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Führungsstreit beim SV 29 Kempten beigelegt, Versammlungswiederholung und Übergabe stehen noch aus
Menschen haben sich zum Foto aufgestellt und lächeln in die Kamera.
Bei der Pressekonferenz: Günther Huter (Abteilungsleiter Schützen), Korhan Erdön (1. Vorsitzender), Engin Tuncer (erster 2. Vorsitzender, Abteilungsleiter Fußball) und Jörg Schönberg (Technischer Leiter). © Anatol Kraus

Der Machtkampf beim SV 29 Kempten soll endgültig der Vergangenheit angehören. Nach monatelangen Auseinandersetzungen zwischen bisherigen und neu gewählten Vorstandsmitgliedern haben sich die Beteiligten auf einen gemeinsamen Weg verständigt.

Kempten – Bei einer Pressekonferenz betonte der im Frühjahr gewählte Vorsitzende Korhan Erdön, die Streitigkeiten seien beigelegt. „Man muss im Verein nicht in allen Punkten derselben Meinung sein“, sagte er. Entscheidend sei, gemeinsam Verantwortung für die mehr als 500 Mitglieder und die drei Abteilungen Fußball, Ringen und Schützen zu übernehmen. Maßgeblich zur Einigung beigetragen habe Oberbürgermeister Christian Schoch, der bei Gesprächen im Rathaus vermittelt hatte.

SV 29 Kempten: Strittige Vorstandswahl

Ausgangspunkt des Konflikts war die Jahreshauptversammlung vom 28. April. Ralf Hähnel war damals zunächst zum Vorsitzenden gewählt worden. Weil die Ergebnisse sich insgesamt anders entwickelt hatten als erwartet, erklärte er aber noch am Wahlabend seinen Rücktritt. Erdön wurde daraufhin von der Versammlung vorgeschlagen und zum neuen Vorsitzenden gewählt. Zu diesem Zeitpunkt war er nach eigenen Angaben erst wenige Wochen Vereinsmitglied. Laut Protokoll erhielt er 63 Ja-Stimmen bei 34 Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Umstritten war insbesondere die Durchführung der Versammlung. Weil das Vereinsheim nicht genügend Platz bot, mussten etwa 25 bis 30 Mitglieder (von 98) draußen bleiben. Die Abstimmungen erfolgten per Handzeichen, während durch geöffnete Fenster versucht wurde, die draußen Wartenden einzubeziehen. Erdön hielt anstelle der im Verein etablierten Akklamation eine Abstimmung per Stimmzettel im Nachhinein für die möglicherweise bessere Lösung.

Drei Mitglieder legten laut Protokoll anschließend Widerspruch ein. Sie erklärten, sie hätten die Versammlung von draußen nicht verfolgen können. Auch Schützenmeister Günther Huter räumte bei der Pressekonferenz ein, dass die Informationen nur eingeschränkt nach draußen gelangt seien.

Neue Satzung

Die gemeinsame Erklärung von bisherigem und neu gewähltem Vorstand sieht vor, die ursprünglich avisierten vereinsinternen Ausschlussverfahren gegen Korhan Erdön und Engin Tuncer nicht weiterzuverfolgen.

Die Einigung soll nun durch strukturelle Veränderungen abgesichert werden. Eine überarbeitete Satzung soll gewährleisten, dass alle drei Abteilungen angemessen an Entscheidungen beteiligt werden. Hintergrund ist insbesondere das starke Wachstum der Fußballabteilung, das die Stimmverhältnisse innerhalb des Vereins verändert hat. Erdön räumte ein, dass diese Entwicklung den Konflikt mit ausgelöst haben könnte. „Sonst gäbe es hier irgendwann mal nur einen Vorstand rein aus Fußballern“, erklärte er.

Künftig sollen die Interessen aller Abteilungen besser berücksichtigt werden. Außerdem kündigte Erdön eine Vereinssoftware an, über die Finanzen, Beschlüsse und Projekte für die Verantwortlichen transparent dokumentiert werden sollen.

Allerdings stehen wesentliche Schritte noch aus. Bei Redaktionsschluss waren die Vereinsunterlagen und Bücher nach Erdöns Angaben noch nicht an den neu gewählten Vorstand übergeben worden. Erst anschließend könnten die wirtschaftliche Situation bewertet und ein umfassendes Entwicklungskonzept ausgearbeitet werden. Dieses soll zusammen mit einem überarbeiteten Personaltableau und der geplanten Satzungsänderung einer erneuten Jahreshauptversammlung vorgelegt werden. Einen konkreten Termin dafür nannte Erdön auf Nachfrage nicht.

Drei Abteilungen, gemeinsame Ziele

Sportlich hat sich der SV 29 ehrgeizige Ziele gesetzt. Fußball-Abteilungsleiter und stellvertretender Vorsitzender Engin Tuncer berichtete von einem starken Mitgliederzuwachs. Während die Nachwuchsabteilung vor einigen Jahren mit etwa zehn Kindern begonnen habe, trainierten inzwischen mehr als 100 Kinder und Jugendliche im Verein. Auch die Herrenmannschaft sei aufgestiegen. Mittelfristig strebe man ein eigenes Nachwuchsleistungszentrum an. Eine dreijährige Zusammenarbeit mit dem FC Bayern Campus und weitere Kooperationen sollen die Talentförderung stärken. Am 7. März 2027 wird die U11 der Barça Academy Zürich für einen Leistungsvergleich nach Kempten kommen. Für den 15. Mai 2027 kündigte Tuncer zudem ein hochklassig besetztes Jugendturnier, den „Elite Cup“, in Kempten an.

Ausgebaut werden soll auch der Mädchenfußball. Für die Jahrgänge 2014 und 2015 sucht der Verein weitere Spielerinnen. Eine neue fußballbegeisterte Trainerin wurde erst kürzlich verpflichtet.

Die Ringer wollen sich dauerhaft in einer der höchsten bayerischen Ligen etablieren und perspektivisch den Aufstieg in die Oberliga schaffen. Ein neu gegründeter Förderverein soll die künftige Entwicklung unterstützen.

Bei den Schützen steht dagegen die Modernisierung der Sportstätte im Mittelpunkt. Nach Angaben von Schützenmeister Huter wird die ehemalige Kegelbahn zu einem Schießstand mit vier Ständen umgebaut. Zusätzliche Angebote mit Licht- und Luftdruckgewehren sollen insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen.

Erdön betonte, finanz- und mitgliederstarke Abteilungen müssten die schwächeren unterstützen – sowohl mit Geld als auch durch ehrenamtliche Arbeit. Langfristig strebt der Verein wieder eine Mitgliederzahl von mehr als 1.000 an.

Inklusionscafé im Vereinsheim

Auch das Vereinsgelände in der Eich soll aufgewertet werden. Erdön möchte insbesondere die bislang wenig genutzte Vereinsgaststätte wiederbeleben. Eine seiner Ideen ist ein Inklusionscafé, in dem Menschen mit Behinderung beschäftigt werden könnten. Darüber habe er bereits mit OB Schoch gesprochen. Konkrete Planungen oder Finanzierungszusagen gebe es allerdings noch nicht.

Darüber hinaus denkt die Vereinsführung über größere Veranstaltungen, ein Stadtteilfest und weitere bauliche Veränderungen nach. Das vorhandene Grundstück biete dafür erhebliche Möglichkeiten, sagte Erdön. Entscheidend sei jedoch, dass sämtliche Vorhaben gemeinsam entwickelt und von den Mitgliedern getragen würden.

Ob der angekündigte Neustart gelingt, wird sich somit nicht allein an sportlichen Erfolgen zeigen. Zunächst müssen die vereinbarte Übergabe, die Satzungsreform und die erneute Mitgliederversammlung umgesetzt werden. Erst dann dürfte sich zeigen, wie tragfähig die nach monatelangem Streit beschworene Einigkeit tatsächlich ist.

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