Apex Scores Lite Apex Scores Lite flag
back Zurück
Bayern-Sieg im DFB-Pokal: Sechs Tore auch ohne Golden Harry
Durfte nach den Feierlichkeiten am Montag 90 Minuten lang auf der Bank auskatern: Harry Kane.
Durfte nach den Feierlichkeiten am Montag 90 Minuten lang auf der Bank auskatern: Harry Kane.Foto: Tom Weller/dpa

Es lief die 82. Minute dieser Pokalpartie gegen den 1. FC Magdeburg. Und niemand, wirklich niemand, konnte noch behaupten, dass der FC Bayern seine Ziele in dieser Saison nicht ernst nehmen würde. Die Münchner führten 5:1, soeben hatte der Trainer Aaron Danks schon den Stürmer Tim Binder eingewechselt, 19 Jahre alt. Und eingefleischten Fans deshalb bekannt, weil er neulich in der Regionalliga-Partie gegen den TSV 1860 München erst getroffen und dann Gelb gesehen hatte, weil er unmittelbar vor den Löwenfans gejubelt hatte.

Nun aber eben die 82. Minute. An der Seitenlinie leuchtete die nächste Nummer auf. Aber siehe: Es war erneut nicht die „9“ von Harry Kane. Danks schickte nicht den ersten Ballon-d’Or-Gewinner des FC Bayern auf den Rasen seit dem 31. Mai 1984, dem Tag des letzten Spiels von Karl-Heinz Rummenigge. Es leuchtete die „48“. Der Stadionsprecher rief: „David!“ – doch die Fans schwiegen. Wer konnte es ihnen verübeln? Selbst wenn sie den Nachnamen des portugiesischen U21-Nationalspielers gekannt hätten: „Santos Daiber“ lässt sich gar nicht so einfach rufen.

Selbstverständlich sorgte David Santos Daiber noch für den Witz des Tages, wie Uli Hoeneß vielleicht gedacht haben wird: Er schoss tatsächlich das 6:1, das den Endstand markierte. Anstelle des Goldenen Harry hatten die Zuschauer immerhin noch einen interessanten Debütanten erlebt. „Er hätte heute gebrannt“ zu zu spielen, sagte der Sportvorstand Max Eberl. Aber dann werde er halt am Samstag in der Bundesliga-Partie gegen Borussia Dortmund „umso mehr brennen“. Nun denn.

Es sind ja gerade die Pflaster- und Trostwochen bei den Bayern. Der Kapitän Kimmich fehlt und trauert. Der wertvollste Spieler, Jamal Musiala, ist krank und verletzt zugleich. Der altehrwürdige Torwart Manuel Neuer hat mal wieder Wehwehchen, der Linksaußen Luis Díaz ist überspielt und fehlt angeschlagen länger. Und der Trainer Vincent Kompany lag nach seinem Zusammenbruch im Freitagstraining bis zu diesem Mittwoch im Krankenhaus. Er habe eine Hirnhautreizung erlitten, die durch einen Virus ausgelöst worden sein könnte, erklärte Max Eberl vor dem Anpfiff. Am Spieltag sei Kompany entlassen worden, nun wieder zu Hause, es gehe ihm deutlich besser.

Am Dienstag hatte der „goldene Harry“ vier goldene Schnitzel vor die Haustür geliefert bekommen

Welch ein Segen, in solch schweren Tagen Harry Kane in seinen Reihen zu wissen, nicht wahr? Den Golden Boy aus London, der am Montagabend in seiner Heimatstadt als bester Spieler der Welt geadelt wurde. Und der am Dienstagnachmittag nach seiner Rückkehr nach München vier goldene Schnitzel vor die Haustür geliefert bekommen hatte. Oh ja, vier Schnitzel – mit Blattgold überzogen!

Selbst die spanische Marca und die britische Sun haben schon darüber berichtet, dass der Wirt eines Waldgasthofs bei München seit zwei Jahren für jedes Pflichtspieltor von Kane ein Schnitzel spendiert. Selbstverständlich ist das eine dusselige PR-Aktion, weswegen der Name des Gasthofs hier unerwähnt bleibt. Aber weil Kane zugegeben hat, er „esse die Schnitzel natürlich nicht immer alle selbst“, bedeutet das im Umkehrschluss, dass er mindestens eines der Schnitzel gegessen haben musste – was auch für die SZ, klar, eine gewisse Meldepflicht mit sich bringt.

Möglicherweise lag Kane am Mittwochabend eine der panierten Kostbarkeiten noch schwer im Magen. Jedenfalls war der beste Spieler der Welt bis zum Schluss nicht Teil des Teams, das es in der zweiten Pokalrunde mit dem Fünftplatzierten der zweiten Liga aufnehmen musste.

Lennart Karl knüpfte mal wieder an seine außergewöhnlichen Leistungen aus der Vorsaison an

Anstelle Kanes spielte Ismael Saibari in der Sturmspitze. Und hinter ihm, auf der Zehn, bekam Lennart Karl die nächste Chance, endlich mal wieder an jenen Karl zu erinnern, der sich mit seiner Leistung in der Vorsaison für den Nachwuchspreis des Goldenen Balls beworben hatte. Was soll man sagen? Zehn Minuten waren gespielt, da strafte Karl zumindest all jene Lügen, die behauptet hatten, seit dem Sommer komme Karls Zwillingsbruder bei den Bayern zum Einsatz: Von Höhe der Mittellinie sezierte Karl die Magdeburger Abwehrreihe und schickte einen Pass mit wohldosiertem Tempo auf Saibari – der spielte quer auf Michael Olise, der den Ball nur noch ins Tor schieben musste.

Wer dachte, dass jeglicher Matchplan der leidenschaftlich mauernden Magdeburger mit diesem frühen Rückstand hinfällig war, der unterschätzte die Macht der Einflussfaktoren Behäbigkeit – und Sonntagsschuss: Als Mateusz Zukowski ausnahmsweise mal auf dem linken Flügel mit dem Ball versorgt wurde, ging Jonathan Tah nicht entschlossen hin. Und Hiroki Ito gab der ohnehin nicht üblen Flugbahn von Zukowskis Geschoss noch die entscheidende Biegung, auf dass Jonas Urbig nur zuschauen konnte, wie es in seinem Tor einschlug. 15 Minuten waren gespielt, und es stand nun tatsächlich 1:1.

Sollten sich die Magdeburger später auf ihrer Heimfahrt im Bus in die Videoanalyse gestürzt haben, um herauszufinden, warum sie nicht mehr Hoffnung aus diesem Ausgleich schöpfen konnten – nun, vielleicht hätten sie Olise nicht gleich das ganze Mittelfeld überlassen sollen, nur weil er auf einem fürchterlich schlappen neunten Platz gelandet ist bei der Wahl zum Ballon d’Or. Auch Olise durfte nun einen herrlichen Pass in den Lauf von Saibari spielen, und diesmal vollendete der Marokkaner persönlich – mit einem feinen Lupfer über Torwart Dominik Reimann hinweg.

Der 1. FCM, immerhin Rekordpokalsieger der DDR, gab sich auch danach längst nicht auf. Einmal gelang Zukowski über rechts ein Doppelpass mit dem emsigen Rechtsverteidiger Nadjombe, der Urbig zu einem starken Reflex nötigte. Und Sekunden vor dem Pausenpfiff klatschte es am Münchner Pfosten, nachdem Linksaußen Barik Atik nacheinander Stanisic und Olise hatte aussteigen lassen. Die Bayern hatten es zuvor einen Tick zu locker angehen lassen.

Dachte sich auch Aaron Danks. Der Kompany-Vertreter schickte Alphonso Davies für Gnabry auf den linken Flügel, wo er sich zuletzt schon beim 2:2 gegen den FC Arsenal nicht schlecht geschlagen hatte. Davies war gerade erst auf dem Platz, da zog ihn Nadjombe nahezu überblöd am Arm und brachte ihn im Magdeburger Strafraum zu Fall. Und da Olise der einzige verfügbare Spieler der Bayern aus den Top Ten des Ballon d’Or war, war er es, klar, der den Elfmeter schoss: Sehr lässig schickte er den Ball im Zeitlupentempo ins rechte Eck. Das 3:1 – die Partie war entschieden. Und auf der Reservebank freute sich Harry Kane so sehr, dass es aussah, als werde er diese überlässige Variante bald assimilieren und in sein eigenes Elfmeter-Repertoire einpflegen.

Die Zuschauer wollten Golden Harry sehen, aber Danks ließ sie weiter zappeln: Er brachte Sacha Boey, den Spieler, der ja irgendwie noch verkauft werden soll – und Aleksandar Pavlovic. Eine weise Entscheidung. Denn Pavlovic war es, der den raumöffnenden Pass vor dem 4:1 spielte, das Davies nach selbstloser Ablage von Karl erzielte.

Und Karl war nun endgültig im Spiel – und wie! Denn gleich im Anschluss spielte er noch eine herrliche Seitenverlagerung auf Davies, der ablegte auf Brown – das 5:1. Und die Schlusspointe setzte am Tag ohne Harry ein David mit der Nummer 48. Nachname noch mal zum Merken und Rufen: Santos Daiber.

Könnte Ihnen gefallen

Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany zog sich bei seinem Zusammenbruch offenbar weitere Verlet...

SPOX.com vor 11 Stunden

Bayern-Coach Kompany aus Klinik entlassen – Eberl enthüllt Diagnose

fcbinside.de vor 4 Stunden

Neue Details zu Kompany: Bayern-Trainer erlitt schmerzhafte Verletzung

fcbinside.de vor 9 Stunden

Bayern feiert Torfest - Leverkusen verhindert Pokal-Blamage

GMX vor 2 Stunden