück , der letzte Triumph in der Abfahrt datiert vom Dezember 2023 . Wenige Wochen nach dem letzten Abfahrtssieg stürzte Shiffrin in Cortina d'Ampezzo. Seither trat sie in der schnellsten Disziplin nicht mehr an. Im Super-G schaffte sie es im letzten Winter nicht in die Top 20, die letzte Top-10-Klassierung ist knapp drei Jahre her.
Hinter dem vermeintlich gewagten Experiment steht bei der Perfektionistin jedoch kein sprunghafter Sinneswandel, sondern der Drang nach neuen Reizen. Nach 16 Jahren im Weltcup geht es der 31-jährigen Rekordfahrerin nicht mehr primär um das Ansammeln weiterer Pokale. Für die neuen Reize ist Shiffrin bereit, den Gesamtweltcup zu opfern: «Ich akzeptiere, dass ich den Gesamtweltcup möglicherweise nicht mehr gewinnen werde. » Ob die Transformation zurück zu einer schlagkräftigen Allrounderin gelingt, ist vor allem eine Frage der mentalen Überwindung.
Skitechnisch könne Shiffrin ohne Anlaufzeit wieder im Super-G siegen, betont ihr langjähriger Materialchef Christian Höflehner. Das grosse Fragezeichen steht hinter der Risikobereitschaft. Nach den schweren Stürzen der jüngeren Vergangenheit muss die Dominatorin in den schnellen Disziplinen erst wieder das Vertrauen finden, am Limit zu fahren. Eine Hintertür hält sich Shiffrin dabei offen: Wenn das Experiment glückt und die Ergebnisse stimmen, kann die grosse Kristallkugel im Saisonverlauf doch wieder zum Thema werden.
Wenn es scheitert, bleibt der Slalom als Refugium. Sie kennt bereits das Gefühl von Olympia. Doch Cortina 2026 war für Sue Piller nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum ganz grossen Traum.
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