Zurück
Die Kulisse war durchweg ohrenbetäubend, auch das Ergebnis dürfte beim VfB Stuttgart Kopfschmerzen verursacht haben: Im Hexenkessel von Istanbul verloren die Schwaben mit dem 0:2 (0:2) gegen Galatasaray ihr erstes Spiel in der Champions League und mussten dadurch im Kampf um die direkte Qualifikation für das Achtelfinale einen Rückschlag verkraften. "Wir sind top in die Champions League gestartet, wir lassen uns da jetzt nicht von unserem Weg abbringen", sagte Flügelspieler Chris Führich im Interview dennoch trotzig.
Für den VfB entwickelte sich der Auftritt in Istanbul zur persönlichen Hölle. Im Stimmungstempel des türkischen Serienmeisters verpassten die Schwaben zunächst den frühen Führungstreffer (8.) und damit die Gelegenheit, den Gegner wortwörtlich zum Schweigen zu bringen.
Dabei hatten die Stuttgarter genauso scharf und giftig begonnen wie zuletzt beim 4:2 gegen Leverkusen. "Wir hatten gute Durchbrüche am Flügel, waren im letzten Drittel, waren gefährlich. Ich hatte das Gefühl, das Spiel ist gerade so auf unserer Seite. Und in genau dieser Phase, verlieren wir das Spiel, kriegen wir zwei Tore. Es ist bitter und unnötig", fasste VfB-Trainer Sebastian Hoeneß die erste Hälfte zusammen.
Nach dem Doppelpack von Aleksey Batrakov wurde es nur noch hitziger in der Arena. "Natürlich entwickelt sich dann hier eine Energie, die man auch erst mal aushalten muss", erklärte Führich. Zu allem Überfluss kam auch die frühe Auswechslung von Atakan Karazor hinzu (17.). Es kam der 19 Jahre alte Österreicher Yanik Spalt, der aber dazu beitrug, dass sich der VfB ein wenig fing. "Spalti hat ein gutes Spiel gemacht. Er hat das Herz in die Hand genommen und gezockt wie ein Alter", sagte Hoeneß.
Leverkusen, StuttgartMit dem 4:2 von Leverkusen hat sich der VfB Stuttgart für die Heimpleite gegen Borussia Mönchengladbach rehabilitiert. Auch der Trainer war nach dem überzeugenden Auftritt voll des Lobs für sein Team.
Die Emotionen waren dabei weiter am Anschlag, bestens zu beobachten bei einer Rauferei am Spielfeldrand nach einem Zweikampf zwischen Chris Führich und Baris Yilmaz (37.). "Das gehört zu so einem Spiel einfach dazu. Wir wussten, wie laut es wird. Wir wussten, dass eine aggressive Stimmung herrschen wird. Wir wollten dagegenhalten. Wir wussten, dass wir uns jetzt nicht klein machen dürfen", stellte Ermedin Demirovic im Nachhinein klar.
In der zweiten Hälfte ließen sich die Schwaben von der Lautstärke und der Intensität des Spiels der Gastgeber weitaus weniger irritieren. "Es ist ganz schön ordentlich für die Ohren. Aber man zieht daraus auch Energie und investiert dann noch mehr", so Führich. Das Spiel blieb zwar ruppig und zerfahren, der VfB aber hatte genug Chancen, ihm noch eine Wende zu geben. Nur an der Effizienz haperte es wie so oft.
Führich schlenzte am Tor vorbei (57.), Schüsse von Deniz Undav (63.) und erneut Führich (65.) parierte der starke Ugurcan Cakir. Kurz vor Schluss scheiterte auch Dzenan Pejcinovic am Istanbuler Torhüter (86.). "Mein Schuss war auch drin, aber hat am Ende nicht gezählt. Klar müssen wir uns das anschauen und daraus mehr machen, wenn man hier punkten möchte", so Führich, dessen Treffer in der 75. Minute wegen einer Abseitsstellung aberkannt wurde.
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß hatte nach der Partie gemischte Gefühle: "Ich bin stolz, wie sie hier in dieser Atmosphäre alles gegeben haben. In der zweiten Halbzeit kann ich einfach nur den Hut ziehen vor der Leistung, aber das Ding wollte irgendwie nicht rein", fasste der Coach zusammen.
Zur Wahrheit gehört auch, dass der VfB somit in den letzten vier Pflichtspielen sieben Gegentore kassiert hat. In der Liga steht für die Schwaben am Samstag das Heimspiel gegen den Tabellenfünften aus Bremen an. Die Niederlage in der Königsklasse soll bis dahin schnell aus den Köpfen. Denn in der Bundesliga ist die Bilanz der Stuttgarter mit neun Punkten aus acht Spielen noch ausbaufähig.