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Daniel Ricciardo hat sein letztes Formel-1-Rennen vor ziemlich genau zwei Jahren bestritten, den Helm aber noch nicht komplett an den Nagel gehängt. An einer Vollzeit-Rückkehr hat der Australier nach seinem Rauswurf bei den Racing Bulls während der Saison 2024 zwar kein Interesse mehr, aber ein spezielles Rennen würde ihn reizen.
Ricciardo liebäugelt mit einem Start bei den 24 Stunden von Le Mans, dem berühmtesten Autorennen der Welt. "Die Vorstellung, eine komplette Meisterschaft zu bestreiten, klingt für mich nach wie vor nicht besonders reizvoll", verriet der 37-Jährige jüngst im Podcast 'Beyond The Grid'. "Wahrscheinlich wäre es eher ein einmaliger Einsatz, zum Beispiel bei den 24 Stunden von Le Mans."
Das unerwartete Aus in der Formel 1 nach 257 Rennen und acht Siegen nagt wohl noch etwas an Ricciardo, der nicht die Gelegenheit hatte, sich gebührend von seinen zweifellos zahlreichen Fans zu verabschieden. Vergangene Rennstreckenbesuche in seiner neuen Rolle als Ford-Markenbotschafter und ein Abstecher zum Indy 500 könnten zu einem Umdenken geführt haben.
Ricciardo: "Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt: 'Ich werde nie wieder einen Helm aufsetzen. Ich bin fertig, das war's'. Aber da ist etwas in mir, das sagt: Es wäre schön, meine Rennfahrerkarriere ein bisschen mehr nach meinen eigenen Vorstellungen zu beenden. Etwas zu machen, bei dem ich den Helm abnehme und dabei lächle und glücklich bin. Vielleicht ist das der letzte Schritt, den ich brauche, um wirklich mit meiner Karriere abschließen zu können."
Ricciardo hat die 24 Stunden von Le Mans, bei denen sich stets drei Fahrer ein Auto teilen, offenbar als eine Art Wohlfühloase im Motorsport ausgemacht. Hier steht Zusammenarbeit an erster Stelle, statt wie sonst üblich den eigenen Teamkollegen als ersten Gegner zu betrachten.
"Ich glaube, sich ein Auto mit anderen Fahrern zu teilen und tatsächlich echte Teamkollegen zu haben, mit denen man Daten austauscht und sich gegenseitig unterstützt, wäre eine tolle Sache", meinte er. "Vor allem jetzt, an diesem Punkt meiner Karriere, an dem dieses extreme innere Feuer und die damit verbundene Rücksichtslosigkeit bis zu einem gewissen Grad nachgelassen haben. Ich glaube, ich würde es einfach genießen."
Dabei stellte sich Ricciardo die Sinnfrage, ob er in Le Mans nur aus Spaß an der Freude antreten würde, oder, um wirklich konkurrenzfähig sein zu wollen. Kein Geheimnis: Die WEC mit ihren aktuell acht Hypercar-Herstellern - 2027 gesellen sich sein Arbeitgeber Ford und McLaren dazu - ist hart umkämpft wie wohl nie zuvor. Selbst Piloten mit großer Formel-1-Erfahrung bräuchten eine entsprechende Vorbereitung mindestens mit Testfahrten und Simulator-Einheiten, um auf diesem Niveau mithalten zu können.
Will sich Ricciardo diesen Aufwand noch antun? Er kam ins Grübeln: "So gerne ich auch sagen würde: 'Ach, sei einfach glücklich und genieße die Erfahrung' - wir alle wissen, dass es anders aussieht, sobald man den Helm aufsetzt. Ich kann nicht leugnen, dass ich dort antreten und es richtig machen wollen würde. Und vielleicht ist genau das etwas, worüber ich mir noch klar werden muss: Bin ich wirklich mit ganzem Herzen dabei?"
Eine Frage, die der 'Honey Badger' nur mit sich selbst ausmachen kann. Konkreter konnte er hingegen auf mögliche Mitstreiter beim 24-Stunden-Rennen eingehen: Seine früheren F1-Teamkollegen und viermaligen Weltmeister Max Verstappen und Sebastian Vettel kamen ihm in den Sinn. "Ich will ihm keinen Druck machen, aber Max stünde weit oben auf meiner Liste", sagte Ricciardo über den Niederländer, und ergänzte mit Blick auf Vettel: "Ich liebe Seb, das könnte also eine schöne, kleine Red-Bull-Wiedervereinigung werden."
Vettel testete 2024 sogar den Porsche 963 und heizte damit Spekulationen über eine Rückkehr in den Motorsport an, zu einem Renneinsatz kam es allerdings nie. Verstappen kokettiert seit längerer Zeit mit einem Start in Le Mans, will dieses Projekt aber genauso akribisch umsetzen wie seine GT3-Einsätze beim 24h-Rennen Nürburgring oder vor Kurzem bei der GT World Challenge in Portimao.
Verstappen wurde am Rande des Mexiko Grand Prix auf Ricciardos Le-Mans-Fantasien angesprochen und entgegnete: "Er ist ein kluger Mann, wenn er mich als Fahrer auswählt! Wir müssen sehen. Für mich hängt das einfach von vielen Faktoren ab. Wenn ich es machen möchte, dann will ich es richtig angehen und mich wirklich gut vorbereiten. Im Moment ist das nicht möglich. Ich habe nicht die nötige Freizeit, um mich einem Le-Mans-Projekt zu widmen, bei all den anderen Dingen, die ich außerhalb der Formel 1 mache."
Wer verfolgt hat, wie intensiv sich Verstappen auf das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring vorbereitet hat, kann erahnen, wie viel Aufwand er in Le Mans investieren würde - die hochkomplexen Hypercar-Prototypen sind in jeglicher Hinsicht eine ganz andere Hausnummer als GT3-Fahrzeuge.
Deshalb wusste Verstappen: "Wenn wir so etwas machen - und da würde er (Ricciardo) mir zustimmen - dann muss es richtig aufgezogen sein und wir müssen eine Chance auf den Sieg haben. Und um gegen Leute gewinnen zu können, die das eine ganze Saison lang machen, muss man wirklich hervorragend vorbereitet sein. Wir müssen einfach den richtigen Zeitpunkt dafür finden."
Mit dem nächstjährigen WEC-Debütanten Ford stünde zwar ein gemeinsamer Partner sowohl für Verstappen als auch Ricciardo parat, aber die Cockpits beim 'Blue Oval' sind längst vergeben. 2027 treten der frühere DTM-Champion Mike Rockenfeller, Ex-F1-Fahrer Logan Sargeant, Seb Priaulx, Matt Campbell, Nick Yelloy und Tom Blomqvist für Ford in der Langstrecken-WM an.