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Unernste Menschen werden ernsthaft darüber diskutieren, wer wichtiger für die Geschicke des Landes ist. Klar ist aber, wenn Bundeskanzler oder Bundestrainer ans Mikrofon schreiten, hört die Nation bei beiden genau hin. Weil sie um die Wirkung ihrer Worte wussten, hatten sich bislang die meisten Trainer mit der sehr ernsten Würde des Amtes umhüllt. Dieser, der Politik entlehnte Begriff, bewahrte meinungsstarke Charaktere von Herberger bis Flick vor schneller Rede und leichtfertiger Parteilichkeit.
Wenn also Jürgen Klopp am Rande des Champions-League-Spiels gegen den FC Arsenal Fragen zu Bayern-Profi Harry Kane stellt, greift der neue Bundestrainer natürlich nicht den Engländer an, sehr wohl aber den FC Bayern. Aber warum tut er das?
Zuletzt hatte Klopp als TV-Experte im Umgang mit seinem Vorgänger Julian Nagelsmann gezeigt, dass er gelegentlich deutlich schneller redet, als er denkt. Aber natürlich erfüllt seine kleine Provokation, die er als wissbegierige Frage tarnte, einen Zweck. In den Jahren realistischer Titelhoffnungen galt das Mantra: Wenn der FC Bayern erfolgreich ist, steht auch die Nationalmannschaft gut da. Von diesem Gleichschritt ist längst nichts mehr zu spüren, sonst hätte es in den vergangenen zehn Jahren Titel für den DFB regnen müssen.
Wer Klopps Gehässigkeit am Rande positiv deuten möchte, kann immerhin vermuten, dass der neue Bundestrainer einen Mythos, eine übrig gebliebene bloße Fassade, zerstören will. Dem Gedanken, dass ein radikaler Neuaufbau Abrissbirne und planiertes Fundament braucht, könnte man immerhin folgen.