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Hellmann verspricht: „Es wird keine Verzwergung geben"
fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Pressekonferenz Axel Hellmann
 „Wir haben die Transfererlöse immer komplett in die Mannschaft reinvestiert, wir haben nicht unser Bankkonto gefüllt.“ Axel Hellmann. © IMAGO/Gerhard Schultheiß

Eintracht Frankfurts neuer Vorstandsboss Axel Hellmann schließt einen Kurswechsel beim Klub aus. Wer Krösche als Sportvorstand beerbt, soll in Wochen feststehen.

Vor einem guten Jahr, erinnert sich Axel Hellmann, sei Eintracht Frankfurt von der breiten Öffentlichkeit zur dritten Kraft im deutschen Fußball stilisiert worden. Stichwort: Bayern-Jäger. „Das kommt mir heute vor wie vom anderen Stern“, sagt der Mann, der inzwischen nur noch Mister Eintracht genannt wird, weil er seit 25 Jahren für den hessischen Traditionsklub in Führungspositionen arbeitet. Seit ein paar Tagen steht er an der Spitze der Fußball-AG, Vorstandsvorsitzender. Am Ziel der Träume? „Das war ganz sicher nicht meine Karriereplanung“, sagt Axel Hellmann. Aber zurzeit sei es wichtig, „zentrale Themen zentral zu bündeln“.

Er ist so etwas wie der Seismograf des Klubs. Und deshalb hat er die Eintracht vor der letzten Saison nicht in den Top Drei gesehen, und sieht sie jetzt nicht „im Mittelmaß verschwinden, nicht als Gladbach 2.0“. Für den 55-Jährigen ist das „Medienfolklore, damit kann ich wenig anfangen“.

Keine Sorgen ums Team: „Adi hat alles im Griff“

Axel Hellmann hat zurzeit mehr Macht auf sich vereint als jemals zuvor. Übergangsweise zeichnet er nach dem Abgang von Manager Markus Krösche auch für den Sport zuständig. Einen Platz auf der Trainerbank neben Chefcoach Adi Hütter peilt er aber nicht an, wie er lachend erzählt. Aber es sei in der jetzigen Phase wichtig, „keine Lücken aufkommen zu lassen“. Das ist den schmerzhaften Erinnerungen an 2021 geschuldet, als der Klub nach dem Abgang der kompletten Sportführung quasi nicht handlungsfähig war. „Wir sind zur klaren Erkenntnis gekommen, dass es eine solche Vakuumsphase nicht geben darf.“

Hellmann ist zurzeit der Ansprechpartner für die Mannschaft und auch für den Trainer, auch wenn Adi Hütter „in seinem Tanzbereich, in seinem Kosmos alles im Griff hat, er braucht kein begleitendes Händchen“. Ein Dauerzustand soll das mit Hellmann als Sportboss aber nicht sein. Ist ja klar. Die Suche nach einem Krösche-Nachfolger soll zügig abgeschlossen werden, eine Sache von Wochen, nicht von Monaten. Die Entscheidung darüber, wer dem vom AC Mailand kräftig umworbenen Krösche folgen wird, obliegt dem Aufsichtsrat. Hellmann wird dennoch ein gewichtiges Wörtchen mitsprechen.

Ex-Eintracht-Profi Christoph Spycher (YB Bern) oder Joti Chatzialexiou (1. FC Nürnberg) gelten weiter als Favoriten. An beiden ist das Interesse der Eintracht verbrieft. Beide würden auch gut passen. Der Boulevard brachte nun Hoffenheims Sportchef Andreas Schicker ins Rennen. Der Neue müsse den speziellen Eintracht-Anforderungen gerecht werden. „Wir wollen wuchtigen, kraftvollen Fußball, der die Menschen mitnimmt. Der Sportverantwortliche muss das fühlen, es auch wollen.“

Markus Körsche wollte das nicht so sehr, er wollte die Eintracht eher mit der feinen Klinge bewaffnet sehen. Klar sei, dass sich Hellmann auch in Zukunft als Megaboss nicht ins Tagesgeschäft einmischen werde, der Sportchef habe „immer Beinfreiheit und Lufthoheit“ gehabt. So soll es bleiben.

Umso wichtiger sei es da, auf Mitarbeiter zählen zu können, die für ihre Aufgabe brennen, und sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifizieren. Davon hat sich Hellmann in den vergangenen Tagen selbst ein Bild gemacht, sinngemäß Fragen gestellt wie: „Wo steht ihr, wo seht ihr Eure Zukunft?“ Halbschwanger durch den Berufsalltag zu gehen, so formuliert es Hellmann, helfe da nicht. „Dann geht es eben auseinander.“

Zur Riege der Gesprächspartner zählte auch Timmo Hardung. Freilich auch, weil der Sportdirektor ein sehr enges Verhältnis zu Krösche pflegt und nicht wenige davon ausgehen, dass er mit ihm zu neuen Ufern (Mailand) aufbrechen könnte. „Timmo brennt für die Aufgabe“, hat Hellmann festgestellt. Ebenso klar sei aber auch, dass ein neuer Sportvorstand andere Vorstellungen haben könnte. Ausgang offen. Die Tendenz geht dahin, dass sich Hardung mittelfristig verändern wird (oder muss).

Mit elf Spielern aus dem Odenwald wird es nix

Unabhängig von dieser Personalie werde es in der grundsätzlichen Ausrichtung „keine 180-Grad-Drehung geben, keinen Paradigmenwechsel“. Gleichwohl müsse der Klub aber seine Transferstrategie anpassen. „Das Zauberwort lautet Modifikation.“ Man werde auf junge, deutsche Spieler setzen, vielleicht auch aus der zweiten Liga, am besten aus dem eigenen Stall. „Aber wir werden nicht mit elf Spielern aus der Wetterau und dem Odenwald auflaufen.“ Die Eintracht bleibe weltoffen, das müsse sie auch sein, „der Spielermarkt ist zu global“. Und die Anpassung bedeutet nicht, dass „wir drei Gänge zurückschalten: Es wird keine Verzwergung geben.“

Das gilt auch für Ambitionen. „Wir sind mit Mittelmaß nicht zufrieden.“ Eine regelmäßige europäische Teilnahme bleibt das Ziel. 2026 soll da bestenfalls die Ausnahme bleiben. Ein Jahr, „das in der Gesamtordnung kein gutes war“. In allen Bereichen seien Fehler gemacht worden, der gesamte Apparat sei zu groß geworden, viele hätten sich in ihren Nischen eingerichtet, es sich bequem gemacht. Der nötige Zug sei nicht mehr vorhanden gewesen. Hellmann spricht wahlweise von „Wolfühloasen“ oder „Biotopen“. Beides wird er austrocknen. „Da mache ich auch keine Kompromisse.“

Generell findet er aber, dass der Verein in einer „sportlichen Krise“ gesteckt habe, „nicht in einer Unternehmenskrise“.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sei nach wie vor gegeben. „Davon träumen andere Erstligisten.“ Zugleich räumte Hellmann mit der offenbar nicht ausrottbaren Annahme auf, dass der Klub wegen der vielen Millionenverkäufe im Geld schwimmen müsse. Die plakative Frage, die nicht nur er immer wieder hört: „Wo ist denn die ganze Kohle hin?“ Hellmann wird nicht müde, es zu erklären: „Wir haben die Transfererlöse immer komplett oder sogar noch mehr in die Mannschaft reinvestiert, wir haben nicht unser Bankkonto gefüllt.“

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