Apex Scores Lite Apex Scores Lite flag
back Zurück
Große Verunsicherung bei Mainz 05: „Stecker im Kopf gezogen“

Auf das Pokal-Aus folgt der „Tiefpunkt der Woche“, die 1:4-Pleite in Elversberg. Bei Mainz 05 suchen sie nach Erklärungen für die „allgemeine Verunsicherung“ und die Fehlerketten.

Spiesen-Elversberg. Dass sich dieser falsche Film auch am Freitagabend fortsetzen würde, damit hatte keiner der Gesprächspartner gerechnet. Auf das enttäuschende Pokal-Aus beim VfL Bochum sollte eigentlich ein Ausrufezeichen in der Bundesliga folgen. Eine Korrektur des kollektiven Aussetzers. Das hatten sich die Fußballer von Mainz 05 im Auswärtsspiel beim Aufsteiger SV Elversberg vorgenommen. Und es kam alles ganz anders, nämlich viel schlimmer. 1:4 (0:3) gingen die 05er im Saarland unter und waren mit dem Ergebnis noch bestens bedient. „Es ist völlig unerklärlich, wie wir innerhalb weniger Tage aus einer Situation, in der wir ein gutes Gefühl und Selbstbewusstsein hatten und uns verdientermaßen einen guten Saisonstart mit vielen Punkten erarbeitet haben, jetzt so auftreten können“, sagte 05-Sportdirektor Niko Bungert. „Dass wir uns in den vergangenen drei Tagen gegen Bochum und heute komplett ohne Selbstbewusstsein präsentiert haben, mit und gegen den Ball, ist für mich gerade nicht zu erklären. Es war überhaupt keine Selbstverständlichkeit mehr in unserem Spiel. Als hätte man uns im Kopf den Stecker gezogen.“

„Die allgemeine Verunsicherung hat sich hochgeschaukelt“

„Diese allgemeine Verunsicherung hat sich in den vergangenen beiden Spielen innerhalb der Mannschaft hochgeschaukelt. Das kann man nicht schönreden. Ich habe schon lange nicht mehr zwei solche Spiele in Folge von dieser Mannschaft gesehen“, sagte Bungert und setzte fort: „Bei allem Respekt vor Elversberg, die auf jeden Fall ein gutes Spiel gemacht haben: Mit unserer heutigen Leistung hätten wir auch gegen die restlichen 16 Mannschaften in der Liga keinen einzigen Punkt geholt. Das liegt komplett an uns.“

Kommt gegen den Aufsteiger oft zu spät: Mainz-05-Verteidiger Stefan Posch (rechts).

Kopfschütteln. Sprachlosigkeit. Fragezeichen. Kapitän Silvan Widmer empfand die Niederlage in Elversberg als „Tiefpunkt der Woche“. Weil man sich so viel vorgenommen habe, weil man aber selbst nicht in der Lage sei, den Hebel umzulegen, wenn das Spiel nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. „Es war eine ganz schlimme erste Halbzeit. Entweder ist der Gegner an uns vorbeigekommen, hat einen Zweikampf gewonnen oder wir haben gefoult. Wir hatten keinen Zugriff und keinen Biss. Insgesamt haben wir absolut verdient verloren, auch in der Höhe, weil uns der Gegner den Schneid abgekauft hat. In der zweiten Halbzeit habe ich eine leichte Steigerung gesehen, aber das war viel zu wenig.“ Vor allem in der Zweikampfführung verhalten sich die 05er momentan nicht wie eine Bundesliga-Mannschaft. Und die frühen Gegentore sind derzeit ein zu großes Problem, für das die Mainzer keine Lösung parat haben. „Das müssen wir schleunigst hinkriegen, weil wir in jedem Spiel einem Rückstand hinterherrennen. Dadurch ergeben sich für den Gegner natürlich mehr Räume. Aber selbst wenn man in Rückstand gerät, kann man ein Spiel noch drehen. Das haben wir auch gegen Leverkusen bewiesen, als wir zurückgekommen sind. Heute waren wir davon allerdings weit entfernt. Es war ein gebrauchter Tag und ein sehr schlechtes Spiel von uns. Da gibt es nichts schönzureden.“

„Zweikampfführung hat nichts mit Bundesliga zu tun“

Bungert findet, dass sich „durch die vielen Gegentore, die wir in dieser Form nicht kannten, hat sich innerhalb kürzester Zeit eine Verunsicherung entwickelt hat. Plötzlich bleiben wir einen halben Meter weiter weg oder spielen Bälle unsauber, die in der Rückrunde der vergangenen Saison und zu Beginn dieser Spielzeit noch beim Mitspieler angekommen sind.“ Der Sportdirektor sieht aktuell ein „Kopfproblem“ und weniger inhaltliche Themen. Widmer sagt: „Jetzt müssen wir uns aufrappeln und auf den Fußball zurückbesinnen, den wir vor ein paar Wochen gespielt haben. Damals wollte kein Gegner gegen uns spielen. Aktuell sieht das ganz anders aus.“

05-Trainer Urs Fischer wollte nicht zu einer zu harschen Generalkritik ausholen, „lieber noch mal das Spiel in Ruhe anschauen und eine Nacht drüberschlafen“. Was ihm aber gar nicht passt: „Es wird zur Gewohnheit, dass ich dem gegnerischen Trainer gratulieren muss nach dem Spiel.“ 2:3 gegen Bremen, 0:2 gegen Bochum, 1:4 in Elversberg. Drei Niederlagen in sieben Tagen. „Es ist einfach erklärt: Die Dinge wiederholen sich bei uns. Wir laden Elversberg in der ersten Halbzeit ein, Tore zu schießen. Wir haben in der zweiten Halbzeit eine gewisse Reaktion gezeigt. Aber insgesamt war es einfach zu wenig.“ Und: „Die Zweikampfführung beim zweiten und dritten Gegentor hat nichts mit Bundesliga-Fußball zu tun.“

Kann sich in Elversberg kaum in Szene setzen: 05-Stürmer Phillip Tietz (links).

Robin Zentner, der nach anderthalb Monaten wieder das Tor hütete, hat sich seine Rückkehr zwischen die Pfosten „natürlich ganz anders vorgestellt. Es ist schwer zu erklären. Wir haben aktuell kein Selbstvertrauen und das sieht man auch in fast jeder Situation, in der wir unsicher auf dem Platz stehen. Gerade die erste Halbzeit ist in vielen Bereichen einfach viel zu wenig. Wir haben nicht dagegenhalten können, keine Zweikämpfe gewonnen und konnten hinten nicht die Bälle festmachen.“ Urs Fischer habe in der Pause an das 05-Team appelliert: „Er hat uns bei der Ehre genommen und uns gesagt, wir können hier nicht so auftreten. Wir sind eine gestandene Bundesligamannschaft und das hat man überhaupt nicht gesehen. Wir haben uns wie eine Schulmannschaft benommen.“ Alles in allem sei die 1:4-Pleite „ein harter Schlag, den wir jetzt erst mal verdauen müssen. Und es fühlt sich sehr beschissen an. Wir können es jetzt nicht mehr ändern und müssen jetzt wieder nach vorn schauen.“