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ABER irgendwie schien es, als verschenkte Bayern den Vorsprung unnötig.
Jonathan Tah (l.) und Manuel Neuer reagieren enttäuscht auf das 2:2 des FC Bayern gegen Arsenal
Jonathan Tah (l.) und Manuel Neuer reagieren enttäuscht auf das 2:2 des FC Bayern gegen Arsenal
Bayerns Alphonso Davies (l.) trifft zum 1:1 gegen Arsenal-Keeper David Raya
Bayerns Alphonso Davies (l.) trifft zum 1:1 gegen Arsenal-Keeper David Raya

Den Londonern gehörte die Anfangsphase und das Schlussviertel. „In den ersten 20, 25 Minuten waren wir das bessere Team“, sagte Coach Mikel Arteta. Die neuformierte Bayern-Elf (dazu gleich mehr) hatte schleppend zueinandergefunden, es dauerte etwas, ehe sich Spielanlage und -auslösung auf gehobenem Niveau präsentierten.

Hintenraus verfestigte sich der Eindruck, als ob Bayern den 2:1-Vorsprung einigermaßen unnötig hergab. Plötzlich waren Intensität, Klarheit und Konsequenz (wieder) weg, Arsenal bestrafte es gnadenlos. Kane diplomatisch: „Am Ende ist das Unentschieden ein faires Resultat.“

Arsenals Bukayo Saka (l.) gegen Bayerns Aleksandar Pavlovic
Arsenals Bukayo Saka (l.) gegen Bayerns Aleksandar Pavlovic

2. Die Gewichtung der Bayern-Ausfälle

  • JA, Olise, Kimmich, Diaz und Musiala fehlten sichtbar.

Gleich vier Topspieler hatte Kompany ersetzen müssen. Michael Olise fehlte gesperrt und Joshua Kimmich wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis. Luis Diaz saß wegen muskulärer Probleme bis zur 68. Minute draußen (und verletzte sich kurz vor Ultimo). Indes war Jamal Musiala noch nicht ausreichend von seinem Muskelfaserriss genesen.

Speziell in der ersten halben Stunde machte sich die Abwesenheit des Quartetts bemerkbar; auch in den letzten Minuten mangelte es an Entlastung und strukturierten Aktionen.

  • ABER jede Mannschaft würde leiden, wenn vier Stars ausfallen.

Es ist ja logisch: Ohne Olise, den derzeit vielleicht besten Fußballer der Welt, ändern sich offensive Abläufe dramatisch. Ohne Kimmich, einen der führenden Taktgeber im Mittelfeld, verschiebt sich die Statik. Ohne Diaz, Dreifach-Torschütze vom vergangenen Samstag, leidet das dynamische Flügelspiel – und ohne Musiala, den Einfädler in der Mitte, die Kreativzentrale.

Das würde jeden Klub tangieren, die Vorstellung fällt nicht schwer: Real Madrid ohne Kylian Mbappé und Jude Bellingham. Barcelona ohne Lamine Yamal und Pedri. Paris Saint-Germain ohne Ousmane Dembélé und Vitinha. Um jeweils nur zwei zu nennen.

Harry Kane (l.) bejubelt seinen verwandelten Elfmeter zum 2:1 gegen Arsenal
Harry Kane (l.) bejubelt seinen verwandelten Elfmeter zum 2:1 gegen Arsenal

3. Die Personalie Kane

  • JA, Kane ist überragend.

Noch ein bisschen mehr als sonst schwang sich Kane zum Protagonisten auf. Der Engländer schoss im zehnten Champions-League-Spiel am Stück ein Tor (bloß Cristiano Ronaldo schaffte elf), er holte sich Bälle an diversen Ecken des Platzes, er initiierte, dirigierte – und servierte Davies einen sensationell präzisen Pass zum 1:1. „Einfach Wahnsinn“, staunte Tom Bischof.

Zuvor hatte Kane eine Chance von Serge Gnabry bereits per Abstoß (!) von Manuel Neuers Tor ermöglicht. „Harry ist Harry. Alle wissen, wie gut er ist“, lobte Dayot Upamecano.

  • ABER Kane verwirrt Klopp.

Bundestrainer Jürgen Klopp war zugegen, zur Halbzeitpause sprach er bei Dazn. Und was er sagte, war hochspannend – weil Klopp einräumte, Kompanys taktische Anordnungen nicht ganz zu durchschauen: „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann. Ich lerne immer noch.“

Die Personalie Kane stiftete ebenfalls Verwirrung. „Er ist überall“, sagte Klopp. „Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball… Wenn ich Harry Kane in der letzten Linie sehe, und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeldpressing… Ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen, aber abschließend dahinter gestiegen bin ich nicht.“

4. Die Bayern-Abwehr

  • JA, Bayern kassierte schon wieder zwei Gegentore.

2:2 in Augsburg, 3:3 in Stavanger, jetzt 2:2 gegen Arsenal: In diesen Tagen zeigt sich die bayerische Defensive anfällig, jedenfalls nicht im Zu-Null-Modus.

  • ABER es war der englische Meister.

Traditionell büßen britische Teams von ihrer Souveränität ein, wenn sie die Insel verlassen. Trotzdem hatte Bayern den amtierenden Premier-League-Titelträger zu Besuch – der obendrein in Bestbesetzung antrat, geschwächt freilich durch den frühen Verlust von Bukayo Saka (10.). Kompany referierte von einem „intensiven Spiel gegen eine Topmannschaft“ und hatte recht.

Die Arsenal-Spieler jubeln gegen Bayern
Die Arsenal-Spieler jubeln gegen Bayern

5. Der Vergleich zum Vorjahr

  • JA, Bayern gelang ein Fortschritt.

Im November 2025 hatten die Münchner auswärts bei Arsenal mit 1:3 verloren – seinerzeit waren sie an gewisse Grenzen gestoßen. Die Londoner erreichten danach das Champions-League-Finale (Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paris), während Bayern in der Vorschlussrunde scheiterte – denkbar knapp, just an PSG.

Insofern war das 2:2, das ein 2:1 hätte werden können, durchaus ein Fortschritt. Die Münchner „Abendzeitung“ schrieb gar von einem „Achtungserfolg“. Hört, hört.

  • ABER hätte Bayern nicht in einem Heimspiel, nach eigener Führung…

…das Ding über die Bühne schaukeln müssen? Ja, auch diese Frage war am Mittwoch eine legitime. Zumal Arsenal „müde“ gewirkt habe, wie Kane meinte. Insofern schwang Frust mit bei den Bayern. „Am Ende ist es schon enttäuschend, wenn man nicht die drei Punkte holt“, gestand Bischof.

Die Bayern-Spieler reagieren gefrustet auf das späte 2:2 durch Declan Rice
Die Bayern-Spieler reagieren gefrustet auf das späte 2:2 durch Declan Rice

6. Die Interpretation der Tabelle

  • JA, es ist weiterhin alles drin.

Nach drei von acht Spieltagen der Ligaphase rangiert der FC Bayern in ungewohnten Gefilden: auf Platz 14 von 36 Mannschaften. Die Top 8 qualifizieren sich direkt fürs Achtelfinale, die Teams auf den Positionen 9 bis 24 müssen in eine zusätzliche Playoff-Runde – nicht gerade das, was geplagte Beine und Nerven im Frühjahr brauchen.

Noch ist für Bayern nichts passiert und alles drin; der deutsche Rekordmeister steht bei fünf Punkten, ein Quintett an der Spitze bei neun.

  • ABER es warten schwere Auswärtsaufgaben.

Zugleich ist die Champions-League-Tabelle trügerisch, besonders mit Blick auf den Spielplan. Als Nächstes muss Bayern zu Atlético Madrid, weitere Auswärtsaufgaben warten in Lille und bei Manchester United – anspruchsvoll. In die heimische Arena kommen noch Slavia Prag und Betis Sevilla. Prognose: Die Münchner laufen den verlorenen zwei Punkten von Stavanger hinterher, mit den Top 8 wird's eng.

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