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Bundesliga: Segelclub Rheingau trotzt dem Niedrigwasser

Trotz schwieriger Bedingungen gelingt es dem Rheingauer Segelclub, sich mit zwei Booten für die kommende Bundesligasaison zu qualifizieren.

„Eine Handbreit Wasser unterm Kiel“, so lautet ein geflügeltes Wort unter Seglern – ein traditioneller Gruß, der die Hoffnung und den Wunsch nach viel Glück und einer guten Seefahrt ausdrückt. Eine Handbreit, das beschreibt bildhaft auch den minimalen Abstand, den ein Boot zum Boden haben sollte, um nicht auf Grund zu laufen.

Für die Sportler des Segelclubs Rheingau hat der Wasserstand im abgelaufenen Sommer wortwörtlich oft nicht gereicht. Der Pegelstand des Flusses war von Juni an so niedrig, dass sie ihre Rennboote am Kransteg in Walluf nicht mehr zu Wasser lassen konnten, ohne dass sie aufgesetzt hätten.

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„Wir kamen schlicht nicht mehr ins Wasser“, sagt Teamchef Falko Braun und erinnert sich an einen Sommer der Improvisation. Bei ihren Kähnen der Bootsklasse J/70 sind die Kiele immerhin hochklappbar, um den Tiefgang zu verringern – segeln können sie so freilich nicht.

Training „auf unserer Spielfläche“ im Schiersteiner Hafen

Gegen den Strom zogen Braun und seine Mitstreiter die Segelschiffe an Motorbooten zum nahe gelegenen Schiersteiner Hafen, ihrem angestammten Trainingsrevier. Dort bot zwar auch nur der Ostteil genügend Tiefgang, aber immerhin. „Auf unserer Spielfläche trainierten wir so gut es ging“, beschreibt Braun den lösungsorientierten Ansatz.

Trotz der schwierigen Ausgangsbedingungen reichte es für die Rheingauer Hobbysegler, ihr Saisonziel in der Segel-Bundesliga zu erzielen. Sie schafften den Verbleib in der zweiten Liga – zwar nur im Nachsitzen, aber immerhin. Auch das kann im übertragenen Sinne „eine Handbreit Wasser unterm Kiel“ meinen – wenn es gerade noch mal gut gegangen ist.

„Segelsport ist Motorsport“, ein weiteres geflügeltes Wort der Szene: Die Regatten der Bundesliga wurden zwischen April und Oktober am Starnberger See, auf der Hamburger Alster, der Kieler Förde und dem Berliner Wannsee ausgetragen. Ohne Sponsoren, so Braun, wäre man nicht dazu in der Lage gewesen, diese Herausforderung zu meistern.

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Die entscheidenden Manöver gelangen Mitte Oktober auf dem Wannsee, bei der Qualifikationsregatta für die kommende Saison. Es war ein erfolgreicher Ausflug in doppelter Hinsicht, denn am selben Wochenende auf dem gleichen See schaffte es das Nachwuchs-Boot des Vereins, in die Junioren-Bundesliga aufzusteigen.

„Zwei Teams, ein Ziel“, unter dieser Überschrift subsumierte Teamchef Falko Braun die Hauptstadt-Regatta. „Bei kalten Temperaturen, kräftigen Böen und wechselnden Bedingungen gingen unsere Mannschaften gegen 27 weitere Teams an den Start“, erzählte er: „Beste Voraussetzungen also für packenden Segelsport.“

Die Boote segeln im Ligabetrieb jeweils in Gruppen gegeneinander – sogenannten „Flights“ – mit stets unterschiedlichen Konstellationen, sodass am Ende eines Regattatages jedes Boot einmal gegen jedes andere gesegelt ist. Die einzelnen Rennen dauern jeweils nur eine Viertelstunde. Der Sieger jedes „Flights“ erhält einen Punkt, der Sechste sechs Punkte. Wer in der Addition aller Rennen die wenigsten Punkte auf dem Konto hat, gewinnt.

Das mit zwei Zugängen frisch zusammengestellte Junioren-Team hatte sich erst am Freitag erstmalig getroffen, trat schon am Samstag in dieser Besatzung an und überzeugte auf Anhieb. „Mit konzentrierten Starts, starken Manövern und nur wenigen Ausrutschern segelten sich die fünf schnell in die Spitzengruppe“, so Braun. Auch am Sonntag positionierten sich die U23-Sportler meist vor dem Wind, blieben auf Kurs und machten „klar Schiff“.

Besonders stolz sei man darauf, nun „als erster Verein in Hessen ein Junioren-Team für die deutsche Junioren-Segel-Liga zu stellen“, erklärte Falko Braun. Nicht unerwähnt ließ er, dass der Deutsche Segler-Verband den Segelclub Rheingau für seine Ausbildungsarbeit ausgezeichnet habe.

Das Seniorenboot kam in der regulären Saison angesichts der Trainingsproblematik nicht richtig vor den Wind. Es belegte nach Abschluss der fünf Regattatage nur den vorletzten Platz, sodass es die „Qualifikation“ genannte Relegation für die kommende Saison bestreiten musste.

Doch dort überzeugte das Team mit Ehrgeiz sowie taktischem Geschick und erreichte in seiner letzten Wettfahrt genau den Platz, der für das Erreichen des Saisonziels genügte – um den Abstieg doch noch zu vermeiden.

Falko Braun sieht in dem Doppelerfolg „die Bestätigung der kontinuierlichen Ausbildungsarbeit, des engagierten Trainerteams und der konsequenten Nachwuchsförderung des Segelclubs“. In der kommenden Saison soll es nun nicht „auf zu neuen Ufern“ gehen. Es würde den Rheingauern schon reichen, wenn sie vor dem eigenen Bootshaus segeln könnten.

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