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Fahrer-Gewerkschaft in der MotoGP nimmt Formen an: "Das ist die richtige Zeit dafür!"
Die MotoGP-Fahrer wollen sich in einer Gewerkschaft vereinen, Foto: Trackhouse Media

Auch 14 Tage vor dem planmäßigen Beginn hält die MotoGP noch immer an der Durchführung des Katar-GP vom 6. bis 8. November fest - und das, obwohl sich die politische Lage im Nahen Osten aktuell wieder zu verschärfen scheint. Neusten Informationen der 'New York Times' zufolge könnten die USA und Israel nämlich schon bald neue Angriffe auf den Iran starten, die dann wiederum Vergeltungsschläge auf umliegende US-verbündete Staaten wie Saudi-Arabien oder eben auch Katar zur Folge haben könnten. Zweifel, dass die MotoGP ihren Mitarbeitern beim Rennen in Losail vollkommene Sicherheit garantieren kann, werden deshalb immer größer - und weil die Königsklasse selbst noch nicht reagiert hat, machen die Fahrer nun Druck.

Schon am Donnerstag hatten im MotoGP-Paddock Gerüchte die Runde gemacht, wonach sich die auf Phillip Island anwesenden Piloten um 17:30 Uhr Ortszeit in einem Geheimmeeting mit den Verantwortlichen der MGP-Group [vormals Dorna Sports, Anm.] getroffen hätten, um über die aktuelle Lage rund um den Katar-GP zu sprechen. Laut Informationen der spanischen Tageszeitung 'AS' sollen inzwischen nämlich nur noch fünf Piloten dafür sein, das Wüstenrennen in zwei Wochen wie geplant durchzuführen, während die eigene Sicherheit beim Rest oberste Priorität genieße. Mehr dazu auch in unserem Video vom Donnerstag:

Wetterchaos auf Phillip Island! MotoGP-Rennen schon am Samstag? (11:33 Min.)

MotoGP-Piloten verraten auf Phillip Island: Neuer Anlauf bei Gewerkschaft!

Am Freitag nach den Trainings zum Australien-GP nach diesem Geheimtreffen befragt, hielten sich die meisten Fahrer bedeckt. Jack Miller schwieg etwa komplett. "Tut mir leid, aber ich kann euch dazu nichts sagen", winkte Fabio Quartararo ab und Alex Rins schmunzelte in Anlehnung an das jährliche Zusammenkommen seiner Vierradkollegen vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi nur: "Die Formel-1-Fahrer gehen zusammen in einem Restaurant Abendessen und wir treffen uns zu einem Meeting. Toll."

Drei Piloten gab es dann aber doch, die mehr Informationen Preis gaben - und diese hatten es in sich. "Gut", antwortete auch Francesco Bagnaia zunächst nur kurz und knapp auf die Frage, wie das Treffen am Donnerstag gewesen sei. Ob es produktiv gewesen sei? "Wir werden sehen." Ob alle Fahrer die gleiche Meinung vertreten hätten? "Wir sind alle clever, also ja." Mehr wollte auch der scheidende Ducati-Werkspilot erstmal nicht verraten. Zum Abschluss noch danach befragt, ob es in Zukunft nun häufiger solche Treffen unter den Fahrern geben könnte, öffnete er dann aber doch noch auf.

Die MotoGP-Piloten stehen aktuell nur bei Hymne vor den Rennstarts Seite an Seite, Foto: Trackhouse MotoGP Team
Die MotoGP-Piloten stehen aktuell nur bei Hymne vor den Rennstarts Seite an Seite, Foto: Trackhouse MotoGP Team

"Ein Zusammenschluss der Fahrer wäre extrem wichtig und nützlich. Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um das umzusetzen", verkündete er, dass die MotoGP-Piloten einen neuen Anlauf für eine Gewerkschaft gestartet haben. Diese war in den letzten Jahren immer wieder mal Thema, um die Interessen der Piloten einheitlich vertreten zu können - so, wie es beispielsweise die GPDA in der Formel 1 tut. "2023 haben wir es schonmal versucht, haben es damals aber nicht weiter vertieft", erinnerte Bagnaia. "Jetzt versuchen wir es erneut. Ich denke, das wäre extrem nützlich. Wir müssen nur die richtige Person finden, die für uns sprechen kann."

Vorsitzender gesucht: MotoGP-Piloten denken an Anwalt

Tatsächlich waren in der Vergangenheit fast alle Anläufe gescheitert, weil kein passender Vorsitzender für die Gewerkschaft gefunden wurde. Ein aktiver Fahrer wurde stets ausgeschlossen, es sollte bestenfalls ein Ex-Fahrer mit ausreichend politischem und rechtlichem Verständnis her. Mit Sylvain Guintoli hatte es 2023 zum ersten Mal einen klaren Kandidaten gegeben, der sich diese Rolle auch vorstellen konnte und bereits damit begonnen hatte, sich einzuarbeiten. Warum eine Gewerkschaft mit ihm an der Spitze aber nie umgesetzt wurde, wissen wir nicht. Vielleicht, weil sich die MotoGP-Piloten inzwischen doch einen anderen Vorsprecher wünschen.

"Es ist besser, wenn er nicht aus dieser [Motorrad-]Welt kommt. Er sollte keine Präferenzen in seiner Arbeit gegenüber uns oder unserer Sicherheit haben. Es muss deshalb kein Fahrer sein, er muss nicht aus diesem Paddock kommen", kommentierte Bagnaia und verriet dann, wer es jetzt werden soll: "Jemand wie ein Anwalt." Eine Person also, die sich auch juristisch bestens auskennt und weiß, welche Anliegen der Fahrer rechtlich überhaupt durchzusetzen sind. "Wir brauchen etwas mehr Macht. Die Teams haben sie, die Dorna hat sie. Aber wir? Wir haben nichts", stimmte auch Enea Bastianini zu und zeigte sich im Anschluss optimistisch, dass in Zukunft weitere Fahrermeetings stattfinden werden: "Ich denke schon."

Zeit läuft davon: Klappt der MotoGP-Aufstand gehen Katar noch?

"Es ist immer gut, wenn wir vereint sind. Wir wollen Sicherheit für das Paddock und alle Menschen, die hier arbeiten", bestätigte abschließend auch Jorge Martin, dass die heikle Lage rund um den Katar-GP aktuell Auslöser für einen neuen Anlauf in Sachen Fahrergewerkschaft ist. Anders als Bagnaia und Bastianini zeigte er sich aber nicht sonderlich positiv gestimmt, dass das Endresultat diesmal ein anderes als bei den letzten Versuchen sein werde. "Ich habe ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass wir einen großen Schritt nach vorne gemacht haben", seufzte er.

Das große Problem: im Fall des Katar-Grand-Prix läuft den MotoGP-Fahrers so langsam die Zeit davon. Keine 14 volle Tage verbleiben mehr, ehe am 6. November das 1. Freie Training auf dem Losail International Circuit gestartet werden soll. Möchten die Piloten noch eine Absage oder Verlegung auf eine andere Strecke erzwingen, müssten sie das also wohl ohne Unterstützung eines Anwalts tun. Ob das klappt, werden die kommenden Tage zeigen. Zumindest das Anliegen an sich scheint aber weiterhin zu bestehen, denn der medial stets bedachte Marc Marquez wählte folgende Aussage am Freitag wohl nicht zufällig: "Wir haben noch vier bis fünf Rennen, da musst du den Attacke-Modus überall einsetzen." Vier oder Fünf Rennen? Von einem Journalistenkollegen darauf angesprochen schmunzelte er: "Aktuell fünf, aber mit dem Krieg weißt du nie."

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