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Sechs Jahre sind mittlerweile vergangen, seit der Ferrari-Traum von Sebastian Vettel ohne Formel-1-Titel zu Ende ging. Der inzwischen zurückgetretene Vettel liefert in einer neuen Doku-Serie der ARD eine Einschätzung der Probleme im damaligen Ferrari-Umfeld. Vettels Nachfolger bei der Scuderia ergänzen jetzt ihre Meinung.
"Ich kann mich daran erinnern, dass es Momente gab, wo mir ganz bewusst wurde, dass hier ein anderer Wind herrscht, eine andere Anspannung, ein anderer Druck von außen", beschreibt es Vettel in 'Being Sebastian Vettel'. "Unter diesem Druck und dieser Erwartung war einfach auch die Angst, zu versagen, so groß. Was passiert am Montag, wenn das Rennen nicht gut ist?"
"Dass die Erwartung von außen durchsickert in das Arbeitsklima, und ich hatte auch oft versucht, dagegen anzulaufen", erinnert sich Vettel. "Auch wenn draufgehauen wird, man versucht, irgendwie dieses Ruder herumzureißen, aus der Last eine Motivation zu machen, zu sagen: 'Hey, wir sind das einzige Team in diesem Sport, dessen Land sich darum schert und wirklich dafür interessiert.' Ist mir im Nachhinein nicht gelungen."
"Ich saß auch dann in Meetings und habe gesagt: 'Viel Respekt für alles, was wir hier machen und was ihr hier macht, aber da, wo ich herkomme, da hatten wir eine Zutat, die fehlt hier noch, wir hatten Spaß'", sagt Vettel. 2015 war er vom schließlich von Red Bull, dem Party-Team schlechthin, zum Traditionsrennstall Ferrari gekommen.
Red Bull hatte damals ein bei Top-Teams nicht gerade gängiges Prinzip in die Formel 1 gebracht - genauso hart feiern wie arbeiten. Vettel versuchte Auszüge davon nun auch bei Ferrari einzuführen, etwa die Red-Bull-Tradition, zwischen Sessions beim Arbeiten in der Garage mit Musik für Stimmung zu sorgen: "Ich habe dem Team dann auch so eine Lautsprecherbox gekauft und aufgestellt und laut Musik gespielt. Italo-Hits."
"Die Mechaniker, die Jungs fanden es natürlich klasse, das Team-Management war nicht immer so einverstanden", erinnert sich Vettel. "Macht man ja bei Ferrari vielleicht nicht so." Ernst und Druck überstrahlten Vettels Ferrari-Ära immer mehr. Zweimal, 2017 und 2018, zerfiel seine WM-Challenge gegen Lewis Hamilton in der zweiten Saisonhälfte. 2020 erlebte das Team nach einer Motor-Kontroverse einen Absturz ins Mittelfeld. Man trennte sich von Vettel, ersetzte ihn durch Carlos Sainz.
Sainz ist mittlerweile selbst raus, zu Williams gewechselt, und kann Vettels Gedanken durchaus nachvollziehen, als er von Motorsport-Magazin.com darauf angesprochen wird: "Ich konnte spüren, dass die Mechaniker, manche der Ingenieure, eine Verantwortung fühlten gegenüber Italien, gegenüber ihren Familien, gegenüber ihrem Dorf, das sie bewundert hat, weil sie für Ferrari arbeiten."
"Es hat vielen Leuten Druck gemacht, aber auch eine Hingabe für den Sport", ist sich Sainz bei den Auswirkungen jedoch unsicher. "Das versuche ich den Leuten in meinen anderen Teams zu vermitteln. Es hat mich geschockt, was da Gutes entstehen kann. Ich weiß noch, wie stolz Ferrari-Mechaniker auf einen guten Boxenstopp sein können. Bei einem guten Ergebnis, wenn sie nach Hause gehen. Der Druck ist ein möglicher Nachteil, aber ich finde eher, dass Leute in F1 sich an den Druck gewöhnen, und er bringt auch Gutes mit sich."
Und wie sieht es bei Ferrari heute aus? "Gut, wir haben keinen Lautsprecher in der Garage, der verrückte Musik spielt, wie die Nachbargarage", meint Lewis Hamilton, der nun den Platz von Sainz übernommen hat. "Aber ... es ist ein guter Vibe, gute Energie. Wir genießen es. Natürlich um einiges mehr als letztes Jahr. Das letzte Jahr hat niemandem Spaß gemacht."
"Aber wir sind weit gekommen", findet Hamilton. Ein verkrampftes Team ohne Spaß sieht er nicht: "Verglichen mit anderen Teams, in denen ich war, fühlt sich die Energie ähnlich an. Sie sind fokussiert, sie wollen gewinnen. Fokus und Leidenschaft ist so stark, wie nur möglich."
"Wir sind weit gekommen", ist Hamilton in seinem zweiten Ferrari-Jahr positiv eingestellt. "Wir kämpfen um den zweiten Platz in der Konstrukteurs-WM. Charles oder ich waren in den letzten drei Rennen immer auf dem Podium. Wir sind sehr, sehr weit gekommen, und das ist erst der Anfang. Mehr wird kommen."