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Alexander Zverev fehlt ein Sieg zur Nummer eins: Er hat nie aufgehört, an sich zu arbeiten

Der Deutsche kann mit einem Achtelfinalsieg bei den Erste Bank Open in Wien am Donnerstag zur Nummer eins der Welt aufsteigen. Günter Bresnik erinnert sich im „Presse“-Gespräch an Anfänge und Aufstieg des 29-Jährigen.

Alexander Zverev könnte sich in Wien zur neuen Nummer eins krönen. 

Es war im Juli 2014, als sich der 17-jährige Alexander Zverev der Weltöffentlichkeit vorstellte. Beim ATP-Turnier in Hamburg stürmte der Teenager nach seinen ersten vier Siegen auf der Profitour sensationell ins Halbfinale. Turnierdirektor Michael Stich, der Zverev mit einer Wildcard sein Vertrauen ausgesprochen hatte, rieb sich genauso verwundert die Augen wie die Tausenden deutschen Tennisfans auf der ehrwürdigen Anlage am Hamburger Rothenbaum.

Im Halbfinale knöpfte sich David Ferrer, der Spanier war seit Jahren ein arrivierter Top-10-Spieler, den Jüngling aus Deutschland vor. Er spielte seine Routine aus und überließ dem Weltranglisten-285. Zverev nur ein Game. Ferrer hatte dennoch genug gesehen, um eines beurteilen zu können: „Alexander hat eine große Zukunft vor sich. Er wird es in die Top 10 schaffen.“ Ferrers Prophezeiung trat keine drei Jahre später im Mai 2017 ein, nachdem Zverev, 20, in Rom gegen Novak Djokovic seinen ersten ATP-1000-Turniersieg gefeiert hatte.

Erst der Schritt hin zum aggressiveren Spielstil brachte Zverev auch auf Grand-Slam-Ebene den erhofften Erfolg. 

Günter Bresnik hat als Trainer von Dominic Thiem auch Zverevs Entwicklung aus nächster Nähe verfolgt. Über dessen Geburtsstunde in Hamburg sagt Bresnik: „Da ist er zum ersten Mal so richtig aufgefallen. Davor hat es geheißen, dass es da einen Jugendlichen gibt, der eine Götterrückhand hat. Ein dünnes, schlaksiges Manderl.“

Die Götterhand ist nicht verschwunden, die schlaksige Statur schon. Zverev war Zeit seiner Karriere gewillt, hart zu arbeiten. Auf dem Tennisplatz genauso wie in der Kraftkammer. Mit 1,98 Meter zählt er zu den größten Spielern auf der Tour, umso erstaunlicher war und ist seine Beinarbeit.

Zverev bewegt sich besser als viele Spieler, die 20 Zentimeter kleiner sind. Seine Größe verlangt regelrecht nach einem starken Aufschlag, der bis heute zu den größten Stärken Zverevs zählt. „Der serviert wie ein Büffel, hakt den Ball problemlos mit 220 km/h durch die Gegend und macht das alles drei Stunden lang.“

»Ich denke nicht wirklich darüber nach. Ich weiß, dass es passieren wird.«

Alexander Zverev über die Nummer eins

Zverev sammelte bald Titel wie andere Erstrundenniederlagen. Mittlerweile sind es 26. Er verfügte über die spielerischen Waffen, jeden Gegner zu bezwingen. Und doch gab es lange Zeit ein großes Problem: Zverev verstand es nicht, sein bestes Tennis auf der größten Bühne zu spielen. Bei Grand Slams scheiterte er konsequent, an Gegner und an sich selbst.

Eine seiner schmerzhaftesten Niederlagen ereignete sich in New York 2020. Im Finale der US Open führte Zverev mit 2:0-Sätzen und Break gegen Dominic Thiem. Am Ende stand eine Fünfsatzniederlage und die bittere Erkenntnis, kein Grand-Slam-Sieger zu sein. Bresnik: „Er hätte dieses Match gewinnen können, sollen oder müssen.“

»Da gibt es einen Jugendlichen, einen Schlaks, der hat eine Götterrückhand.«

Bresnik und seine erste Erinnerung an Zverev

Allein die Dramaturgie dieses Matches hätte genügend Gründe geliefert, an der Niederlage zu zerbrechen, zumal Zverev in Paris (2024) und Melbourne (2025) auch seine Grand-Slam-Endspiele Nummer zwei und drei verlor. Zverev zerbrach daran genauso wenig wie an den Folgen der schweren Bänderverletzung im rechten Sprunggelenk, zugezogen im French-Open-Halbfinale 2022 gegen Rafael Nadal.

Der gebürtige Hamburger arbeitete verbissen an seinem Comeback, nach sieben Monaten Zwangspause kehrte er auf die Tour zurück. „Die Fähigkeit, nach schweren Niederlagen oder Rückschlägen wieder aufzustehen, ist eine der wesentlichsten Eigenschaften, um erfolgreich zu sein. Zverev hat sie“, attestiert Bresnik.

Als nicht wenige Beobachter schon zu wissen glaubten, der Olympiasieger von Tokio 2021 würde bei Grand Slams ewig unvollendet bleiben, schloss sich der Kreis. Zverev gewann 2026 bei den French Open sein erstes Major, drei Monate später folgte der Triumph in New York. Der Hauptgrund: Zverev hat nie aufgehört, sich zu verbessern.

In Bresniks Augen ist er „ein viel aggressiverer Spieler“ als früher. In der Stadthalle könnte sich am Donnerstag der nächste Traum erfüllen. Ein Sieg über Tallon Griekspor im Achtelfinale würde Zverev in der am Montag erscheinenden Weltrangliste Platz eins bringen.

Selbst im Fall einer Niederlage ist Nervosität unangebracht. Weil Jannik Sinner seine Saison verletzungsbedingt vorzeitig beendet hat, wird Zverev früher oder später im Jahr den Thron erklimmen. „Ich weiß, dass es passieren wird, deshalb denke ich nicht wirklich darüber nach“, sagt der 29-Jährige.

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