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266 km/h! Eine unglaubliche Zahl, die bis heute durch das Internet geistert. Kein Roberto Carlos, kein Cristiano Ronaldo und kein anderer Superstar soll jemals härter geschossen haben als Hami Mandirali. Der ehemalige Profi des FC Schalke 04 taucht in zahlreichen Ranglisten mit dem angeblich schnellsten Torschuss der Fußballgeschichte auf.
Die Geschichte klingt spektakulär. Am 29. Mai 1999 soll der Türke gegen 1860 München einen Freistoß mit sagenhaften 266 km/h ins Tor gehämmert haben. Bis heute kursieren Videos dieser Szene im Netz. Der Haken: Die Rekordgeschwindigkeit ist schlicht falsch. Eine Analyse der Fernsehbilder entlarvt die berühmte Zahl als Mythos. Und hinter dem vermeintlichen Weltrekord steckt auch die kuriose Geschichte eines der größten Schalker Transferflops seiner Zeit.
📌 Das ist Hami Mandirali
Der letzte Bundesliga-Spieltag der Saison 1998/99. Schalke gastiert bei 1860 München und gerät früh in Rückstand. Doch schon in der zehnten Minute folgt Mandiralis großer Auftritt. Der Türke tritt aus beträchtlicher Entfernung zum Freistoß an und jagt den Ball mit seinem linken Fuß ins Tor.
Schalke gewinnt eine spektakuläre Partie mit 5:4. Mandirali trifft in der Schlussminute per Elfmeter sogar noch zum Sieg. Es sind seine letzten Tore in der Bundesliga. Berühmt wird allerdings vor allem sein erster Treffer des Nachmittags. Denn der soll sämtliche Geschwindigkeitsrekorde gebrochen haben.
266 km/h entsprechen fast 74 Metern pro Sekunde. Ein Ball müsste für eine Strecke von 37 Metern bei diesem Tempo gerade einmal eine halbe Sekunde benötigen. Ein schier unglaublicher Wert, selbst für einen der gefürchtetsten Distanzschützen seiner Generation.
Das Fußballanalyse-Projekt Longshot Football hat sich den legendären Treffer genauer angesehen. Anhand der Fernsehbilder wurden Flugstrecke und Flugzeit rekonstruiert. Das Ergebnis: Der Ball benötigte für ungefähr 37 Meter rund 1,2 Sekunden. Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 112 km/h.
Weil ein Ball während des Flugs durch Luftwiderstand abbremst, dürfte Mandiralis Schuss beim Verlassen des Fußes deutlich schneller gewesen sein. Die Analyse schätzt die Anfangsgeschwindigkeit auf ungefähr 144 km/h.
Das wäre immer noch ein beeindruckender Hammer. Allerdings liegen zwischen dieser Schätzung und dem vermeintlichen Weltrekord satte 122 km/h! Auch die 144 km/h sind keine offizielle Messung, sondern eine rechnerische Annäherung anhand des Videomaterials.
Woher die sagenhaften 266 km/h ursprünglich stammen, bleibt unklar. Eine belastbare Originalmessung oder ein offizielles Messprotokoll sind nicht bekannt. Ob eine Fehlmessung, eine Verwechslung oder eine falsch überlieferte Zahl hinter dem Mythos steckt, lässt sich deshalb nicht abschließend feststellen.
Trotzdem wird Mandiralis Freistoß seit Jahrzehnten in Listen der härtesten Schüsse geführt. Das zeigt, wie hartnäckig sich einmal verbreitete Zahlen im Fußball halten können. Die verfügbaren Bilder sprechen jedenfalls klar gegen die angebliche Rekordgeschwindigkeit.
Dass ausgerechnet Mandirali mit einem solchen Rekord verbunden wird, ist allerdings kein Zufall. Der türkische Nationalspieler war schon bei Trabzonspor für seine gewaltigen Distanzschüsse berüchtigt. Im UEFA-Pokal 1996/97 bekam Schalke seine Qualitäten zu spüren, als er beim 3:3 gegen S04 gleich zweimal traf.
1998 verpflichteten die Königsblauen den Angreifer schließlich für sieben Millionen D-Mark. Eine damalige Rekordablöse des Vereins. Doch der vermeintliche Königstransfer wurde zur Enttäuschung.
Unter Huub Stevens fand Mandirali kaum seinen Platz. Der Trainer verlangte intensive Defensivarbeit, der Türke war größere Freiheiten gewohnt. Auch seine Vorliebe für Fernschüsse sorgte intern für Diskussionen. Olaf Thon erinnerte sich später daran, dass die Mitspieler den schussfreudigen Neuzugang regelrecht bremsen mussten.
Ausgerechnet seine gefürchtete Spezialität brachte zunächst keinen Erfolg. Erst am vorletzten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt gelang Mandirali sein erstes Bundesligator – per Freistoß. Eine Woche später traf er zweimal gegen 1860 München. Danach war Schluss.
22 Bundesligaspiele, drei Tore: Nach nur einer Saison endete Mandiralis Schalker Abenteuer. Der Angreifer kehrte zu Trabzonspor zurück, wo er längst eine Vereinslegende war. Für den türkischen Klub erzielte er in 558 Ligaspielen insgesamt 219 Tore.
Auf Schalke blieb dagegen vor allem eine einzige Szene in Erinnerung. Sein Freistoß gegen 1860 München wurde zum angeblich härtesten Schuss der Fußballgeschichte. Ein Treffer, der auch ohne Fantasiegeschwindigkeit spektakulär genug gewesen wäre.
Der Schuss war echt. Die 266 km/h waren es nach allem, was sich aus den Fernsehbildern rekonstruieren lässt, nicht. Mandirali dürfte trotzdem noch lange in den Rekordlisten des Internets auftauchen. Eigentliche Pointe dieser Geschichte: Mandirali musste den härtesten Schuss der Welt gar nicht abgeben, um damit Jahrzehnte später noch berühmt zu sein.