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Vertrauen führt Antonelli zum WM-Titel

Kimi Antonellis erster WM-Titel ist mehr als ein Triumph auf der Rennstrecke. Er ist der vorläufige Höhepunkt einer außergewöhnlichen Entwicklung aus Vertrauen und familiärem Rückhalt. Der Italiener war noch ein Teenager ohne Formel-1-Erfahrung, als ihm Mercedes eine der begehrtesten Chancen im Motorsport anvertraute. Beim Grand Prix in Mexiko ist aus dem einstigen Nachwuchstalent mit 20 Jahren der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte geworden.

Auf den letzten Kilometern konnte Antonelli kaum noch etwas sehen vor Tränen, auf dem riesigen Podium brach es wieder aus ihm heraus. Ausgerechnet die Opernarie „Nessun dorma“, die sein Opa so gern hörte, hallte über das Autodromo Hermanos Rodriguez. „Er wäre stolz auf mich“, sagte Antonelli. Wieder stockte die Stimme, wieder wurden die Augen feucht. „Ich heule heute zu viel“, meinte er und lächelte.

Er hatte allen Grund für einen nicht enden wollenden Gefühlsrausch. Mit 20 Jahren und 68 Tagen krönte sich der Italiener in Mexiko-Stadt zum jüngsten Weltmeister in 76 Jahren Formel 1. Im ohrenbetäubend lauten Foro Sol – einem ehemaligen Baseballstadion – wartete seine stolze Familie. „Wir haben großes Glück, und das ist das größte Geschenk, das man meinem Sohn machen kann: die Beziehung, die wir haben“, sagte Papa Marco Antonelli.

Kimi Antonelli umarmt Toto Wolff
Mercedes-Teamchef Toto Wolff (l.) und Kimi Antonelli fielen sich nach dem Triumph in die Arme

Die Umarmungen nach dem Triumph waren innig. Jene von Antonellis Eltern Marco und Veronica galten nach dem WM-Titel des Sohnes auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Der Wiener hatte Antonelli nicht nur seit dessen zwölftem Lebensjahr unterstützt, er hat ihm im Vorjahr auch das nach dem Abgang von Lewis Hamilton zu Ferrari frei gewordene Cockpit beim Topteam anvertraut. Der damals 18-Jährige verfügte noch über keine Formel-1-Erfahrung. Nach einem Lehrjahr ist er nun deren jüngster Champion.

„So stolz auf das ganze Team“

„Ich bin einfach so stolz auf das ganze Team, wie sie von Anfang an an Kimi geglaubt haben“, sagte Wolff am Sonntag nach dem in Mexiko fixierten Titelgewinn. Im ersten Jahr war Antonelli noch deutlich hinter seinem Teamkollegen George Russell gelandet. Zweifel wurden laut, ob der Italiener nicht lieber bei einem kleineren Team hätte F1-Erfahrung sammeln sollen. „Wir haben gewusst, es wird ein schwieriges Jahr“, erinnerte sich Wolff. „Aber wir haben die Daten gesehen und wir haben darauf vertraut.“

Das Vertrauen hat sich ausgezahlt. Der Österreicher erwähnte neben der Unterstützung der Ingenieure für Antonelli auch jene von Mercedes-Benz-Vorstandschef Ola Källenius. „Für mich war das Wichtigste, dass Ola, mein Partner hier, immer daran geglaubt hat“, betonte Wolff. Die Krönung seines langjährigen Schützlings sei dann „irgendwie surreal“ abgelaufen, schilderte der 54-Jährige. Bis Rennende sei er im Modus „business as usual“ gewesen. „Dann auf dem Weg zum Podest hat es sich total verändert in die Emotion.“

Antonelli setzt sich in Mexiko WM-Krone auf

Kimi Antonelli hat es geschafft: Der Italiener kürte sich am Sonntag mit einem dritten Platz in Mexiko zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Den Sieg schnappte sich Max Verstappen vor Polesetter Lewis Hamilton.

Antonelli dankt seiner Familie

Im Baseball-Stadion, durch das die Strecke in Mexiko-Stadt führt, war Hamilton dann Antonellis erster Gratulant. „Er ist ein toller Typ, er hat sich das so sehr verdient“, meinte dessen Mercedes-Vorgänger, der auf weitere Duelle in den kommenden Jahren hofft. Nach anerkennenden Worten von Rennsieger Max Verstappen ging es für Antonelli noch mit dem Helm auf dem Kopf zu seiner Familie. Neben seinen Eltern war auch seine kleine Schwester Maggie nach Mexiko gereist.

„Wirklich alle haben geweint. Meine Familie hat ganz viele Opfer gebracht, um mich hierherzubringen“, sagte Antonelli. „Es war eine unglaubliche Reise mit dem Team und mit meiner Familie.“ Nun versuche er, weiter zu gewinnen. „Die Art und Weise, wie wir in dieser Saison vorangekommen sind und alles umgesetzt haben, war schon außergewöhnlich.“

Emotionaler Kimi Antonelli
Nach dem Titelgewinn überkamen Antonelli die Emotionen: Es flossen nicht nur einmal Tränen

Antonelli will restliche Saison „genießen“

Neun von bisher 19 WM-Läufen hat der Shootingstar aus Bologna für sich entschieden, seine ersten fünf Grand-Prix-Siege feierte er in Serie. Vier Rennen sind in diesem Jahr noch ausständig, das nächste bereits kommenden Sonntag in Brasilien. „Mein Leben wird jetzt ein bisschen einfacher“, sagte Antonelli über den durch den WM-Titel abgefallenen Druck. „Jetzt werden wir die restliche Saison genießen.“

Vater Marco Antonelli zeigte sich von der Resilienz seines Sohnes beeindruckt. „Letztes Jahr hatte er ein schwieriges Jahr. Er hat die Power gefunden zurückzukommen, das hier ist das Ergebnis.“ Er werde die Vorkommnisse erst in einigen Tagen richtig realisiert haben, meinte der 62-Jährige, selbst Rennfahrer und Rennstallbesitzer. „Es war eine spezielle Reise von Anfang an – vom Kartfahren bis jetzt. Danke auch an Mercedes. Ohne sie wäre es unmöglich, jetzt hier zu stehen.“

Bambino-Champion verzaubert die Formel 1

Gratulation kam auch von Sebastian Vettel. „Campione del mondo. Wow. Das schaffen nur sehr wenige von uns, und niemand hat es in so jungen Jahren geschafft wie du“, sagte der deutsche Ex-Rennfahrer in einer Grußbotschaft. Der viermalige Weltmeister war bis Sonntag der jüngste Titelträger. Beim WM-Gewinn 2010 war er 23 Jahre alt.

Antonelli hat das deutlich unterboten. „Der Bambino-Champion, der die Formel 1 verzaubert hat – indem er sich selbst treu blieb“, schrieb Italiens „La Gazzetta dello Sport“. „Seit 73 Jahren hat unser Land auf diesen Moment gewartet, und heute wird eine ganze Nation feiern, dass einer der Ihren den absoluten Gipfel unseres Sports erreicht hat“, sagte Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali – selbst Italiener. „Ein Grund für großen Stolz für unsere Nation“, schrieb Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf der Plattform X – 1953 hatte Alberto Ascari als bis dahin letzter Italiener die WM gewonnen.

Für den neuen Star der Formel 1 begann eine Fiesta mexicana mit offenem Ende. „Er trinkt ja gar keinen Alkohol, aber hier muss er noch ein bisschen erwachsen werden“, sagte Teamchef Wolff. „Es ist Zeit für den ersten Tequila.“ Den hatte Mexiko-Gewinner Verstappen schon vor einer Woche angekündigt, als Antonelli sich den Titel mit seinem Sieg in Austin zurechtgelegt hatte. Als es nun so weit war, freute sich auch der viermalige Champion mit dem neuen Weltmeister.

Antonelli will Startnummer zwölf behalten

Antonelli will seine Startnummer zwölf im kommenden Jahr behalten. Erstens, weil er „sehr abergläubisch“ und die eins nie eine gute Nummer für ihn gewesen sei. Zweitens, weil die zwölf eine Hommage an Ayrton Senna ist. Zu dessen Ehren tritt Antonelli am kommenden Wochenende in Sao Paulo auch mit einer speziellen Helmlackierung an – erstmals als Weltmeister.

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