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Carina Edlinger gewann trotz Bandscheibenproblemen den Massenstart beim Loop-One-Festival in München. Die 28-Jährige hat einen großen Traum: Als blinde Athletin ohne Begleitung bei Olympia starten.
Schliersee – Eigentlich liegt ihr das Schießen nicht so sehr, sagt Carina Edlinger. Beim Loop-One-Festival im Münchner Olympiastadion konnte sie aber nach einem fehlerfreien Schießen die Konkurrenz überholen. Die gebürtige Österreicherin, die seit November 2025 am Schliersee lebt, wurde dank ihrer guten Schießleistung und ihrer Geschwindigkeit Siegerin im Massenstart der sehbehinderten Frauen.
„Es war eine coole Veranstaltung“, berichtet Edlinger, die zum ersten Mal beim Biathlon-Festival an den Start gegangen war. Das Ergebnis bei dem Wettbewerb, bei dem es ohnehin nicht um Punkte ging, ist für die 28-Jährige aber zweitrangig. Schon vor den Paralympischen Spielen im März plagte die Athletin, die nach einem Wechsel für Tschechien an den Start geht, ein Bandscheibenvorfall (wir berichteten). Auch Monate später machen sich die Beschwerden noch bemerkbar. Wegen der Schmerzen konnte Edlinger nur wenig trainieren. „Ich war vor dem Loop One nie beim Schießen.“ Dafür sei sie mit ihrer Leistung sehr zufrieden. „Ganz falsch ist es nicht, was ich mache“, sagt sie und lacht.
Denn eigentlich ist Langlaufen ihre Spezialdisziplin: Für Österreich holte sie 2022 olympisches Gold sowie zahlreiche WM-Titel. Nach ihrem Nationenwechsel zu Tschechien ist die Athletin zwei Jahre für Langlauf-Wettbewerbe gesperrt. „Ich freue mich wirklich, wenn ich wieder langlaufen darf.“ In einem Jahr will sie sowohl im Biathlon- als auch im Langlauf-Weltcup antreten. „Aber beides ein bisschen eingeschränkter.“
In der anstehenden Wintersaison geht Edlingerova, wie sie nach ihrer Einbürgerung in Tschechien heißt, aber noch als reine Biathletin an den Start. Ein festes Ziel hat die Schlierseerin auch schon vor Augen: Bei der Weltmeisterschaft im Februar in Slowenien will sie den Sieg holen. „Der Titel Biathlon-Weltmeisterin fehlt noch auf meiner Liste.“ 2026 hatte sie den Titel um wenige Sekunden verpasst.
Bei ihrem neuen Verband fühlt sich die Sportlerin mittlerweile wohl. „Es ist ein langer Prozess, sich in ein neues Sportsystem einzufinden. Und Tschechisch lernen ist unfassbar schwierig.“ Mit einer Anstellung beim tschechischen Arbeitsministerium erhält die Leistungssportlerin auch finanziell Unterstützung.
Im Sommer hat Edlinger, sofern es möglich war, den Grundstein für die anstehende Saison gelegt. „Am Wochenende hat man gesehen, dass mein Weg nicht so verkehrt ist“, sagt Edlinger zufrieden. Auch in ihrer neuen Heimat Schliersee hat sie mehr Zeit verbracht. „Das ist wirklich ein Fleckerl Luxus auf Erden.“ Der Sport ist für die 28-Jährige auch ein Ausgleich zu ihrem Medizinstudium, das sie erst vor Kurzem begonnen hat.
Im Dezember startet die Saison mit dem Biathlon-Weltcup in Finnland. In den kommenden Wochen steht aber erst einmal die Gesundheit im Vordergrund. Nach dieser Saison will Edlinger im Langlauf aber auf ihr großes Ziel hinarbeiten: eine Teilnahme bei Olympia. „Nicht bei den Paralympics, Olympia.“
Dazu müsste die blinde Athletin, die 98 Prozent ihres Sehvermögens verloren hat, allerdings ohne einen Guide bei Wettkämpfen starten können. „Wenn ich die Strecke kenne ist das kein Problem.“ Probleme habe Edlinger eher abseits der Loipe, etwa hin- oder wieder wegzukommen. „Warum das auf der Loipe allein funktioniert, ist schwierig zu erklären und auch für mich selbst schwierig zu verstehen.“ Der tschechische Verband habe zumindest Offenheit gezeigt, Edlinger ihren großen Traum erfüllen zu können. „Ich würde es einfach gerne versuchen.“