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Vize-Weltmeister muss zuschauen
Linus Weber (hier beim Drehsprung) vom SV Kirchdorf ist in dieser Saison deutscher Vizemeister geworden. Sein großes Ziel, die WM-Qualifikation, verpasste der amtierende Vize-Weltmeister allerdings. (Foto: Eibner-Pressefoto/Pascal Sattler)

Im November 2025 war der Jubel noch riesengroß. In seinem ersten Jahr im Erwachsenenbereich gewann Linus Weber vom SV Kirchdorf als Debütant mit 192,32 Punkten auf Anhieb die Silbermedaille in der Elite der Einer-Männer im Kunstradsport bei der Hallenradsport-WM in Göppingen. Nur der große Favorit Philipp-Thies Rapp (RSV Tailfingen), der 202,70 Punkte erreichte, war an diesem Tag nicht zu schlagen.

Eine Übung gibt den Ausschlag

Rapp, der inzwischen den Weltrekord mit 216,53 Punkten hält, tritt am kommenden Wochenende zur Titelverteidigung an. Weber wird hingegen auf der Starterliste fehlen. Er steht nicht im Aufgebot des deutschen Radsportverbands German Cycling (GC), der Ende September kurzfristig die Ausrichtung der Weltmeisterschaft übernommen hat und damit zum dritten Mal in Folge nach Bremen (2024) und Göppingen (2025) Gastgeber sein wird. Die Titelkämpfe hätten ursprünglich im britischen Derby ausgetragen werden sollen, doch der Veranstalter hatte abgesagt, weil er das Event organisatorisch und finanziell nicht mehr gewährleisten konnte. So steigt die Hallenradsport-WM nun vom 30. Oktober bis 1. November in der MHP-Arena in Ludwigsburg.

„Die Enttäuschung über die verpasste Qualifikation ist immer noch sehr groß, gerade auch weil der WM-Start das große Ziel für diese Saison war“, sagt Linus Weber. „Dass die WM jetzt in Ludwigsburg steigt, macht es umso enttäuschender. So ein neuerliches Heimspiel wie im Vorjahr in Göppingen wäre einfach mega gewesen.“ Ausschlaggebend für die Nichtnominierung sei am Ende eine Übung gewesen, der Sattellenkerstand rückwärts in der acht, der in den sieben Qualifikationsprüfungen nicht optimal geklappt habe. „Bei den Wettkämpfen, in denen es nicht um die WM-Qualifikation ging, hatte die Übung immer gut funktioniert. Das macht es besonders ärgerlich“, so der Kirchdorfer. „In der Qualiwertung haben letztlich nur drei Punkte über das zweite WM-Ticket entschieden.“ Die zwei deutschen Startplätze für den Einer-Wettbewerb gingen schließlich an Weltmeister und Weltrekordler Rapp sowie Simon Halter (RSV Concordia Erlenbach).

Für Weber reichte es in der Quali-Gesamtwertung nur für Rang drei. „Ich wäre sehr gern zur WM gefahren, um meine Silbermedaille aus dem Vorjahr zumindest zu verteidigen, aber es sollte einfach nicht sein“, sagt der 19-Jährige, für den es noch eine Hintertür geben könnte. „Ich bin als Ersatzfahrer nominiert, falls sich einer der beiden deutschen Starter noch bis Donnerstag, 18 Uhr, vor der WM verletzen, oder krank ausfallen sollte.“

Über seinen Onkel Stefan Raaf, selbst mehrfacher Weltmeister im Doppel, und seine drei Jahre ältere Schwester Lisa, DM-Siebte 2026, kam Linus Weber mit sechs Jahren zum Kunstradsport. (Foto: Klaus Weber)

Das habe er schon ein bisschen im Hinterkopf, hoffe aber, dass der Fall nicht eintrete. „Das wünscht man keinem. Im Wettkampf sind Philipp, Simon und ich Konkurrenten, aber ansonsten gut befreundet“, sagt Weber. „Wir verstehen uns privat gut, unternehmen auch zusammen etwas, wenn es die Zeit erlaubt, und pushen uns in sportlicher Hinsicht natürlich. Das gehört einfach dazu.“

Mitfiebern in der Zuschauerrolle

Für den Fall der Fälle wäre der Kirchdorfer vorbereitet und könnte einspringen. „Ich trainiere auch jetzt ganz normal dreimal pro Woche in Kirchdorf mit meinen Trainern, meinem Onkel Stefan Raaf und Viktor Volk (beide selbst mehrfache Weltmeister im Doppel, Anm. d. Red.) wie auch das ganze Jahr über“, erläutert Weber. „Eine Pause als Kunstradfahrer darf man sich einfach nicht erlauben, sonst ist man schnell raus.“

Die WM wird Weber so oder so auf jeden Fall intensiv verfolgen. „Wenn nicht als Sportler, dann als Zuschauer. Ich werde die Jungs anfeuern und hoffe, dass sie bestmöglich abschneiden. Philipp ist als Titelverteidiger der Topfavorit“, so der Kirchdorfer. „Simon vertritt quasi meine Rolle aus dem Vorjahr, er ist aktuell in seinem ersten Elite-Jahr als WM-Debütant unterwegs. Ich traue ihm auf jeden Fall auch eine Medaille zu. International ist einfach keiner auf dem Level unterwegs wie die Top vier in Deutschland.“ Es sei schwieriger sich in Deutschland für eine WM zu qualifizieren, als als deutscher WM-Starter eine Medaille zu holen. Deutschland sei einfach weltweit die Kunstradsport-Nation Nummer eins.

Mit zehnfachem Drehsprung zu DM-Silber

Trotz der verpassten WM ist die Saison 2026 gut gelaufen für Weber. Ende Juli wurde er in Mergelstetten überraschend baden-württembergischer Meister und Ende September deutscher Vizemeister im bayrischen Sulzbach am Main. Zudem belegte er Platz zwei in der prestigeträchtigen, dreiteiligen German-Masters-Serie, den wichtigsten Wettkämpfen abseits der Meisterschaften.

Besonders die DM ist Weber noch sehr gut in Erinnerung. „Sehr bitter war dort, dass ich in der Vorrunde die WM-Chance vergeben habe durch eine mäßige Leistung, mich dann aber steigern und noch eine top Kür im Finale zeigen konnte, die zu Silber gereicht hat“, so der Kirchdorfer. Erstmals legte er dabei auch einen zehnfachen Drehsprung auf das Parkett. „Das ist mit eine der schwierigsten Übungen überhaupt. Ich war der Einzige, der diese in diesem Jahr in einem Wettkampf gezeigt hat.“ In der Endabrechnung schlugen damit 200,88 Punkte für Weber zu Buche, der Titel ging an Philipp-Thies Rapp (210,94 Punkte). „DM-Silber bedeutet mir schon viel. 2025 war ich ja nur Dritter geworden“, so Weber. „Philipp ist derzeit nicht schlagbar, wenn er keinen Fehler macht.“

Klare Ziele für die kommende Saison

Die im Kunstradsport magische 200-Punkte-Marke hatte der Kirchdorfer zuvor erstmals bei der Landesmeisterschaft im Juli übertroffen und danach im weiteren Saisonverlauf noch mehrmals. „Mehr als 200 Punkte muss man mittlerweile erreichen, um in Deutschland ganz oben mitmischen zu können“, erläutert Weber. „Darauf habe ich lange hingearbeitet, meine ganze bisherige Karriere. Es ist super, dass die Marke endlich gefallen ist.“

Seine derzeitige persönliche Bestleistung steht bei 203,54 Punkten, aufgestellt beim zweiten German Masters in Ilsfeld Anfang September. Das soll aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, die Motivation bleibt weiter hoch. „Für nächste Saison peile ich 210 Punkte an und will näher an Philipp herankommen. Dafür muss ich den Schwierigkeitsgrad meiner aktuellen Kür noch um einiges erhöhen“, sagt Weber. „Da arbeite ich jetzt schon im Training dran. Das wird kein einfacher Weg, dafür sind noch viele Trainingsstunden zu investieren und auch Nerven.“ Die Ziele für die kommende Saison seien klar abgesteckt: Eine Medaille bei der DM und die Qualifikation für die WM schaffen, um dort dann bestenfalls auch eine Medaille zu holen.

Weltcup-Start zum Saisonabschluss

Ein Wettkampf steht für Weber unterdessen noch in diesem Jahr an, das Finale der vierteiligen Weltcupserie in Dorlisheim (Frankreich) im November. „Da will ich nochmals Gas geben und bestmöglich abschneiden, um Platz zwei in der Gesamtwertung halten zu können“, stellt der Kirchdorfer klar. Schon in den ersten drei Wettkämpfen in Nesvady (Slowakei), Vác (Ungarn) und Rangendingen hatte er Platz zwei belegt – jeweils hinter Weltmeister Philipp-Thies Rapp.

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