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Der finnische Eishockeyverband will "mit allen möglichen Mitteln" eine Rückkehr Russlands bei internationalen Turnieren verhindern und wirbt um Unterstützung für eine Boykottdrohung. Norwegen hat sich bereits angeschlossen, aus Schweden kündigte ein großer WM-Sponsor die Zusammenarbeit auf.
"Wir versuchen derzeit, so viele Länder wie möglich hinter einer gemeinsamen Front zu versammeln, um der IIHF mitzuteilen, dass keiner von uns in der aktuellen Situation gegen Russland spielen wird", sagte der finnische Verbandspräsident Heikki Hietanen in einer Mitteilung am Montagabend (02.11.2026).
Man werde "nicht gegen Russland spielen, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert", präzisierte Hietanen mit Blick auf die anstehende Männer-WM in Deutschland (13. bis 30. Mai 2027). Finnland reagierte damit auf die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, Russland wieder zu den Wettbewerben des Eishockey-Weltverbandes IIHF zuzulassen.
Am Dienstag gab der norwegische Verband via X bekannt, bei der WM nicht gegen Russland anzutreten. Damit wolle man "die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Spieler, Betreuer und deren Familien" schützen.
Alois Hadamczik, Präsident des tschechischen Eishockey-Verbandes erklärte, an die Adresse weiterer Nationen wie Schweden, Dänemark oder Lettland: "Wenn diese Nationen sich vereinen, kann das etwas verändern."
Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) wollte die Initiative auf SID-Anfrage nicht kommentieren und verwies darauf, dass er selbst Klärung von der IIHF erwarte, der am Montag und Dienstag zu Beratungen zusammenkam. DEB-Präsident Frank Lutz hatte bereits am Wochenende erklärt, dass der DEB eine Rückgabe der WM vom 13. bis 30. Mai in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim nicht ausschließe.
Der Druck auf den Weltverband mit dem deutschen Präsidenten Franz Reindl ist bereits gestiegen: Der schwedische Büromöbelhersteller AJ, seit 1989 einer der größten Sponsoren bei Eishockey-Weltmeisterschaften und zuletzt mit seinem Schriftzug auf den Schiedsrichtertrikots präsent, zog sich als erster Geldgeber zurück. "Im Geschäftsleben gibt es viele schwierige Entscheidungen", sagte der CEO David Bry, "aber das war keine. Dies ist ein Protest gegen Russland." Auch ein tschechischer Wettanbieter, ebenfalls IIHF-Partner, kündigte an, nicht bei Spielen mit Russland werben zu wollen. Der WM-Hauptsponsor kommt ebenfalls aus Tschechien - die VW-Tochter Skoda.
Zuvor hatte die Stadt Turku mitgeteilt, dass sie die Weltmeisterschaft der U20-Junioren 2027 im Falle einer Teilnahme Russlands nicht wie geplant ausrichten werde. "Solange Russland einen Angriffskrieg in der Ukraine führt, können wir nicht akzeptieren, dass die russische Nationalmannschaft in Turku spielt", erklärte Bürgermeisterin Piia Elo. Die Stadt hoffe, dass die IIHF und der finnische Staat "eine Lösung finden, die eine Teilnahme Russlands verhindert. Wenn die Spiele ohne Beteiligung Russlands stattfinden, wird Turku sie gern ausrichten."
Russland war nach seinem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 von allen IIHF-Wettbewerben ausgeschlossen worden. Nachdem der russische Eishockeyverband RIHF Berufung eingelegt hatte, ordnete der CAS am vergangenen Freitag aber die Wiederzulassung zu internationalen Wettbewerben an, darunter die WM 2027 in Deutschland. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) erwägt momentan gar eine Rückgabe des Heimturniers und verweist unter anderem auf enorme Mehrkosten im Zuge einer Zulassung.
Das erste Turnier, bei dem Russland wieder teilnahmeberechtigt ist, ist die U20-Weltmeisterschaft rund um den anstehenden Jahreswechsel in Kanada (26. Dezember bis 5. Januar). Die Kanadier kündigten jedoch an, dem russischen Team die Einreise zu verweigern. Das darauffolgende U20-Turnier 2027/2028 soll in den finnischen Städten Turku und Tampere stattfinden.