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Sturz, Schwindel, Meistertitel: Ronja Billich holt Sidecar-Trophy-Gold
Ronja Billich mit Pilot Enrico Wirth im 600er F1-Adolf-RS-Gespann, angetrieben von einem Yamaha-Motor.
Ronja Billich mit Pilot Enrico Wirth im 600er F1-Adolf-RS-Gespann, angetrieben von einem Yamaha-Motor. © privat

Die 31-Jährige gewann mit Pilot Enrico Wirth zehn von elf Rennen – und wurde trotzdem fast noch abgefangen. Nach einem Überschlag erlitt sie eine Gehirnerschütterung und musste das Saisonfinale aus der Box verfolgen.

Welch ein überragendes Comeback nach der Baby-Pause: Die aus Alsfeld-Altenburg stammende Ronja Billich, die in Alsfeld noch unter ihrem Geburtsnamen Mahl bekannt ist, wurde jüngst mit ihrem Piloten Enrico Wirth (Aschersleben) als Champion der Internationalen Sidecar-Trophy-Saison gekürt. Damit steht die 31‑Jährige, die mit ihrem Mann und dem zweijährigen Sohn in Schwanenstadt, Oberösterreich, lebt, zum ersten Mal in der Meisterschaftswertung ganz oben.

Ronja mit Papa Erwin auf dessen „Kneeler“ – Gespann, Baujahr 1970, in der Klasse F2.
Ronja mit Papa Erwin auf dessen „Kneeler“-Gespann, Baujahr 1970, in der Klasse F2. © privat

Überglücklich ist natürlich auch ihr Papa Erwin Mahl, der nicht nur seinen Platz im Team-Rennstall hat, sondern auch in der Classic-Wertung nach wie vor selbst am Gashahn dreht. Gerne auch mit Doppelstarterin Ronja im Sidecar, wie in Rijeka, am Red Bull Ring in Salzburg oder beim Grand-Prix in Schotten.

Unfall in der Slowakei

Drei Ausfallrennen ohne Punkte konnten die Saison-Triumphfahrt von Ronja Billich und Enrico Wirth nicht verhindern. Bis zum vorletzten Rennwochenende am knapp sechs Kilometer langen Slovakiaring hatten sie von elf Rennen zehn gewonnen, nur einmal streikte vor dem Start die Maschine. Doch ohne Drama sollte die Meisterschaft in der Slowakei dann doch (noch) nicht eingetütet werden, erzählt Ronja mit etwas Abstand gelassen: „Nach dem Start drehte sich das Gespann und überschlug sich, wir hatten wirklich Glück im Unglück. Enrico ist mit ein paar Blessuren davongekommen, ich erlitt eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma, aber außer ein paar Kratzern äußerlich keine weiteren Verletzungen, ich musste auch nicht ins Krankenhaus.“

Söhnchen Marlo genoss seinen Mittagsschlaf und bekam den Riesenschreck daher auch nicht mit. Das Gespann fiel allerdings für die beiden Rennen aus, null Punkte – während die Verfolger für das letzte Rennwochenende wieder in Reichweite kamen und der vermeintlich sichere Titelgewinn für Wirth/Billich eben doch noch in Gefahr geriet. Immerhin standen beim Saisonabschluss, dem Sidecar-Festival in Oschersleben, gleich drei Rennen aus.

Ronja Billich musste mit sturzbedingten Nachwehen schweren Herzens auf den Start verzichten, ihren Platz im Beiwagen nahm ein tschechischer Ersatzmann ein. „Das ist mir nicht leichtgefallen, aber es war wegen punktuellem Schwindel unumgänglich“, beschreibt sie die Situation, die sie in die Boxengasse zwang. Enrico Wirths Rennstrategie war klar: Diesmal keine Bestzeitenjagd, sondern mit einem ausreichenden zweiten Platz den Vorsprung verwalten und die Meisterschaft nach Hause fahren. Das klappte. Dreimal Zweiter, schon vor dem allerletzten Rennen stand der Meisterschaftssieg fest. „Wir haben wirklich eine dominante Saison hinter uns“, sagt eine stolze und selbstbewusste Ronja Billich nach ihrem ersten Titel – für Enrico Wirth war es bereits der sechste in der Trophy-Serie.

Aufwand für WM-Start zu groß

„Wir wussten schon nach der Vorbereitung in Frankreich, dass wir verdammt schnell sein werden, weil einfach alles richtig gut gepasst hat. Dass wir aber so souverän durch die Serie kommen und selbst drei Ausfälle noch kompensieren konnten, das ist schon megaschön.“

Die Performance öffnete Türen: „Schon recht früh haben wir das Angebot erneuert bekommen, zumindest mit einem Gaststart in die FIM-Sidecar-World-Championship-Serie einzusteigen, weil unsere Zeiten das einfach hergeben.“ Doch Ronja und ihr Mann Markus Billich, der selbst auch Sidecar-Copilot in der gleichen Trophy-Serie ist und auf Platz neun landete, wissen um ihre Verantwortung: „Als semiprofessionelle Rennsportler, die nebenbei noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen und Eltern eines Kleinkindes sind, stößt man beim Thema WM an seine Grenzen – der zeitliche, organisatorische und finanzielle Aufwand einer WM ist nicht mal so nebenbei zu stemmen.“

Das Team von Ronja Billich und Erwin Wirth.
Das Team von Ronja Billich und Erwin Wirth. © privat

Den Sturz hat die ehemalige Handballerin des TV Alsfeld psychisch und inzwischen auch physisch längst abgehakt. „Vor den Starts der kommenden Saison habe ich absolut keine Angst.“ In welcher Team-Zusammensetzung man sich dann organisieren wird, dies sei derzeit noch völlig offen, sagt sie. Mit Pilot Enrico und Papa Erwin darf sie nun erst mal mächtig stolz auf den Siegerpokal sein.

Schnelle Familie

Apropos Papa Erwin: Auch dem fiel in Oschersleben in der Classic-Wertung seine immer mal wieder doppelstartende Ronja durch ihre Verletzung aus. Ihren Platz in Erwin Mahls Beiwagen nahm Ronjas Mann Markus ein. Bei einer der schnellsten Familien der Rennsportszene ist das ja kein Problem.