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Tour de France 2027: Kann die neue Route Pogačar stoppen?
Tour de France 2027 :
Kann man Pogačar so das Leben schwerer machen?

Nur vier Bergankünfte, aber zwei Einzelzeitfahren: Mit der Tour-Route 2027 hoffen die Organisatoren auf mehr Spannung. Dabei scheinen sich ihre Blicke von Jonas Vingegaard auf andere Konkurrenten zu verlagern.

Für die Organisatoren der Tour de France ist Tadej Pogačar Glücksfall und Albtraum zugleich. Der beste Radprofi der Welt hat seinem Sport mit seiner Fahrweise und seinem Auftreten eine Aufmerksamkeit beschert, die es in den Jahren zuvor nicht gab. Und er tut das noch immer. Davon profitiert das größte und wichtigste Radrennen der Welt.

Doch seit mehr als zwei Jahren führt die Dominanz des Slowenen auch zu einem Problem: Die Tour scheint schon entschieden, bevor sie so richtig losgegangen ist, was dem Veranstalter ganz und gar nicht gefallen kann. Die große Frage, die sich deshalb jedes Jahr aufs Neue stellt, lautet, ob man Pogačar das Leben schwerer machen kann – und wenn ja: wie?

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Es wirkte deshalb etwas scheinheilig, dass Christian Prudhomme am Donnerstag bei der Präsentation der Strecke des kommenden Jahres diesem Verdacht, der mal wieder im Raum stand, so energisch entgegenwirken wollte: „Wir entwerfen niemals eine Strecke zugunsten oder zum Nachteil eines bestimmten Fahrers“, sagte der Direktor der Tour de France.

Start in Schottland

Dabei ließ sich das, was die Organisatoren im Kongresspalast von Paris auf die Leinwand warfen, schon als Versuch deuten, dem Dominator ein paar Steine mehr in den Weg zu legen und das Rennen zumindest so lange wie möglich offenzuhalten. Fast 3500 Kilometer werden die Fahrer 2027 zurücklegen und dabei mehr als 53.000 Höhenmeter überwinden müssen. Die Route führt nach dem Start in Edinburgh und insgesamt drei Etappen in Großbritannien über den Norden Frankreichs einmal quer durchs Land in die Alpen, ehe es in den Pyrenäen zum großen Showdown kommen soll. So ist zumindest der Plan.

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Die Auffälligkeiten: Die erste Bergetappe steht erst auf dem neunten Teilstück an. In den Alpen lassen es die Organisatoren verhältnismäßig ruhig angehen. Wenn viele Höhenmeter zu absolvieren sind, müssen die Fahrer eine eher kürzere Distanz zurücklegen. Es gibt nur vier Bergankünfte, dafür aber zwei Einzelzeitfahren mit insgesamt 71 Kilometern – eine so lange Strecke wie seit 2012 nicht.

All das macht aus dem Rennen keine Anti-Pogačar-Tour. Die lässt sich auch nicht entwerfen, wie Prudhomme selbst feststellte: „Die Schwierigkeit besteht darin, dass Tadej Pogačar unabhängig vom Gelände sehr stark ist. Auf den Anstiegen natürlich, aber nicht nur dort“, sagte der Tourdirektor: „Seine Abfahrt vom Col du Tourmalet im letzten Jahr war absolut phänomenal. Wenn man Kopfsteinpflaster einbaut, ist er ganz vorn dabei; wenn man die Strecke schwieriger gestaltet, ist er immer noch dabei; und wenn man sie etwas einfacher gestaltet, greift er schon von weiter hinten an.“

Das ist alles wahr. Und trotzdem konnte man feststellen: Wenn Pogačar sich etwas hätte wünschen können, wäre die Tour eine andere. Sie wäre früher noch härter und hätte weniger Zeitfahrkilometer, was auch dem Deutschen Florian Lipowitz eher entgegenkommen würde.

Was macht Remco Evenepoel?

Die Blicke der Organisatoren schienen sich bei der Frage, wie man dem Achtundzwanzigjährigen beikommen kann, in den vergangenen Jahren stets auf Jonas Vingegaard zu konzentrieren. Der stürzte bei der diesjährigen Austragung und schied aus, als er schon einen größeren Rückstand hatte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er wieder Pogačars größter Konkurrent sein wird. Doch es deutet sich zumindest an, dass Prudhomme und Co. inzwischen andere im Auge haben.

Das lässt sich begründen: Pogačar ist nun schon seit geraumer Zeit auf jedem Terrain besser als Vingegaard. Wer ihm wirklich Steine in den Weg legen will, darf nicht auf die Berge schauen. Das einzige Feld, auf dem er nie der Beste sein wird, ist das Zeitfahren. Dieses Metier hatte der Tourveranstalter A. S. O. zuletzt spärlich behandelt. Weil dort die immer gleichen Bilder produziert werden, wittert er Langeweile.

Dass nun wieder zwei Einzelzeitfahren ausgetragen werden und die Kilometeranzahl deutlich erhöht wurde, dürfte an Remco Evenepoel, dem derzeit besten Zeitfahrer, liegen. Und daran, dass mit Paul Seixas auch die französische Hoffnung auf den Toursieg sehr große Fortschritte auf diesem Gebiet gemacht hat, wie bei seinem dritten Platz bei der WM jüngst zu sehen war.

Evenepoel hatte zuletzt mit einem Start beim Giro d’Italia geliebäugelt. Reicht das als Angebot, um ihn von einem Start bei der Tour zu überzeugen? Reichen 71 Kilometer, um Pogačar wirklich gefährlich zu werden? Im vergangenen Jahr betrug Evenepoels Rückstand als Zweitplatzierter in Paris 6:26 Minuten.

Die wird der Belgier nicht in zwei Zeitfahretappen aufholen können. Aber wenn das Rennen günstig verläuft und ihm oder einem dann womöglich noch mal stärkeren Seixas vielleicht sogar noch äußere Umstände in die Karten spielen – ein kleiner Sturz oder ein Infekt von Pogačar würden schon reichen –, besteht zumindest die Möglichkeit, dass die Tour 2027 einen anderen Sieger hervorbringt. Diese Erzählung von einer Chance wird bei dieser Strecke länger zu halten sein. Das dürfte den Organisatoren der Tour schon reichen.