Zurück
Mit 41 Jahren beendet Stan Wawrinka an den Swiss Indoors 2026 seine Karriere. Der dreifache Grand-Slam-Gewinner kommt zum 18. Mal an die Swiss Indoors. Bei seinen bisherigen Auftritten sind einige emotionale Episoden zusammengekommen.
Im Alter von 18 Jahren debütiert Stan Wawrinka an den Swiss Indoors in Basel. Fünf Jahre nach dem vier Jahre älteren Roger Federer bekommt auch der Lausannois eine Wildcard. Der Grund ist der rasante Aufstieg des damals noch als Stanislas Wawrinka auftretenden Schweizers, der im Jahr 2003 aus dem Nichts heraus die Juniorenkonkurrenz der French Open gewinnt, 500 Plätze im Ranking nach oben klettert und als Nummer 172 der Welt nach Basel kommt. Dort verlor er in der ersten Runde gegen den Tschechen Tomas Zib 6:7, 6:7. Im Interview analysiert Wawrinka damals: «Ich war angespannt. Deswegen bin ich nie richtig in die Partie gekommen. In der Halle ist das Spiel schneller, mir fehlte die Zeit, mich an der Grundlinie zu organisieren.» Auf die Frage, wie er die nächsten Wochen angehe, antwortet Wawrika: «Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten.» Und zwar in der französischen Interclubliga mit Bordeaux.
Auch ein Jahr später rangiert Wawrinka irgendwo um Position 160 und ist in Basel auf eine Wildcard angewiesen. Gegen den Spanier Tommy Robredo gewinnt er, der zu diesem Zeitpunkt alle seine sechs Partien auf ATP-Level verloren hat, seinen ersten Satz in Basel. Am Ende macht Wawrinka gegen die damalige Nummer 12 der Welt nur fünf Punkte weniger und verliert mit 6:7, 7:5, 4:6. «Ich bin enttäuscht über das Ausscheiden, aber zufrieden, dass ich einen so guten Spieler ins Wanken bringen konnte. Das zeigt, dass ich auch auf diesem Niveau mithalten kann», sagt Wawrinka.
2005 gelingt Wawrinka der Sprung in die Top 100. Als Nummer 60 der Welt spielt er erstmals für die Schweiz Davis Cup und qualifiziert sich auch erstmals selbst fürs Hauptfeld der Swiss Indoors. Doch auch im dritten Anlauf gibt es in Basel eine Startniederlage. Wie schon im Jahr zuvor gewinnt Wawrinka auch gegen den belgischen Qualifikanten Kristof Vliegen den zweiten Satz, um dann in drei Sätzen 6:7, 6:4, 3:6 zu verlieren. Rückenprobleme und die Nervosität, welche das Heimpublikum bei Wawrinka immer noch verursacht, werden damals als Gründe für die Niederlage genannt.
In Umag konnte Wawrinka in diesem Jahr sein erstes ATP-Turnier gewinnen. Auch, weil Finalgegner Novak Djokovic beim Stand von 6:6 im ersten Satz verletzt aufgeben musste. Und auch in Basel folgen die ersten Siege. Im vierten Anlauf gewinnt Wawrinka (ATP 40) gegen die besser klassierten Augustin Calleri, Tim Henman und David Nalbandian und gibt dabei nur einen Satz ab. Die Schweizer Fans hoffen schon auf den Traumfinal gegen Roger Federer. Doch dann verliert Wawrinka seinen Halbfinal gegen Fernando Gonzalez 4:6, 4:6 und muss frustriert konstatieren: «Mein Vertrauen war verflogen.» Im Final siegt dann Federer und feiert den ersten Titel in heimischer Halle.
Wie schon 2006 gewinnt Stan Wawrinka (ATP 35) in Basel gegen den höher klassierten David Nalbandian. Doch im Achtelfinal ist der Tscheche Tomas Berdych (ATP 13) dann zu stark. Wawrinka vergibt gegen das Aufschlagmonster (22 Asse) im ersten Satz zwei Satzbälle und im zweiten Satz zwei Breakbälle und unterliegt schliesslich mit 5:7, 4:6.
Der Deutsche Benjamin Becker (ATP 137) hatte 2008 zwar die Karriere von Andre Agassi in New York beendet, allerdings auch 14-mal in der ersten Runde verloren. Dennoch fügt Qualifikant Becker dem in Basel erstmals an Position 5 gesetzten Stan Wawrinka (ATP 12), der sich seit diesem Jahr auch Doppel-Olympiasieger nennen darf, eine seiner bittersten Niederlagen zu. 5:4 und 30:15 führt der Schweizer im zweiten Satz und 4:2 und 40:15 im dritten und dennoch verliert er beide Sätze und so auch das Match im Tiebreak. «Ich bin einfach müde, physisch und im Kopf», resümierte ein sichtlich geknickter Wawrinka. In der Weltelite ist der 23-Jährige unterdessen angekommen, seine Basel-Bilanz bleibt nach sechs Teilnahmen mit nur vier gewonnenen Matches überschaubar.
Als Nummer 21 der Welt kommt Wawrinka nach Basel und gewinnt vor den Augen seiner schwangeren Frau Ilham Vuiloud die ersten beiden Runden gegen Ivan Ljubicic und Jarkko Nieminen in drei Sätzen. Im Viertelfinal kommt es zum Basler Duell zwischen Roger Federer und Marco Chiudinelli und zum sechsten Aufeinandertreffen von Stan Wawrinka und Novak Djokovic. Die Nummer 3 der Welt aus Serbien bekundet Probleme. Nur zwei Punkte fehlen Wawrinka im Tiebreak des zweiten Satzes zum Sieg. Doch sie gehen an Djokovic, der auch den dritten Satz 6:2 gewinnt. «Es war sehr heiss, ich fand zwei Sätze lang kein Mittel gegen seinen guten Aufschlag und sein dominantes Spiel», gibt Djokovic damals zu. Zwei Tage später gewinnt er den Final gegen Federer.
2010 kommt es zu einem kleineren Eklat. Wawrinka startet beim Konkurrenzturnier in Valencia, weil die Swiss Indoors seine Forderungen (eine Verdopplung der Antrittsgage von 50'000 Franken) nicht erfüllen wollten. «Brennwald ist Geschäftsmann, das ist okay. Was ich nicht mag, ist, wenn ich auf weitere Gesprächsversuche keine Antwort erhalte», sagt Wawrinka damals. Ein Jahr später kehrt er als Nummer 17 der Welt nach Basel zurück. Mit drei überzeugenden Siegen zieht er in den Halbfinal ein, wo es erstmals an den Swiss Indoors und zum elften Mal insgesamt zum Duell mit Roger Federer kommt. Der Baselbieter gewinnt 7:6, 6:2. Wawrinka fällt nach dem Break im zweiten Satz durch Schlägerzertrümmern negativ auf. In der Bilanz der beiden Schweizer steht es 10:1 für Federer, heute und bis in alle Ewigkeit steht es 23:3.
Nachdem Marco Chiudinelli mit einem Überraschungssieg das Publikum verzückt hatte, soll Stan Wawrinka (ATP 17) gegen Nikolai Dawidenko für den zweiten Schweizer Sieg an diesem Abend sorgen. Doch 7700 Fans auf dem Basler Centre Court sehen einen hadernden Wawrinka, der Bälle verschlägt, flucht, teilweise lustlos wirkt und am Ende 6:7, 6:7 gegen den Underdog (ATP 42) verliert. Dass Wawrinka die Leistung im Anschluss schönredet, verleitet die «Basler Zeitung» damals zur Aussage: «Vielleicht ist es gerade diese Sichtweise der Dinge, die verhindert, dass Wawrinka im Welttennis jemals ganz nach vorne stösst.»
Wie im Vorjahr ist Stan Wawrinka (ATP 8) an Nummer 4 gesetzt und scheitert dennoch in Runde eins. Das Heimpublikum ist überrascht, dass Doppelspezialist Edouard Roger-Vasselin an diesem Abend der bessere Tennisspieler ist. «Ich war zu nervös und blockiert. Wenn ich dann auch noch schlecht serviere, wird es katastrophal», analysiert Wawrinka. Dennoch qualifiziert er sich erstmals für die ATP-Finals der besten Acht.
Auch als Grand-Slam-Sieger lebt Wawrinkas Basel-Fluch weiter. Der Gewinner der Australian Open 2014 und die Nummer 4 der Welt ist in Basel an Nummer 3 gesetzt und verliert dann gegen die Nummer 84 der Welt: den Kasachen Michael Kukushkin. Dass das Spiel wegen eines defekten Scheinwerfers für rund eine halbe Stunde unterbrochen werden muss, sorgt für «Lichterlöschen» in den Schlagzeilen. Wawrinka gesteht: «Ich habe nicht genug gegen mich selbst gekämpft.»
Im Spätherbst 2014 gerät Wawrinka erst mit Federer und dessen Frau Mirka aneinander, weil diese ihn im Halbfinal der ATP-Finals mit den Worten «Cry Baby, Cry» belegt haben soll. Kurz darauf kommt es zur Versöhnung und zum Triumph im Davis Cup. Und auch das neue Jahr ist für Wawrinka durchaus erfolgreich. Neben den French Open gewinnt er auch in Rotterdam (wie in Basel ein Hallenturnier), Tokio und Chennai. Doch die Nummer 4 der Weltrangliste scheidet zum vierten Mal in Folge an den Swiss Indoors in der Startrunde aus. Auch gegen Aufschlagriese Ivo Karlovic führt Wawrinka mit Satz und Break und schafft es dennoch nicht, vor Heimpublikum zu triumphieren.
Wawrinka ist auf dem Zenit seines Schaffens. Er gewinnt erneut vier Turniere und krönt sich in New York zum dritten Mal zum Grand-Slam-Sieger. In Abwesenheit des verletzten Roger Federer ist Wawrinka in Basel an Nummer 1 gesetzt. Erstmals seit 2011 darf er an den Swiss Indoors wieder jubeln. Doch sowohl im einzigen Duell gegen den Basler Marco Chiudinelli (ATP 119) als auch gegen Donald Young (ATP 83) bekundet Wawrinka Probleme und muss über drei Sätze. Im Viertelfinal endet die Reise dann gegen Mischa Zverev (ATP 72), der im Ranking ebenfalls weit hinter Wawrinka klassiert ist.
Nach zwei Jahren, in denen Wawrinka wegen Verletzungen nicht in Basel spielen konnte, schafft es der durch die Blessuren auf Weltranglistenposition 17 zurückgefallene Schweizer im Achtelfinal gegen Frances Tiafoe (ATP 48), dank der Unterstützung der St. Jakobshalle über sich hinauszuwachsen. Doch wenige Minuten nach dem Mitternachtskrimi über 2,5 Stunden erklärt Wawrinka, dass er aufgrund von Rückenproblemen auf den Viertelfinal gegen Roger Federer verzichtet. Damit enttäuscht er das Basler Publikum erneut, da dieses dem Schweizer Duell entgegengefiebert hatte. Federer gewinnt kurz darauf zum zehnten Mal sein Heimturnier.
Nach zwei coronabedingten Absagen des Turniers schafft es Wawrinka bei seinem 14. Besuch an den Swiss Indoors, seine Bilanz erstmals seit 2011 wieder ins Positive zu kippen. Mit Casper Ruud schlägt er die Nummer 3 der Welt. Wawrinka selbst startet in Basel dank eines geschützten Rankings. Verletzungen liessen ihn aus den Top 100 fallen.
Die Geschichte mit der Startniederlage, die nicht hätte sein müssen, wiederholt sich zum neunten Mal. In diesem Jahr ist es der Kasache Alexander Shevchenko (ATP 83), der Stan Wawrinka (ATP 45) in die Schranken weist und dabei auch von vielen Fehlern des Schweizers profitiert. «Ich bin erschöpft», sagt Wawrinka. Auch die Unterstützung des Heimpublikums hilft ihm nicht. So laut wie in den vergangenen Jahren war es 2023 allerdings nicht. Zu oft wurden die Basler Fans bereits von Wawrinka enttäuscht.
«Heute hat das Publikum den Unterschied ausgemacht», sagt Stan Wawrinka nach seinem Dreisatz-Sieg gegen Adrian Mannarino (ATP 57). In Basel startet die Nummer 169 der Welt wie schon vor 21 Jahren dank einer Wildcard. Das Publikum honoriert den Kampf des 39-jährigen, der durch den Erfolg der älteste Spieler wird, der in Basel je ein Spiel gewonnen hat. «Wawrinka lässt Basel beben wie einst Federer», titelt der «Blick». Auch im Achtelfinal ist die Stimmung feurig, doch Wawrinka unterliegt dem späteren Finalisten Ben Shelton 6:7, 5:7. Im Anschluss sagt er: «Ich will zurück in die Top 100, doch wenn ich das nicht schaffe, könnte es sein, dass ich nicht mehr nach Basel zurückkomme.»
Zum zweiten Mal in Folge gibt es eine Wildcard für den Routinier, der nur noch die Nummer 137 der Welt ist. Wawrinka gewann vor Basel nur zwei von 13 Partien auf ATP-Level und spielte mehrheitlich Challenger-Turniere. In Basel besiegte er in Runde 1 Miomir Kecmanovic, um dann gegen Casper Ruud trotz Breakführung in beiden Sätzen auszuscheiden. «Leidenschaft kennt kein Alter», resümierte Wawrinka trocken und kündigte an, «nächstes Jahr hoffentlich wieder in Basel aufzuschlagen». Am 19. Dezember verkündete er, dass die Saison 2026 seine letzte sein wird.
Als Nummer 140 der Welt bekommt Stan Wawrinka erneut eine Wildcard. Statt musikalischer Unterhaltung steht der Super Monday ganz im Zeichen seines Abschieds. Die Organisatoren planen eine «Überraschungs-Show» für den Altmeister, der am Dienstag dann zum 985. und möglicherweise zum letzten Mal auf ATP-Stufe spielen wird. Nach dem Turnier ist die Profi-Karriere von Wawrinka beendet.
Dieser Artikel ist bereits im Oktober 2025 erschienen und erhielt vor den Swiss Indoors 2026 ein Update. (schweizheute.ch)