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Dass Boris Herrmann auf See an seine Grenzen kommt, geschieht eher selten. Umso ungewöhnlicher ist es, dass das dem Hamburger Extremsegler nicht auf einem seiner Rennen passiert ist, sondern auf der Fahrt in die Antarktis im vergangenen Winter mit der „Malizia Explorer“. Von diesem abenteuerlichen Trip erzählt der neue Film „Mission Pinguin“ von Carsten Behrens, der am 8. November um 16.15 Uhr im ZDF gezeigt wird.
Behrens, der Herrmann und das gesamte Team an Bord begleiten konnte, berichtet in dem Film eindrücklich, wie schwer es war, an die Danger Islands zu gelangen, eine Inselgruppe tief in der Antarktis. „Im vergangenen Winter gab es extrem viel Eis dort, und wir hatten nur ein kleines Zeitfenster, um durch das Eis zu kommen“, sagte der Filmemacher dem Abendblatt. Herrmann hatte sich für die Expedition zusätzlich einen erfahrenen Skipper an Bord geholt, der sich in der besonderen Gegend auskannte. „Gemeinsam haben sie das Schiff dort hindurchnavigiert.“
Die Reise zu den Inseln sei extrem anspruchsvoll gewesen, so Behrens. „Denn eigentlich war kein Durchkommen.“ Herrmann habe dann spontan die Idee gehabt, mit seiner Drohne von oben auf das Eis zu schauen, „um eine Lücke zu finden“. So seien sie zu zweit zwischen den Eisbergen hindurchgefahren. „Boris wollte es unbedingt schaffen und die Crew zu ihrem Ziel bringen.“ Aufgeben sei für ihn keine Option gewesen.
Doch kaum hätten sie vor den Danger Islands gelegen, wo die Wissenschaftler arbeiten wollten, habe die Eisschicht begonnen, sich zu schließen. „Wir mussten ganz übereilt nach nur einem richtigen Tag aufbrechen, und es war lange nicht klar, ob wir es wieder herausschaffen.“ In diesen Stunden sei der Extremsegler Herrmann sehr angespannt gewesen, aber immer ruhig. „So etwas habe ich noch nie erlebt auf einem Segelboot“, sagt Herrmann zwischendurch, so auch in dem Film, als ein Schneesturm sie in der Antarktis heimsucht.
Drei Wochen war die 14‑köpfige Crew unterwegs. Behrens konnte mehrfach live in die Studios des Fernsehsenders schalten. „Und weil das Material so spannend war, haben wir nun hinterher mit allen Ergebnissen der Expedition noch einen Film gemacht.“ Der läuft nun in wenigen Tagen im Fernsehen.
Genau dann, wenn Herrmann wieder einmal alleine auf dem Ozean gegen Wind und Wellen kämpft. Denn der Hamburger ist am Sonntag zu einer Transatlantikregatta vom französischen Saint-Malo in die Karibik gestartet. Erstmals ist er ganz alleine mit seiner neuen Yacht unterwegs. Und bisher läuft es ziemlich gut.
Herrmann liegt aktuell auf Platz zwei. Direkt hinter ihm liegt übrigens Francesca Clapcich auf dem ehemaligen Boot des Hamburgers, der heutigen „11th Hour Racing“. „Ich fühle mich gut an Bord“, sagt Herrmann in einem Video, das wenige Stunden alt ist. Das Boot laufe wunderbar, alles sei in einem perfekten Zustand, „dank meines Teams“.
Für den Hamburger ist es seine dritte Teilnahme an diesem Rennen, er ist der einzige deutsche Teilnehmer im Feld. Die Route du Rhum ist eine legendäre Hochseeregatta, die seit 1978 alle vier Jahre veranstaltet wird. Am Sonntag hatten sich 115 Segler in sechs Klassen vor der französischen Küste auf den 3542 Seemeilen (6560 Kilometer) langen Weg in die Karibik gemacht.
Insgesamt sind 22 IMOCA-Yachten dabei, zu der auch Herrmanns „Malizia Seaexplorer“ gehört. Die Teilnehmer der Regatta sind allerdings nicht alle Profis, viele Amateure starten ebenfalls zur Route du Rhum. Für all die Segler, die bei der nächsten Vendée-Globe 2028/2029 starten wollen, ist die Wettfahrt jedoch ein wichtiges Qualifikationsevent
Zehn bis zwölf Tage lang wird Herrmann für die Strecke vermutlich brauchen. Auf der Internetseite vom Team Malizia können Interessierte genau sehen, wo Herrmann liegt. Unter www.team-malizia.com gibt es einen sogenannten Race Tracker, der regelmäßig aktualisiert wird.